Mit Google Places baut der Internetgigant seine lokale Suche weiter aus. In einem Pilotprojekt werden nun sogar eigene Fotografen in Läden und Restaurants geschickt.

Kaum ist die Datenschutzdebatte um Google Street View, bei dem der Suchmaschinenprimus Straßenzüge fotografiert und ins Netz stellt, halbwegs abgeflaut, da will Google auch noch Innenaufnahmen von Häusern anfertigen. Diesmal aber nicht ungefragt, sondern erst nach Zustimmung der Händler und Restaurantbesitzer, deren Geschäftseinrichtungen im Netz veröffentlicht werden sollen.

"Die von Google erstellten Fotografien geben dem Konsumenten einen guten Eindruck, was ihn erwartet, wenn er in ein Geschäft geht", begründet das Unternehmen das Ende April gestartete Pilotprojekt. "Der Kunde kann so besser entscheiden, was das Geschäft zu bieten hat und was es von anderen unterscheidet."

USA, Australien und Japan

Zunächst schickt Google seine Fotografen in ausgewählten Städten in den USA, Australien und Japan in die Ladenlokale. "Deutschland ist momentan nicht in der Planung", heißt es auf Anfrage von Der Handel aus der Google-Pressestelle.

Veröffentlicht werden die Fotos dann im Rahmen von Google Places, einer Art Branchenbuch, das dem Suchenden bei der Suche in Google Maps weitere Auskünfte etwa über Händler, Hotels oder Kinos in der Nähe gibt.

Mit dem Angebot will der Suchmaschinengigant sein lokales Engagement vorantreiben: Immerhin stehe eine von fünf Suchanfragen bei Google mit einem Ort in Verbindung. „Deshalb wollen wir sicherstellen, dass Unternehmen gut gefunden werden und gleich ihre Schokoladenseite präsentieren können“, heißt es.

Google Places

Die Ortsseiten Google Places wurden im September 2009 für mehr als 50 Millionen Orte rund um die Welt eingeführt – um den Kunden zu helfen, "informiertere Entscheidungen darüber treffen zu können, wohin sie gehen wollen", formuliert es Google in seinem deutschen Blog. "Von Restaurants über Hotels, Reinigungen und Fahrradläden, bis zu interessanten Orten wie Museen, Schulen und Parks."
 
Die Ortsseiten zeigen Fotos, Beurteilungen und Angebote der lokalen Geschäftsleute.
Jeder Unternehmer kann dabei sein eigenes Profil hinterlegen und die Einträge um Details wie Öffnungszeiten, Fotos und Videos ergänzen – und das sogar kostenlos. Mehr als vier Millionen haben dies inzwischen getan.

Seit Kurzem gibt es auch die Funktion so genannter Echtzeit-Updates auf den Ortsseiten. Wenn ein Händler beispielsweise eine Verkaufsveranstaltung besonders bewerben will, kann er dies mit einem "Post", also einer Mitteilung auf seiner Firmenseite direkt kommunizieren.

Kostenlose Auswertung für Unternehmen

Google bietet den Unternehmern sogar eine Auswertung an – ebenfalls kostenlos. Das personalisierte "Dashboard" im Google Places-Konto zeigt dem Unternehmer, wie oft Nutzer ihn bei Google gefunden und welche Suchwörter sie dazu benutzt haben.

Und so will Google dann letztlich auch Geld verdienen: Wenn ein Händler sieht, wie Google Places das Interesse an seinem Laden beeinflusst, könne er "besser informierte Entscheidungen" darüber treffen, wie er am besten in Google gefunden wird. Das heißt im Klartext: Er schaltet hoffentlich bei den entsprechenden Suchschlagworten kostenpflichtige AdWords-Anzeigen.

Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist in der Juni-Ausgabe von Der Handel erschienen.
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