Für Arcandor gibt es Hoffnung: Die Banken wollen das Sanierungskonzept mittragen, zudem hat Konzern-Chef Eick in Italien neue Geldgeber gefunden. Aber: Alles hängt von der Staatsbürgschaft ab.

Das Rettungskonzept für den Handels- und Touristikkonzern Arcandor nimmt Formen an. Vor der Sitzung des Bürgschaftsausschusses der Bundesregierung an diesem Donnerstag in Berlin kann sich die Arcandor AG auf die Hilfe von Banken, Gläubigern, Eigentümern und Lieferanten stützen.

Voraussetzung dafür ist die von Arcandor beantragte Staatsbürgschaft. "Die Banken tragen unser Finanzierungskonzept mit", sagte Konzernsprecher Gerd Koslowski in Essen. Es geht um die Verlängerung von Krediten im Volumen von 960 Millionen Euro und neue Kredite über einen Zeitraum von fünf Jahren von 900 Millionen Euro.

Geld für eine Kapitalerhöhung aus Italien

Dazu wollen jetzt auch die Eigentümer eingreifen. Ein Sprecher des Bankhauses Sal. Oppenheim, das 28,6 Prozent der Anteile hält, sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Eigentümer der Bank stehen mit weiterem Kapital von bis zu 100 Millionen Euro zur Verfügung."

Unter bestimmten Voraussetzungen sei auch das Bankhaus selbst zu weiteren Krediten bereit. Dazu gehöre die Umsetzung des Sanierungskonzeptes von Arcandor-Vorstandchef Karl-Gerhard Eick. Für die Kapitalerhöhung hatte er eine neue Bank gefunden, die Mediobanca aus Italien, die mit 40 Millionen Euro an der Gesamtsumme beteiligt sein wird, sagte Eick der "Wirtschaftswoche". Zudem hätten Vermieter, Zulieferer und andere Partner Hilfen in der Größenordnung von 250 Millionen Euro zugesagt.

Auf die Staatsbürgschaft kommt es an

Das Konzept steht und fällt nach Darstellung von Arcandor mit einer Zusage über eine Staatsbürgschaft von 650 Millionen Euro. Damit soll ein Teil des 900-Millionen-Kredits abgesichert werden.

"Das Finanzierungskonzept ist ein Konzept, das nur als Gesamtes funktioniert", sagte Arcandor-Sprecher Koslowski. Und das gesamte Paket müsse bis 12. Juni stehen, möglichst früher, sonst drohe die Insolvenz, die nach Eicks Schätzung Staat und Sozialkassen rund eine Milliarde Euro kosten würde.

Volkswirtschaftlich gewichtig

Die Aussage von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), schnell entscheiden zu wollen, sei deshalb von großer Bedeutung. Eick hält Staatshilfe für gerechtfertigt, weil sein Handelsgeschäft mit mehr als 52.000 Beschäftigten volkswirtschaftlich ein gewichtiger Faktor sei.

Eine öffentliche finanzielle Unterstützung fordert auch das Arcandor-Personal. Am Mittwoch demonstrierten rund 6.000 Beschäftigte aus ganz Deutschland in Berlin für Geld vom Bund. An diesem Donnerstag ziehen etwa 1.000 Mitarbeiter aus Nordrhein-Westfalen vor den Düsseldorfer Landtag. Unterstützt werden sie dabei von der Gewerkschaft Verdi.

Deutscher Städte- und Gemeindebund fürchtet um Kaufkraft

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte bei einer Arcandor-Pleite vor hohen Kaufkraftverlusten durch den Arbeitsplatzabbau und einer Verödung der Innenstädte. Kaufhäuser seien Mittel- und Anziehungspunkte.

Arcandor-Lenker Eick wollte am Donnerstag vor dem Bürgschaftsausschuss noch einmal das Überlebenskonzept seiner Kaufhauskette Karstadt und der Versandhandelsgruppe Primondo erläutern. Beide Töchter und der gesamte Einkauf sollen gestrafft werden. Dazu gehören Verkäufe und notfalls Schließungen. Vor allem aber würden mehr Kaufhäuser und Arbeitsplätze erhalten bleiben als bei einer Fusion mit Konkurrent Kaufhof aus der Metro-Gruppe.

Sanierung vor Fusion

Dem Arcandor-Sanierungskurs sollen acht defizitäre Karstadt-Häuser und ein Sporthaus sowie 115 Quelle Technik Center und rund 1.500 Quelle-Shops zum Opfer fallen. Die drei Luxuskaufhäuser KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München zählen auch nicht mehr zum Kerngeschäft. Alles soll in eine neu zu gründende Gesellschaft mit dem Namen ATRYS ausgegliedert werden.

Die Sanierung kommt für Eick vor einer eventuellen Fusion mit Kaufhof. Arcandor wehrt sich dabei gegen Metro-Aussagen, der Konzern sei nicht relevant in Deutschland, sagte Koslowski. Das weist Arcandor rundweg zurück. In Medienberichten wird immer wieder behauptet, Metro-Chef Eckhard Cordes wolle die Sanierung von Arcandor verhindern, um später günstig an die Kaufhäuser zu kommen.