Der Boom der Geländewagen hält unvermindert an. Auch Ford will von der Entwicklung profitieren und rückt seine Modelle in den Blickpunkt.

Das Treibhausgas CO2 ist mit den Manipulationen durch Volkswagen wieder verstärkt in in die öffentliche Diskussion  gerückt. Betroffene Fahrzeugbesitzer beklagen sich zu Recht über die geschönten Werte durch die VW-Ingenieure und warten derzeit noch gespannt auf Lösungsansätze aus Wolfsburg.

Dabei könnte die autofahrende Menschheit noch viel mehr auf den Klimakiller achten. Doch der Trend zu schweren, hochbeinigen Geländewagen, sogenannten SUV mit erhöhtem Kraftstoffkonsum, ist ungebrochen. Die Nachfrage boomt trotz der mahnenden Worte der Klimaforscher und die Hersteller liefern gerne, ungeachtet der ehrgeizigen CO2-Ziele von 95 g/km, die es bis 2021 beim Flottenverbrauch zu erreichen gilt. Schließlich steigern die in aller Regel üppig ausgestatteten Modelle mit Allradantrieb und feinster Technik für schweres Gelände (was praktisch nie zum Einsatz kommt) den Profit maßgeblich.

Eine aktuelle Studie von IHS Automotive sagt den Geländewagen bis 2020 einen Marktanteil von 27 Prozent voraus. Schon jetzt liegt in Deutschland der kumulierte Anteil der beiden vom Kraftfahrtbundesamt geführten Segmente bei 18,5 Prozent.

600 PS oder Cabrio - die Bandbreite wird immer größer

Alle Welt setzt also auf SUV - und da will natürlich auch Ford nicht nachstehen. Mit dem Kuga verfügen die Kölner zwar schon seit geraumer Zeit über einen Verkaufsschlager, der mit 23.445 Zulassungen nach den ersten zehn Monaten des Jahres sogar das SUV-Segment anführt, weil der VW Tiguan (49.173) bei den größeren Geländewagen gelistet ist. Doch Hersteller, die die dynamische Entwicklung vollends nutzen wollen, müssen auf allen Vieren noch breiter aufgestellt sein. Schließlich reicht die Bandbreite der Off-Roader inzwischen bis zum Bentley Bentayga mit mehr als 600 PS oder zum gerade erst präsentierten Range Rover Evoque als Cabrio.

Und so ist Ford, nach Van- und Nutzfahrzeugoffensive, nun auch um weitere SUV-Vielfalt bemüht. Dazu bedienten sich die Rheinländer vor eineinhalb Jahren kurzerhand im eigenen Konzern und verschiffen seither den rund vier Meter kurzen Ecosport von Brasilien aus nach Europa. Doch ganz so einfach ist das Geschäft nicht.

Mit wenig anmutiger Innenraumgestaltung, Fahrwerks- und Geräuschschwächen sowie einem massiven Reserverad an der links angeschlagenen Hecktür konnte der Südamerikaner dem vergleichbaren Südkoreaner namens Mokka im Opel-Portfolio nicht gefährlich werden. Derzeit liegen die Absatzzahlen in Deutschland bei lediglich 4.454 Einheiten, während Opel mit dem Mokka bereits 26.400 Neuanmeldungen verbuchen konnte.

Ecosport nachgebessert

Jetzt hat Ford das Manko erkannt und nachgebessert. Das fünfte Rad am Wagen ist zugunsten von Optik und Praktikabilität verschwunden, die beheizbare Frontscheibe, seit 30 Jahren eine Spezialität der Marke, sorgt ebenso für Komfort wie die aufgemöbelte Armaturentafel und die Modifikationen an Servolenkung und ESP. Stellt sich die Frage: Warum nicht gleich so?

Keine Kritik gab es für den Antrieb. Der vielfach ausgezeichnete 1,0-Liter-Dreizylinder mit 92 kW/125 PS ist bei der Kundschaft erste Wahl (85 Prozent Verkaufsanteil). Ab Dezember legt Ford mit 103 kW/140 PS sogar noch eine Schippe drauf.

Edge folgt Mitte 2016

Foto: Ford
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Das gilt auch für das gesamte SUV-Angebot. Ecosport und Kuga erhalten Mitte nächsten Jahres noch einen, freilich bereits vielfach angekündigten, großen Bruder. Wieder wurde der weltumspannende Konzern in den eigenen Reihen fündig: Der Edge ist auf den Straßen in den USA schon eine feste Größe. Jetzt soll er endlich auch nach Deutschland geliefert werden.

Zuvor präsentiert Ford aber noch den neuen Ranger. Der Pick-up ist in einem weiteren Trendsegment zu Hause, das nicht gerade zur Reduktion von Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen beiträgt. Doch neben den SUV wird auch den martialischen Pritschenwagen eine verheißungsvolle Zukunft vorhergesagt. Mit Mercedes-Benz, Renault und Fiat steigen immerhin gleich drei Hersteller ganz neu in diese Fahrzeuggattung ein, weil die Absatzaussichten verlockend sind.

Bernd Nusser