Das bardgeldlose Bezahlen setzt sich immer mehr durch. Am beliebtesten ist bei den Kunden die Girocard. Online wird vor allem PayPal genutzt.

Bargeld lacht zwar weiterhin bei deutschen Kunden, aber immer mehr Verbraucher nutzen Kredit- oder Girokarten. Etwas über die Hälfte des Umsatzes im stationären Einzelhandel zahlen die Konsumenten noch bar, nämlich 53,3 Prozent, wie das EHI Retail Institute herausgefunden hat. Dafür wurden in den Monaten Februar und März dieses Jahres über 500 Unternehmen aus 35 Branchen befragt.

Der Umsatz per Karte stieg demnach auf 170,4 Milliarden Euro. Damit werden zur Zeit 43,7 Prozent des gesamten stationären Einzelhandelsumsatzes in Höhe von rund 390 Milliarden Euro per Karte abgewickelt. Das ist achtmal soviel wie vor 20 Jahren. Die restlichen 3 Prozent entfallen auf Rechnungen, Finanzkäufe und auf die immer beliebter werdenden Gutscheinkartenverkäufe.

EC-Lastschrift weiterhin beliebt

Das stärkste absolute Wachstum unter den Kartenzahlungsarten gibt es bei der Girocard/Electronic Cash. Deren Anteil wächst auf 23,7 Prozent am Gesamtumsatz (plus 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) beziehungsweise 54,3 Prozent vom Kartenumsatz. Der Umsatzzuwachs hat sich allerdings gegenüber dem Vorjahr deutlich abgeschwächt.

EC-Lastschriftverfahren legen hingegen mit einem Zuwachs von 0,5 Prozentpunkten von 12,9 auf 13,4 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes stärker zu als in den Vorjahren. Grund dafür dürfte etwa die Sicherheit für den Weiterbetrieb unter Sepa-Regularien sein, schreibt das EHI.

Nur 5 Prozent der Unternehmen haben sich demnach gegen den Weiterbetrieb von EC-Lastschriftverfahren unter Sepa-Regularien entschieden. Damit ist die erfolgreiche Dualität von PIN- und Unterschriftverfahren der vergangenen Jahre weiterhin gesichert. Zurzeit praktizieren mehr als drei Viertel aller großen Unternehmen eine Kombination beider Verfahren.

Händler investieren in Unterschriftenpads

Rund 57 Prozent der großen Handelsunternehmen werden im laufenden oder in den nächsten Jahren in die Payment-Infrastruktur investieren. Neben der Weiterentwicklung des kontaktlosen und mobilen Bezahlens mit Schwerpunkt NFC-Technologie rücken auch sogenannte Unterschriftenpads für die digitale Erfassung von Kundenbelegen aus Lastschrift- und Kreditkartenzahlungen in den Investitionsfokus.

Gebühreneinsparungen in zweistelliger Millionenhöhe
Auflagen des Bundeskartellamts haben zur Aufhebung des langjährigen Gebührenmonopols der Deutschen Kreditwirtschaft geführt. Bisher waren einheitlich 0,3 Prozent, mindestens 8 ct Gebühren pro Transaktion zu entrichten.

Nun führen individuelle Verhandlungen, die die Händler zu einem kleinen Teil selbst, zum Großteil durch Netzbetreiber geführt haben, zu einer um rund 20 Prozent reduzierten Gebührenbelastung.

Erhebliche Gebühreneinsparungen erwartet

Für das laufende Jahr werden dadurch Gebührenreduzierungen in Höhe von 62,6 Millionen Euro erwartet. Das EHI kritisiert allerdings in diesem Zusammenhang die offensichtlich entstandene Intransparenz der Verhandlungsergebnisse, da nur einem sehr geringen Teil der befragten Unternehmen eine Issuer-bezogene Differenzierung der vom Netzbetreiber ausgehandelten Gebühren möglich war.

Rund ein Viertel der Händler glaubt an einen vollen Erfolg von Apple Pay in Deutschland, weitere zwei Drittel der Befragen sehen das Zahlungsverkehrsprodukt von Apple zumindest als Nischenlösung. Ein überraschend positives Ergebnis, zumal zurzeit der Markteintritt von Apple Pay in Deutschland noch nicht einmal angekündigt ist.

PayPal beliebt bei Onlinehändlern#/ZT
Im Online-Angebot der in der EHI-Befragung vertretenen Omnichannel-Händler ist erstmals PayPal die am meisten angebotene Zahlungsart. Beim Kunden vergleichsweise unbeliebte Online-Bezahlverfahren wie Vorkasse oder Nachnahme verlieren sukzessive auch im Angebot der Händler an Bedeutung. PayPal ist nach der konventionellen Zahlungsart Rechnung/Überweisung mit deutlichem Vorsprung vor der Kreditkarte auf Platz zwei im Umsatzranking der Omnichannel-Händler und konnte den Anteil in nur einem Jahr um 3,3 Prozentpunkte auf 27,4 Prozent steigern.

Deutlich zugelegt hat in Geschäften, die sowohl stationär als auch online aktiv sind, die Bezahlung online bestellter Waren vor Ort. Diese Variante nimmt den besonders sicherheitsbewussten Kunden offensichtlich sowohl die Angst vor dem Einsatz von Zahlungsmitteln im Internet und ermöglicht gleichzeitig noch einmal ein Prüfen der bestellten Ware in einer Filiale des Händlers.