Für Lovro Mandac ist klar: Die deutsche Warenhauslandschaft steht vor einer Veränderung. Und das bedeutet für den Kaufhof-Chef Fusion. Die aktuelle Entwicklung beim Rivalen Karstadt sieht er mit gewisser Skepsis.

So sehr sich Lovro Mandac auch windet, nichts über den großen Mitbewerber zu sagen - etwas Verwunderung ist doch aus ihm herauszuhören. Denn als sich der langjährige Kaufhof-Chef zur Höhe der Investitionen äußeren soll (75 Millionen Euro), mit denen Karstadt zunächst 27 Häuser modernisieren will, sind vorsichtige Zweifel herauszulesen.

"Neue Rolltreppen sind bei diesem Budget normalerweise nicht drin", sagte Mandac der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe). Und die Zukunft von Karstadt ohne Budgeterhöhung zu gestalten, hält der Kaufhof-Chef für "eine große Herausforderung".

Nach seiner Rechnung müssen fünf Prozent des Umsatzes für regelmäßige Modernisierungen aufgebracht werden - bei Kaufhof entspräche das einem dreistelligen Millionenbetrag. Alle fünf Jahre müsste ein Warenhauskonzern heutzutage seine Häuser modernisieren.

Mit gewisser Skepsis blickt Mandac auch auf das Jahr 2012, wenn beim Rivalen der Sanierungstarifvertrag ausläuft, und Karstadt dann jährliche Mehrkosten von 50 Millionen Euro für das Personal verkraften muss. Dass Karstadt diese Summe dann zusätzlich erwirtschaften muss, ist für den Kaufhof-Chef ebenfalls "eine Herausforderung", wie er es formuliert.

Die Zukunft heißt Fusion

Mandac wirkt, als ob er das Treiben bei Karstadt gelassen beobachtet. Gut ist es ja auch nicht, was der Mitbewerber derzeit veranstaltet: Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Alain Caparros schmeißt seinen Posten verärgert hin, und auch Verdi-Vizechefin Margret Mönig Raane mahnte bei Investor Nicolas Berggruen etwas mehr Ausgabefreudigkeit bei Investitionen an, die Diskussion um die Aufteilung des Konzerns in drei Bereiche dauern an - und neuerdings sacken gar die Umsäte ab. Sieht so der Aufbruch in eine große Zukunft aus?

Für den Kaufhof-Chef bedeutet die Zukunft vor allem eines: Fusion. "Es wird in der Warenhausbranche eine Konsolidierung geben, davon bin ich fest überzeugt. Und Kaufhof wird daraus verstärkt hervorgehen." Bei dieser Konsolidierung müsse es jedoch nicht zunächst zwingend eine nationale Lösung geben.

"Ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass ein europäischer Mitspieler Karstadt als Ganzes übernimmt", betonte Mandac, der Kaufhof attraktiv für einen neuen Besitzer hält. "Das muss aber nicht zwingend jemand aus Europa sein."

Die Konzernmutter Metro sucht seit geraumer Zeit einen Käufer für seine Warenhaustochter, weil sie nicht in die Internationalisierungsstrategie des Konzerns passe.

Keine weiteren Schließungen

Mandac hält das System Warenhaus freilich grundsätzlich für zukunftsträchtig. "Warenhäuser sind für viele Menschen ein Erlebnisbereich. Sie kommen rein, wollen schauen, fühlen, vergleichen und entscheiden sich erst dann. Deshalb ist die Verweildauer größer geworden."

Bei den künftigen Sortimenten heißt es für Kaufhof: Unterhaltungselektronik und Lebensmittel raus - Mode und Accessoires rein. Hausgeräte oder Mitnahmeartikel wie Föhne und Wecker sollen aber weiter zum Technikangebot gehören, kündigte Mandac an. Ähnlich wie es bei Karstadt vorgesehen, soll es bei der Zusammenstellung der Sortimente eine verstärkte Regionalisierung geben.

Je nach Standort soll entschieden werden, welche Produkte in die Regale kommen, kündige Mandac an. Weitere Schließungen von Häusern seien für dieses Jahr nicht mehr vorgesehen. Im Februar wurde der Standort Leipzig aufgegeben.

Mehr Warenvielfalt im Webshop

Verstärkt wird allerdings das bisher eher schwache Onlinegeschäft bei Kaufhof. "Von Herbst an bieten wir Textilien online und bieten unseren Kunden ein echtes Multichannel-Angebot", sagte Mandac. Die Warenvielfalt der Filialen soll auch im Onlineshop abgebildet werden. Den Kunden stünden künftig mehrere Einkaufswege zur Verfügung: "Sie können im Internet bestellen und die Waren nach Hause geliefert bekommen oder in den Warenhäusern abholen. Und sie können online gekaufte Ware vor Ort umtauschen."

Davon verspricht sich Mandac weniger Retourenaufwand beim Onlinekauf und mehr Frequenz in den Filialen. In den nächsten Jahren strebt Kaufhof mehr als 100 Millionen Euro Umsatz im Onlinegeschäft an, "das sind etwa drei Prozent unseres heutigen Gesamtumsatzes", betonte Mandac.