Am Donnerstag schloss die Internet World in Berlin ihre Pforten. Die Veranstalter melden Rekordbesuch und zufriedene Aussteller. Doch es gab auch kritische Stimmen.

Am Donnerstag schloss die Internet World in Berlin ihre Pforten. Die Veranstalter melden Rekordbesuch und zufriedene Aussteller. Doch es gab auch kritische Stimmen.

Die nach Angaben des Veranstalters (Communic in München) größte Internet-Messe in Europa ging am letzten Donnerstag zu Ende. "Alle Erwartungen wurden erfüllt", meldet Veranstalter Communic. 978 Aussteller präsentierten sich an drei Tagen den 74.000 Fachbesuchern auf der Internet World, lautet die Bilanz.

Communic zitiert einige Ausstellerstimmen: "Sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Kontakte lagen über den Erwartungen", so Martin Gosen von der Commerzbank AG. Eva Vennemann, Pressesprecherin von Web.de AG: "Für die Web.de AG und die Workways GmbH war der erste Auftritt auf der Internet World ein voller Erfolg. Beide Unternehmen konnten eine Vielzahl an interessanten Gesprächstermine wahrnehmen und erste Vertragsabschlüsse anbahnen."

Erste Auswertungen der Besucherbefragung durch den Veranstalter würden belegen, dass auch der Großteil der Besucher die Messe mehr als positiv bewerten. Sie wären sowohl vom Angebotsspektrum der Aussteller als auch vom Informationsangebot des Veranstalters auf den Vortrags-Arenen begeistert.

CYbiz präsentierte sich ebenfalls in Berlin und führte mit einer großen Zahl von Ausstellern und Besuchern intensive Gespräche. Auf Ausstellerseite konnte CYbiz allerdings nicht die positive Einschätzung des Veranstalters feststellen. Insbesondere Firmen, die den Business-Bereich adressieren, waren geteilter Meinung. Die Beurteilungen "wenig qualitative Kontakte und Leads" und "befriedigend bis gut" hielten sich die Waage.

Auffällig war, dass an allen drei Tagen viele Endverbraucher auf der Messe zu finden waren. Das war auch die Kritik vieler Aussteller. Gewünscht wird, dass der Veranstalter stärker auf Fachbesucher achtet.

Im Vergleich zum Vorjahr war bei den Ausstellern weniger Euphorie auszumachen - wie übrigens vor wenigen Wochen auch auf der CeBIT in Hannover. Die anhaltende Krise der Start-ups führt vor allem bei diesen Firmen dazu, dass mehr über Sinn und Nutzen sowie über Kosten und Erträge gesprochen wird. Und über vielen dieser Unternehmen schwebt das Damokles-Schwert der unsicheren Existenz. Es ist davon auszugehen, dass nächstes Jahr eine Reihe von Start-ups mit schwammigen, technologieorientierten Geschäftsideen nicht mehr existieren. Auch eine große Anzahl von Internet-Marktplätzen steht vor dem Aus, weil weder Anbieter noch Nachfrager ausreichend vorhanden sind (siehe zum Thema Marktplätze auch die aktuelle Ausgabe Nr. 7 von CYbiz).

Über all diese Themen wurde auch in den zahlreichen (aber schwach besuchten) Workshops und Panels auf der Internet World gesprochen. Marktplatzbetreiber und Shopanbieter sowie E-Business-Dienstleister referierten und diskutierten sachlich, fundiert und überwiegend ehrlich, auch wenn es meist keinen Kommentar gab, als nach Zahlen -- wie zum Beispiel nach Deckungsbeiträgen -- gefragt wurde. Erkennbar war, dass Begriffe wie New Economy", "Old Economy", "True Economy" usw. langsam zu Auslaufmodellen werden. Etablierte Unternehmen setzen zunehmend E-Business-Systeme ziel- und sachorientiert ein. Schlagworte wie "Mit dem Internet global verkaufen" , "1:1-Marketing" sowie weitere Slogans der Start-up-Gemeinde entpuppen sich mehr und mehr als leere Floskeln.

Dennoch - oder gerade deshalb - haben Internet-Firmengründungen weiter eine Chance. Der Markt bereinigt sich dramatisch, durchdachte Mehrwert-Services setzen sich durch, etablierte Unternehmen lernen nun auch von den guten jungen Firmen, auch weil viele ehemalige Mitarbeiter der Start-ups zu den traditionellen Unternehmen wechseln.

Fazit: Auch in Berlin war feststellen, dass der Verschmelzungsprozess zwischen alt und neu voll im Gange ist. Und dass mehr über Kunden und Marktmechanismen gesprochen wird als über Ideen und Revolution. (RS)


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