Intersport - das war über ein Jahrzehnt Klaus Jost. Doch das gilt nicht mehr. Erst wurde der bisherige Vorstand entmachtet, nun gehen er und die Verbundgruppe getrennte Wege. Sportartikelhändler sind irritiert.

Das ist ein Paukenschlag für den deutschen Sportartikelhandel - und für Intersport. Klaus Jost gehört nicht mehr dem Vorstand der Verbundgruppe an, wie deren Aufsichtsrat an diesem Montag mitteilt. Dass es zu dieser Entscheidung gekommen ist, ist der bisherige Höhepunkt eines Zerwürfnisses innerhalb der Kooperation.

"Zwischen Klaus Jost und dem Aufsichtsrat konnte keine Einigkeit über die zukünftige Ausrichtung der Intersport erzielt werden", heißt es in einer erstaunlich direkten Mitteilung des Unternehmens. Das notwendige Vertrauensverhältnis zu dem ehemaligen Vorstand sei nachhaltig gestört, heißt es weiter:

"Dass Klaus Jost das ihm entgegengebrachte Vertrauen, sein für die Intersport enorm wichtiges Vorstandsressort weiterzuführen, nicht angenommen hat, bedauern wir. Die grundsätzliche Meinungsverschiedenheit über die Neuausrichtung unserer Verbundgruppe war letztlich nicht mehr zu kitten."

Neue Organisationsstruktur

Damit endet ein monatelanger interner Streit unrühmlich. Denn Jost war bereits vor einigen Wochen entmachtet worden. An seiner Stelle wurde Kim Roether vom Aufsichtsrat zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen. Jost sollte im Vorstand für Ware, Marketing und Vertrieb verantwortlich sein. Zuvor agierten beide als gleichberechtigte Doppelspitze.

Von der neuen Organisationsstruktur soll Jost an einem Wochenende vom Aufsichtsrat völlig unvorbereitet per Power Point-Präsentation unterrichtet worden sein, heißt es in Branchenkreisen. Angeblich habe er bereits damals mitgeteilt, dass er diese Pläne ablehnt. Roether wiederum werden bessere persönliche Verbindungen zum Aufsichtsrat nachgesagt. Seit drei Jahren wird dieses Gremium von der Unternehmensberatung Kienbaum unterstützt.

Die Frage ist jetzt, wie die Mitglieder den Abgang von Jost aufnehmen, der erst im September einstimmig für weitere drei Jahre als Präsident von Intersport International bestätigt wurde. Seit diesen Montag tingelt Aufsichtsratschef Knud Hansen durchs Land, um den Sportartikelhändlern die neue Organisationsstruktur zu erklären. In der "Süddeutschen Zeitung" verteidigte die Entscheidung pro Roether. "Aber in der Kommunikation haben wir Fehler gemacht", sagte er dem Blatt.

Jetzt muss er auch noch erklären, warum Jost Intersport gar ganz verlässt. Das dürfte seine Mission erschweren. Ein Händler, der nicht namentlich genannt werden will, sagt über die Stimmung unter seinen Kollegen zu Der Handel: "Die Basis ist stinksauer."

Sportler und Christ

Klaus Jost wollte auf Anfrage von Der Handel seine Personalie nicht kommentieren. Der ehemalige Adidas-Manager aus Frankfurt gilt als Sinnbild eines Mannes, der im Sportgeschäft erfolgreich ist. Er hatte einst Fußball gespielt, war ein schneller 100-Meter-Sprinter, auch heute noch trifft man ihn aktiv auf Laufveranstaltungen an.

Letztlich war Jost das Gesicht von Intersport, in den Medien wie auch bei Händlern - für die allerdings bisher Roether zuständig war. Jost oblag der Verantwortungsbereich Ware. Im Prinzip sind beide sehr unterschiedliche Typen. Hier der Sportler und bekennende Christ, dort der schneidige Manager, der 2007 von der Fruchthandelsgruppe Atlanta zu Intersport kam.

Roether will nun den Multichannel-Ansatz von Intersport herausarbeiten, sagte er Der Handel. "Neue Akzente setzen wir außerdem im Bereich Mitgliederbetreuung, den wir konsequent weiterentwickeln, und bei der Mitgliederkommunikation, die künftig einen hervorgehobenen Stellenwert bekommen soll", betonte er.

Auf jeden Fall dürfte der Abgang Josts Intersport einiges kosten, denn sein Vertrag als Vorstand lief noch bis 30. September 2017. Möglicherweise entwickelt sich gar ein Rechtsstreit. Denn Josts Anwalt Stefan Nägele prüft nach Informationen dieser Redaktion, ob die neue Organisationsstruktur mit nur noch einem Vorstandschef gegen die Satzung der Verbundgruppe verstößt.