Die Flächen im Handel wachsen, die entsprechenden Investitionen explodierten 2015 geradezu. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede bei den Standortlagen.

Der Onlinehandel wuchs zwar im vergangenen Jahr etwas weniger rasant als zuvor, trotzdem ist das Wachstum stetig. Doch die digitale Konkurrenz verhindert keineswegs, dass die Flächen des stationären Handels geringer werden. Im Gegenteil. So wurden 2015 zwölf neue Center eröffnet, drei mehr als 2014 und fünf mehr als 2013.

"Der Handelsimmobilienmarkt in Deutschland wächst weiter. Im vergangenen Jahr konnte ein Rekordniveau bei den Investitionen verzeichnet werden", sagte Stefan Genth, Haupgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) auf dem Handelsimmobilien-Kongress in Berlin. Demnach stiegen die Investitionen 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 120 Prozent auf 13 Milliarden Euro. Gründe dafür seien die stabile Konjunktur und der gute Ruf des deutschen Handelsimmobilienmarktes. Auch die ersten Signale für das laufende Jahr seien positiv, betonte Genth.

Demografische Entwicklung als Bedrohung

Doch die Unternehmen drängen vor allem in die Metropolen - weniger in kleinere und mittlere Städte. Dort dünnt nicht nur der Handel aus, sondern auch die Einwohnerzahlen gehen zurück. Für Genth ist die demografische Entwicklung daher ein längerfristiges Risiko für den Markt mit Handelsimmobilien. "Wo kein Kunde ist, kann auch kein Handel betrieben werden. In einigen Regionen leiden die Händler schon heute unter schrumpfenden Bevölkerungszahlen", sagte der HDE-Hauptgeschäftsführer.

Laut Genth werde die Schere zwischen den unterschiedlichen Standortlagen immer weiter auseinandergehen. Top-Lagen verzeichneten einen weiteren Bedeutungszuwachs, während ländliche Regionen perspektivisch eher verlieren würden. Der wachsende Onlinehandel bringe viele innenstädtische Händler durch sinkende Kundenfrequenzen unter Druck. "Bis 2020 könnten in Deutschland 50.000 stationäre Geschäfte vom Markt verschwinden", lautet die altbekannte düstere Prognose von Genth.

Gleichzeitig gebe es aber auch gegenläufige Trends: So eröffneten immer mehr Hersteller eigene Geschäfte und ursprünglich reine Onlinehändler drängten zunehmend in den stationären Bereich. Der wachsende E-Commerce und der Multichannel-Handel erhöhen zusätzlich den Bedarf an Lager- und Logistikflächen für die Branche. So wurde das außergewöhnlich hohe Transaktionsvolumen des Jahres 2014 in diesem Immobiliensegment im vergangenen Jahr 2015 noch übertroffen.