Die Flaggschiffe des Handels sind in schwerer See. Doch es gibt Hoffnung für die gebeutelte Branche.

Nicht erst seit der Existenzkrise bei Hertie müssen die klassischen Warenhäuser um ihre Zukunft kämpfen. Zwischen aggressiven Discountern, edlen Boutiquen und großflächigen Shoppingzentren ist manch alteingesessener Generalist mit breitem Sortiment ins Hintertreffen geraten.

Die Riege der Kauf- und Warenhäuser muss einen hartnäckigen Abwärtstrend stoppen. Ihr Marktanteil - einst bei stattlichen 12 Prozent - liegt jetzt nur noch bei 3,3 Prozent, wie der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) mitteilte.

Konzept „Alles unter einem Dach” ist lebensfähig

Im Gegenzug bauten besonders Fachmärkte (13,7 Prozent) und Discounter (13,3 Prozent) ihre Position aus. Als schlagkräftige Konkurrenz formieren sich zudem die innenstädtischen Einkaufszentren.

Das Konzept „Alles unter einem Dach” hat sich aber keineswegs überlebt, sagt Marco Atzberger vom EHI Retail Institute. Er verweist auf den Boom der Shoppingcenter. „Anbieter, die in der Mitte stehen, wie bisher viele Warenhäuser, müssen sich jedoch neu orientieren.”

Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung, sieht ebenfalls eine Zukunft für Warenhäuser: „Ohne Zweifel gibt es in Ballungsräumen Raum für Kaufhäuser, die durch ihre Größe und ihre Aufenthaltsqualität Anziehungspunkt bleiben.” Es werde langfristig in Deutschland jedoch nur ein großer Kaufhausbetreiber am Markt übrig bleiben.

Renaissance der regionalen Kaufhäuser

„In kleineren Städten zeichnet sich bereits jetzt eine Renaissance von mittelständischen Kaufhäusern ab, die sich regional individuell an Zielgruppen und Wettbewerbern ausrichten”, sagt Stumpf.

Dabei liege die Positionierung zum einen in der reinen Nahversorgung mit Lebensmitteln, Drogerie-und Schreibwaren, zum anderen in der Konzentration auf Sortimente wie Sport oder Textilien auf großer Fläche. Die zunehmende Filialisierung mit uniformierten Sortimentskonzepten schafft zudem Nischen für besondere Angebote, versichert der BBE-Chef.

Gerade leistungsstarke Mittelständler, die sowohl Eigentümer als auch Betreiber ihrer Immobilien sind, können zudem in Krisenzeiten dem Handelsmanagement mehr Spielraum durch flexiblere Mietgestaltung einräumen. Diesen wollten oder konnten die Investoren aufgrund der Finanz- und Immobilienkrise Hertie nicht einräumen.

Hoffnung für Karstadt und Hertie

Aktuelle Meldungen geben der Branche Hoffnung: Der Warenhaus-Konzern Karstadt hat sich im dritten Quartal nach einem Pressebericht offenbar besser im Markt behaupten können als erwartet.

Karstadt konnte nach einem Bericht der „WirtschaftsWoche” seinen Umsatz um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal steigern. Das erfuhr das Blatt aus Unternehmenskreisen. Die offiziellen Zahlen werden am Mittwoch bekannt gegeben.

Auch Hertie schöpft neuen Mut: Der Insolvenzverwalter der zahlungsunfähigen Kaufhauskette, Biner Bähr, macht den 4.000 Mitarbeitern des Unternehmens Hoffnung: Viele Interessenten hätten sich gemeldet, die Hertie übernehmen und dauerhaft weiterführen wollten, sagte er der „Bild am Sonntag”.

Dabei handele es sich sowohl um strategische wie auch um Finanzinvestoren. Das Unternehmen werde aber nicht zum „Schnäppchenpreis am Grabbeltisch” verkauft werden.

Sascha Meyer (dpa); Der Handel