Wer Treppenlifte verkaufen will, der ist angesichts der schleichenden Alterung bei Facebook noch gut aufgehoben. Wer junge Zielgruppen anpeilt und hippe Produkte feil bietet, der zeigt sich mehr und mehr bei Instagram und Snapchat, um visuelle Geschichten von seiner Marke zu erzählen und Kunden in den Verkaufskanal zu führen.


Spaß beiseite. Natürlich ist auch Facebook weiter ein ganz wichtiges Medium, um Botschaften zu vermitteln und Kunden in den Webshop zu lotsen. Doch die Musik - gerade für Teens - spielt zunehmend in der kommunikativen Umwelt der visuellen Netzwerke. Dort lässt sich gerade jetzt noch die größte Aufmerksamkeit erzeugen, weil die Marketingaktionen noch nicht überdreht sind, auch wenn Studien zeigen, das Marken mehr und mehr die visuellen Kanäle Instagram (über 300 Millionen aktive Nutzer) und Snapchat (200 Millionen Nutzer) nutzen und ihr Engagement bei Facebook zurückdrehen. Ein positiver Nebeneffekt: Gegenwärtig erzielen Posts auf Instagram und Snapchat eine höhere Follower-Engagement-Rate als bei Facebook. 

Welche Hebel kann man also einsetzen, um den Bildern das Verkaufen zu lehren?

Taco Bell gehörte zu den ersten Anbietern, die Snapchat erprobten, um Fans der Marke dort ein exklusives Angebot zu machen. Taco Bell baut um seine Angebote zudem immer wieder kleine Geschichten und aktiviert Nutzer, ihre Freunde zu informieren. Details der jüngsten Aktion erklärt Marketingland.

Mit dem Stories-Feature hat es Snapchat inzwischen erleichtert, mehrere Bilder zu einer längeren Geschichte zusammenzufassen und diese mit mehreren Nutzern gleichzeitig zu teilen. Auch die Haltbarkeit der Bilder wurde verlängert. Der 10-Sekunden-Verfallsmodus gilt hier nicht, wurde auf 24 Stunden ausgedehnt. Das Momentum der Dringlichkeit, das einen Teil des Reizes von Aktionen bei Snapchat ausmacht, an dem sich gerade der chinesische Online-Riese Alibaba mit 200 Millionen Dollar beteiligt hat, bleibt damit aber gleichwohl erhalten.

Schlüsselloch-Perspektive. In allen sozialen Medien eine gerne genutzte Mechanik. Das lässt sich mit Bildern von Events und Eindrücken hinter den Kulissen via Snapchat und Instragram gut orchestrieren. Home24 oder auch Kisura setzen das beispielsweise zuweilen ein. Auch das Team, wie bei Amorelie, darf man ruhig mal zeigen. Michael Kors zeigt, dass sich sogar eine Luxus-Marke bei Snapchat wohl fühlen kann. Zur New York Fashion Week gabs Bilder jenseits des Catwalk.

Für Mitmach-Aktionen gilt: Die Hürden sollten niedrig sein. Was ist leichter gemacht als ein Selfie im Laden, den man dann bei Instagram teilt. Vielleicht verbindet man das sogar mit einer kleinen Belohnung im Laden. Ohnehin immer wieder gerne genommen: Kleine Belohnungen aka geldwerte Vorteile für die Follower. Beispiel: Mister Spex. Oder man setzt wie Amorelie schlicht auf ein aktuelles Thema auf.



Aufwändigere Aktionen wollen indes gut orchestriert sein. Heineken berauschte Fans während des Coachella Valley Music and Arts Festival in Kalifornien mit der Snapchat-Aktion „HeinekenSnapWho“. Da sollten per Fotos die Stars der Heineken-Bühne erraten werden. Zur Belohnung gab es exklusive Insights.


Gerade um neue Freunde bei Instagram zu gewinnen, ist eine aussagekräftige Bio wichtig, die Nutzern erklärt, was sie vom Unternehmen und womöglich auch bei Instagram erwartet. Gelungen löst das Glossybox: “Eine Box. Fünf Produkte. Und jede Menge zu entdecken! Begleite uns auf unserer Beauty-Reise”.

Hashtags: Auch bei Instagram sollte man die nicht vergessen, um die Vernetzung und Auffindbarkeit zu erleichtern. Hashtags gilt es auch zu nutzen, wenn man beispielsweise mit seinen Fans einen Foto-Wettbewerb veranstaltet. Hashtags sind zudem wichtig, wenn es gelingt, Influencer zu erreichen, die eine hohe eigene Reichweite haben. Besonders attraktive Influencer werden bereits vermarktet.

Instagram gewinnt zudem gerade dadurch an Attraktivität, dass Werbekunden klickbare Links in bezahlten Beiträge einfügen können und mit dem neuen Werbeformat “Karussel” vier Fotos in einem Beitrag integrieren können.

Auf einem Bein kann man indes nicht stehen. Aktionen bei Instagram und Snapchat sollten man also immer auch über Facebook und Twitter promoten. Zumindest, wenn man bei Snapchat gerade erst los legt.


Ganz wichtig: Eine Top-Bildqualität. Schnappschüsse machen schließlich schon die normalen Nutzer und selbst die zeigen zuweilen Bilder in Profi-Qualität. Wie man mit Bildern Markenfeeling erzeugt, zeigt beispielsweise Blue Tomato bei Instagram.

Besonders sehenswert wird Instagram aber immer dann, wenn es gelingt, unterschiedliche Lifestyle-Welten zu vereinen. “Coffee N’ Clothes“, das konsequent Mode und Kaffeetrinker in einem Bild vereint, ist dafür ein sehr schönes Beispiel.

Sehenswerte Kombi bei Coffee N' Clothes
Sehenswerte Kombi bei Coffee N' Clothes


Denn mit netten Bildern allein wird man in den Bilder-Netzwerken, die allmählich ihre Nischen verlassen, auf Dauer wieder nur die Erregungskurven von Treppenlift-Anzeigen erreichen können.