Konsumenten sollen künftig falsch etikettierte Lebensmittel auf einer offiziellen Internetseite anprangern können, fordert Verbraucherschutzministerin Aigner.

Verbraucher sollen künftig falsch etikettierte Lebensmittel auf einer Internetseite an den Pranger stellen können. Damit will Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gegen irreführende Kennzeichnung von Lebensmitteln vorgehen. "Wir müssen dem Etikettenschwindel Einhalt gebieten", sagte Aigner der "Bild am Sonntag".

Die Verbraucherzentrale Hessen solle dafür im Auftrag des Ministeriums im Frühjahr mit einer entsprechenden Internetseite online gehen. Verbraucher sollen dort Produkte benennen können, die ihrer Meinung nach nicht das enthalten, was Aufmachung oder Angaben versprechen. Verbraucherschützer sollen die Fälle prüfen und kommentieren. Die Unternehmen können dann Stellungnahmen abgeben. "Ich will den Dialog zwischen Verbrauchern und Wirtschaft ausbauen", sagte Aigner.

Analogkäse und Klebeschinken

Lebensmittelproduzenten müssten zudem einsehen, "dass es ein Irrweg ist, jede technische Neuerung zur Täuschung zu missbrauchen. Klebeschinken oder Analogkäse sind Beispiele dafür", betonte die Ministerin.

Aigner will, dass auch solche Produkte ins Netz gestellt werden, die zwar nach geltenden Vorschriften gekennzeichnet sind, aber von Käufern als irreführend empfunden werden – eine Art Feldversuch für mehr Verbraucherverständnis. Bei den Fällen eindeutiger Täuschung fordert die Ministerin ein strengeres Vorgehen. Hier müssten die Länderbehörden konsequenter einschreiten.

Branchenvertreter zeigten sich unterdessen skeptisch über Aigners Vorstoß. "Es besteht die Gefahr, dass diese Plattform mehr Verunsicherung als Klarheit schafft", sagte Kai Falk vom Handelsverband Deutschland.