Ausverkauf bei Arcandor: Metro hat starkes Interesse an einer Übernahme der Karstadt-Häuser angemeldet - und plant laut Medienbericht, diese Objekte sofort nach Italien weiterzuverkaufen.

Nach dem Insolvenzantrag des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor hat Metro-Chef Eckhard Cordes sein Interesse an den Karstadt-Warenhäusern bekräftigt. "Wir wollen einen starken Kaufhauskonzern bauen", sagte Cordes am Dienstagabend dem ZDF. "Wir haben ein kurz- und mittelfristiges Ziel, dieses neue Ganze zu schaffen, und ich glaube sogar, und da bin ich jetzt ganz tollkühn, dass es die Möglichkeit geben könnte, ein solches neues Unternehmen an die Börse zu bringen", betonte der Metro-Chef im "Heute-Journal".

Nach der geplanten Zusammenlegung von Karstadt und Kaufhof sollten von den dann insgesamt gut 200 Warenhäusern etwa 160 erhalten bleiben. Zugleich zeigte Cordes sich zuversichtlich, dass es keine kartellrechtlichen Bedenken geben sollte. Es habe dazu bereits Vorgespräche gegeben.

Warenhaus-Unternehmer Borletti ante portas

Doch offenbar soll dieser neue Warenhauskonzern nicht lange bei der Metro bleiben. Das "Handelsblatt" berichtet heute, dass der italienische Warenhaus-Unternehmer Maurizio Borletti Kaufinteressent einer Deutschen Warenhaus AG sei. Er werde von einem nicht genannten Finanzinvestor unterstützt. Dem Handelsblatt sagte Borletti: "Es laufen derzeit Diskussionen, an denen wir uns beteiligt haben. Aber angesichts der delikaten Lage ziehe ich es vor, nicht zu kommentieren."

Ein Metro-Sprecher wollte das angebliche Übernahmeinteresse nicht bestätigen. "Uns liegt nichts vor". Wohl bestätigte er aber den Plan, dass Metro die zu erwerbenden Warenhäuser in ein bis zwei Jahre neu strukturieren wolle, um sie dann mehrheitlich zu verkaufen. Der Gang an die Börse sei dabei eine Möglichkeit.

Städtetag hofft auf Karstadthäuser

Auch der Deutsche Städtetag drängt auf den Erhalt der Karstadt-Häuser. Sie hoffe, dass trotz des Insolvenzantrags "möglichst viele der Kaufhäuser erhalten bleiben und Arbeitsplätze in einem sehr großen Umfang gerettet werden können", sagte Städtetagspräsidentin Petra Roth der "Passauer Neuen Presse".

"Die betroffenen mehr als 70 Städte haben ein starkes Interesse an Lösungen für die Beschäftigten und daran, dass die Warenhäuser auch unter veränderten Vorzeichen weiter zu attraktiven Innenstädten beitragen können", so die CDU-Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main.

Im Falle von Schließungen sollten betroffene Städte unbürokratisch zusätzliche Städtebauförderungs-Mittel im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" erhalten.

Geschäfte laufen trotz Insolvenz weiter

Der Konzern um die traditionsreiche Kaufhaus-Kette Karstadt könnte - 128 Jahre nach der Gründung des ersten Hauses - zerschlagen werden. Rund 4.000 Beschäftigte der Karstadt-Mutter Arcandor bangen um ihre Arbeitsplätze. Die Geschäfte laufen aber weiter.

Das erfahrene Duo aus Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und dem eigens ernannten Arcandor-Bevollmächtigten Horst Piepenburg soll unter dem Schutz des Insolvenzverfahrens Arcandor sanieren und möglichst viele Stellen erhalten.

Schickedanz bedauert

Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz hat mit Bedauern auf die Insolvenz des Handels- und Touristikunternehmens reagiert. Zugleich wies sie indirekt jede Verantwortung für die Arcandor-Pleite zurück. "Ich habe mich mit meinem gesamten Vermögen engagiert und damit nach landläufiger Auffassung weit über jedes vertretbare Maß ins Risiko begeben", betonte sie am Dienstag in einer Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt.

Dem Aktionärspool um die Quelle-Erbin Schickedanz wird ein Arcandor-Anteil von rund 26,7 Prozent zugerechnet. "Ich habe stets zum Unternehmen gestanden und auch in schwierigsten Zeiten die Treue gehalten», unterstrich Schickedanz. "Als im November 2004 das Unternehmen nur durch eine Kapitalerhöhung zu retten war, habe ich diesen Schritt selbstverständlich vollzogen. Andere haben dies damals nicht gemacht."

"Bis zur letzten Sekunde gehofft"

Auch in der aktuellen Krise habe sie "keinen Moment" gezögert, zu meinem Engagement zu stehen, wohlwissend, dass eine Insolvenz mit weitreichenden Konsequenzen verbunden ist", so Schickedanz weiter. "Bis zur letzten Sekunde habe ich gehofft und gebangt, um dieses Schicksal abzuwenden."

ges