Rolf Schwirtz (l.) vom Software-Anbieter Oracle prophezeit das Ende von E-Business. Und Metro-Vorstand Zygmunt Mierdorf ist überzeugt, dass mit Internet-Shops kein Geld zu verdienen ist.

Rolf Schwirtz vom Software-Anbieter Oracle prophezeit das Ende von E-Business. Und Metro-Vorstand Zygmunt Mierdorf ist überzeugt, dass mit Internet-Shops kein Geld zu verdienen ist.

Diese und andere spektakuläre Thesen waren beim Presse-Roundtable zuhören, zu dem Oracle letzte Woche in München veranstaltete. Rolf Schwirtz, Vice President Sales & E-Business Solution bei Oracle, zeigte sich überzeugt, dass "Electronic Business" nicht mehr lange existieren werde. Den etwas verwirrten Zuhörern erklärte Schwirtz allerdings recht schnell, dass selbstverständlich das Internet an Bedeutung zulege. Mehr noch: Das Internet würde in das Zentrum der Geschäftsstrategie rücken. Und besonders Marktplätze sollen eine bedeutende Rolle spielen. Insoweit relativiert sich die Aussage von Schwirtz, dahin gehend, dass nicht dem Business-to-Consumer (B2C)-Segment des E-Business die Zukunft gehöre, sondern dem Business-to-Business (B2B) und damit der prozessorientierten Nutzung des Internet.

Dazu bietet Oracle so genannte "Branchen Exchanges" (Branchen-marktplätze). Das sind Online-Handels- und Informationszentren, die gemeinsam von Oracle und führenden Unternehmen - zum Beispiel mit der Metro - entwickelt werden. Sie sind auf die jeweilige Industrie oder Branche speziell zugeschnitten. Oracle bringt dabei seine technologische Kompetenz, der Partner seine branchenspezifischen Erfahrungen ein. Diese Exchanges werden dann für Firmen mit ähnlichen Interessen und Geschäftszielen zum zentralen Anlaufpunkt. Die Mitglieder können nach Angaben von Oracle:
· Brancheninformationen, aktuelle Trends und so genannte "Best practices" gemeinsam nutzen.
· Potenzielle Geschäftspartner identifizieren und klassifizieren.
· Die Beziehungen zu Käufern und Lieferanten festigen.
· Waren und Dienstleistungen in einer Branche kaufen und verkaufen.
· Zu anderen Exchanges ("Marktplätzen") wechseln, die ergänzende Waren und Dienstleistungen anbieten und
· Vereinigungen aufbauen, um gemeinsam zu günstigen Bedingungen einzukaufen.

Zusätzlich zu den einfacheren Handelstransaktionen dienen Exchanges - also Marktplätze -- als Plattform für sämtliche Geschäftsvorgänge einer Branche. Die gesamte Lieferkette (Supply Chain) vom Kunden bis zum Lieferanten der Lieferanten könne konsolidiert, koordiniert und optimiert werden. Dieses dadurch entstehende neue Geschäftsmodell soll dann die Grundlagen der Supply Chain in diesen Branchen verändern, neue Rahmenbedingungen für den Erfolg eines Unternehmens könnten dadurch vorgegeben werden.

Rolf Schwirtz sieht daher Internet-Marktplätze zunehmend ins Zentrum der Geschäftsstrategie rücken, weil damit effizientere Systeme in den Handelstransaktionen und in der Lieferkette möglich sind.

Das sieht auch Metro-Vorstand Zygmunt Mierdorf so. Online-Shopping bei bestimmten Produktfeldern sei unter anderem aus Gründen der Logistik und der Kosten auf Sicht kein ertragreiches Geschäft. Es sei denn, man komme dahin, dass ein deutlicher Zusatznutzen für den Endverbraucher geleistet werden könne, der dann auch bezahlt werden müsse.

Deshalb rückt auch die Metro AG als einer der größten Händler der Welt, die Prozessorientierung in den Mittelpunkt ihrer E-Business-Strategie. Ziel sei dabei Prozesseffizienz, Kosteneinsparung und verbessertes Marketing. Eine wichtige Rolle spielen dabei Auktionen zum Beispiel auf dem Marktplatz GNXGNX (Global Net Exchange), für den Oracle als Dienstleister arbeitet und an dem die Metro sich beteiligt hat. Über GNX seien schon einige Auktionen gelaufen, wodurch die Metro rund ein Drittel der ansonst anfallenden Kosten gesenkt habe. Eine deutliche Erhöhung der Zahl der Auktionen sei angestrebt.

Mierdorf betrachtet die Internet-Exchanges als "historische Chance" sowohl für Industrie als auch Handel. Schaffe man es, sich auf einheitliche Standards zu einigen, könnten sehr günstige Rahmenbedingungen erreichen. Die ersten Ansätze zur Nutzung der Internet-Sprache XML wurden gemacht. (RS)


FIRMENPROFILE:

1977 gründeten Larry Ellison und Bob Miner in Kalifornien das Unternehmen Oracle mit dem Ziel, Software zur Vereinfachung und Verbesserung von Geschäftsprozessen zu entwickeln. Oracle ist das zweitgrößte Software-Unternehmen der Welt und der führende Anbieter von E-Business-Lösungen für das Internet. Das einzigartige Produktportfolio umfasst die Internet Plattform, Tools und Internet-fähige Anwendungssoftware sowie darauf spezialisierte Beratung, Ausbildung und Support Services. Als erstes Software-Unternehmen hat Oracle zu 100 % Internet-fähige Enterprise Software entwickelt: dazu zählen Datenbanken, Server und Enterprise Business Applications inkl. Tools. Oracle stellt seinen Kunden als einziges Unternehmen komplette E-Business-Lösungen zur Verfügung und deckt damit deren gesamte Wertschöpfungskette vom Front Office (Customer Relationship Management) bis zum Back Office (Enterprise Resource Planning Applications) ab. Oracle ist in über 145 Ländern vertreten und hat mehr als 41.000 Beschäftigte, davon 1.900 in Deutschland.

Die Metro AG ist der drittgrößte Handelskonzern weltweit. Sie entstand im Juli 1996 aus der Verschmelzung von Metro Cash & Carry, Kaufhof Holding AG und Asko Deutsche Kaufhaus AG. 1999 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 86 Milliarden DM und ist heute mit 2.100 Betrieben in 21 Ländern präsent. Rund 40% des Umsatzes entfallen auf Auslandsgeschäfte in Europa und China. Der Konzern konzentriert sich auf fünf Geschäftsfelder:
Cash & Carry: Metro, makro
Lebensmitteleinzelhandel: extra, real
Nonfood-Fachmärkte: Media/Saturn, Praktiker
Warenhäuser: Galeria / Kaufhof
E-Commerce
Zur Metro AG gehören darüber hinaus zahlreiche Querschnittsgesellschaften; Diese arbeiten vertriebslinienübergreifend und bündeln Aufgaben wie Einkauf, Logistik, Informationstechnik, Werbung, Energiemanagement und Versicherungen. Daraus ergeben sich synergistische Effekte; sie stellen für den Konzern eine zusätzliche Wertschöpfung dar.


KONTAKT:

Oracle Deutschland GmbH
Rolf Schwirtz
Atrium B/IV
Riesstr. 25
80992 München
Tel. 089-14301616
Fax 089-14301504
E-Mail: rolf.schwirtz@oracle.com
Internet: www.oracle.com

Metro AG
Zygmunt Mierdorf
Ivo-Beucker-Str. 43
40237 Düsseldorf
Tel. 0221-68862940
Fax 0221-68862339
Internet: www.metro-ag.com