"Digitalisierung des Handels ist mehr als ein Onlineshop", sagt Martin Wild, Digitalchef von Media-Saturn. In der Saturn-Filiale in Ingolstadt will der Elektronikhändler zeigen, was damit gemeint ist. Dazu gehört auch ein bisschen Spielerei.

Nach knapp dreißig Metern verweigert sich "Paul". Er geht weder nach vorne noch zurück. Da hilft kein sanftes Zureden, kein harscher Befehlston. Ein bisschen erinnert Paul an den bockigen Esel "Apollo13" aus dem Film "Schuh des Manitu". Immerhin wirkt "Paul" so, als würde er nachdenken, also, was bei einem Roboter nachdenken eben ist. Jedenfalls arbeiten seine Prozessoren, das lässt das Leuchten im Display erkennen. Und irgendwann verkündet er, dass ihm zu viele Leute den Gang versperren und er kein Ziel nachvollziehen könne. 

Das Ziel war die Abteilung mit Waschmaschinen, zu der "Paul" den Kunden führen sollte. Doch der Test an diesem Tag geht erst einmal schief. Vielleicht muss man eben gelegentlich auch auf die Psyche eines Roboters Rücksicht nehmen und sich eigenständig auf die Suche nach dem Wunschprodukt machen. Zum Glück stehen ja die Sortimentsbereiche groß genug an den Wänden geschrieben, ohnehin kommt man dorthin selbstständig schneller als im Schlepptau eines Roboters.

Der Roboter als Symbol für Fortschritt

Es ist nicht genau zu erkennen, was der Kundennutzen von "Paul" ist, der in dieser Ingolstädter Filiale von Saturn die Besucher begrüßt, sie im Schneckentempo durch den Laden führt oder nach einem Verkaufsberater fahndet. Offenbar ist für den Menschen ein Roboter immer noch das große Symbol für Fortschrittlichkeit. Eine Maschine, die denkt, redet, vielleicht sogar fühlt - diese Sehnsüchte erfüllte in den siebziger Jahren "R2 D2" im "Krieg der Sterne". Oder "Robbi" aus der deutschen Trickfilmserie "Robbi, Tobbi und das Fliwatüt". Klick, klick.

Auch "Paul" steht für Fortschrittlichkeit. Doch niemand erwartet von dem vom Fraunhofer-Insitut für die Seniorenpflege entwickelten Gerät einen grandiosen praktischen Gewinn. Vielmehr ist diese rollende Sprechmaschine ein Spaß für den Kunden und ein Fingerzeig von Saturn: Wir haben die Technikkompetenz. Zumal im Media-Saturn-Kosmos Roboter aktuell der letzte Innovationsschrei sind - die Kollegen von Media-Markt testen aktuell in Düsseldorf einen Zustellroboter.

Weg aus der Realität: Saturn bietet Virtual Reality
© Saturn
Weg aus der Realität: Saturn bietet Virtual Reality
Die Saturnfiliale im Ingolstädter Westpark soll der innovativste, digitalste und inspirierende Fachmarkt für Consumer Electronics in Deutschland sein, lautet die kraftvolle Ansage des Unternehmens. Auf 4.300 Quadratmeter Verkaufsfläche gibt es jetzt unter anderem eine Zone für Videospiele und Virtual Reality, ein paar Meter weiter können Kunden Drohnen fliegen lassen und in Europas erste "Samsung Galaxy World" herumschauen. Hier hat der Kunde von Smartphones seine Freude, woanders vielleicht noch mehr - denn dort gibt es eine Werkstatt für Telefone und Notebooks, wo man den Handwerkern bei der Arbeit zusehen kann. Außerdem testet Saturn einen "Virtual Promoter". Das ist ein mächtiger Bildschirm, vom dem aus die Saturn-Werbefigur Technick grüßt und bei der Produktsuche weiterhilft. 

Mobile Kassensysteme

Der Markt in Ingolstadt soll vereinen, wofür Media-Saturn künftig stehen will: "Orientierung, Erlebnis, Service" wie es Deutschlandchef für Carsten Strese formuliert. Was sich hier bewährt, soll möglichst überall umgesetzt werden. Es geht dabei nicht um einen vollautomatischen Markt. Vielmehr will der Elektronikhändler technische Möglichkeiten mit den Vorzügen von Kundendienst von Mitarbeitern verknüpfen. Dazu gehören auch Kleinigkeiten wie ein Ampelsysstem an den sechs Kassen, wo grünes Licht bedeutet, dass man hier sofort bedient wird. Wer etwas Schweres aus der Abteilung weiße Ware kauft, braucht sich gar nicht mehr anstellen - denn die entsprechenden Verkaufsberater tragen mobile Kassensysteme mit sich. Wie man es aus den Apple-Stores kennt.

Auch das Thema Schonen von Ressourcen schließt Saturn mit ein. Besonders umweltfreundliche Produkte aus allen Sortimentsbereichen kennzeichnet Saturn mit Preisschildern mit grünem Rand. Auf dem Dach der Filiale liefert neuerdings eine Photovoltatikanlage Ökostrom. Und zur Abteilung Umweltschutz gehört auch der Test, ob die Kunden digitale Kassenbons annehmen. Wenn ja, würde das künftig jede Menge Papier sparen. So wie mit den elektronischen Preisschildern, die es bereits fast überall bei Media-Saturn gibt.

In der Nacht seine Bestellung abholen

Media-Saturn will zeigen, dass man es zum perfekten Multichannel-Händler geschafft hat und bereit ist für die modernen Zeiten. "Denn die Digitalisierung des Handels hat gerade erst begonnen", sagt Martin Wild, Chief Digital Officer des Unternehmens. "Und dazu gehört mehr als ein Onlineshop." Die Zukunft seines Unternehmens hat er auf drei Säulen gestellt: Einkaufserlebnisse für die Kunden (allgemein Customer Experience genannt), rechtzeitig neue Geschäftsmodelle aufnehmen und schließlich die eigenen Prozesse so optimieren, dass in den Läden mehr Zeit für Kundenberatung bleibt. Denn die ganzen technischen Neuheiten bringen nicht viel, wenn es nicht dem Hauptzweck eines Händlers dient: die Konsumenten glücklich machen. 

Drohnen sind das Trendspielzeug für Erwachsene
© Saturn
Drohnen sind das Trendspielzeug für Erwachsene
Und bei diesem Anspruch gilt es eben darum, jeden Verkaufskanal optimal zu nutzen. "Online will der Kunde schnellen Zugang, große Auswahl und Preistransparenz", erklärt Digitalchef Wild das Einmaleins des Multichannel-Handels. "Stationär geht es ihm um Beratung und Erlebnis." Schon jetzt würde jeder zweite Media-Saturn-Kunde die Click&Collect-Funktion nutzen, also online bestellen, in einer Filiale abholen. Und das funktioniert bei Saturn im Ingolstädter Westpark ab sofort noch komfortabler. Hier wurde eine 24-Stunden-Abholmöglichkeit für Reparaturen oder online georderte Produkte geschaffen. Bezahlt werden kann per EC-Karte.

Allerdings muss die Bestellung bis Ladenschlusszeit 20 Uhr eingegangen sein, damit ein Saturn-Mitarbeiter das Paket noch in den Ausgabeschacht legen kann. "Paul" könnte ja hier vielleicht auch einspringen - aber auf den ist nicht immer Verlass.


Neue Partner

Media-Saturn akzeptiert Amex

420 Akzeptanzstellen mehr: Der Kreditkartenanbieter American Express weitet seine Kooperationen im Einzelhandel aus - dank einer Partnerschaft mit dem führenden Elektronikhändler. Mehr lesen

Player

Media-Saturn: "Unser Anspruch ist es, Dinge zu entwickeln, an die heute noch niemand denkt"

Media-Saturn galt lange als ein zäher Koloss, der sich mit Betonfüßen durch Digitalien bewegt. Doch inzwischen erneuert sich der Elektronikriese mit schwindelerregendem Tempo. <br /><br />Mit Chief Digital Officer Martin Wild sprechen wir darüber, wie die digitale Transformation den Händler verändert und zeigen, mit welchen Innovationen Media-Saturn spielt, welchen Lösungen der Konzern vertraut und welche er ausbaut.   Mehr lesen

Media-Saturn

"Wir müssen das Victoria’s Secret der Konsumelektronik werden"

Shop-in-Shop in den Metro-Großmärkten statt Elektrofachmarkt: Media-Saturn will neue Wege gehen. Dabei sollen auch elektronische Preisschilder helfen. Die Zahlen geben der neuen Strategie Recht. Mehr lesen