Neuer Investor für Karstadt: Maurizio Borletti bietet nun auch für den insolventen Warenhausbetreiber. Damit gibt der italienische Geschäftsmann der alten Vision einer Warenhaus AG neue Nahrung.

Kurz vor der erwarteten Einigung um die Karstadt-Übernahme des Investors Nicolas Berggruen ist ein neues Angebot aufgetaucht.

Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" hat der italienische Handelskonzern Borletti beim Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg ein Angebot über 100 Millionen Euro für die insolvente Kaufhauskette abgegeben. Ein Sprecher Görgs bestätigte dies.

Das Angebot soll erst zum Zuge kommen, falls die Berggruen-Übernahme doch noch scheitert. Görg-Sprecher Thomas Schulz betonte allerdings, dass die Angebotsfrist längst abgelaufen sei. Es werde alles getan, damit der notariell unterzeichnete Kaufvertrag mit Berggruen in Kraft treten könne. "Dieses Schreiben von Borletti wirft auch mehr Fragen auf, als beantwortet werden können."

Immer gegen Berggruen

Maurizio Borletti, dem rund 150 Warenhäuser gehören, ist auch Mitglied des Karstadt-Vermieterkonsortiums Highstreet. Dass der italienische Kaufhausbesitzer jetzt für Karstadt bietet, ist die Abrundung seiner wochenlangen Attacken-Strategie gegen Berggruen.

"Ich glaube, Herr Berggruen will Karstadt aufteilen und stückweise verkaufen. Den Erlös von 250 bis 300 Millionen Euro will er einstecken, statt ihn wieder in die Warenhäuser zu investieren. Somit würde er das Drei- bis Vierfache seines Investments rausholen", hat Borletti einmal behauptet.

Zuvor hatte sich der Italiener per Brief direkt an Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen gewandt und die Warenhauskompetenz von Berggruen in Frage gestellt. Die Ministerin sagte daraufhin: "Es ist nicht Aufgabe der Politik, Konzepte zu bewerten."

Sonntag ist Stichtag

Highstreet versucht derzeit, alle Gläubiger für eine neue Mietvertragslösung zu gewinnen, um eine Einigung mit Berggruen zu erreichen. Der Investor hatte günstigere Konditionen verlangt. Erst durch eine Einigung kann Berggruens Kaufvertrag Gültigkeit erlangen.

Stichtag ist dabei der 8. August (Sonntag). An diesem Tag müssen Berggruen und Görg über eine Annahme entscheiden, zwei Tage später entscheidet dann das Insolvenzgericht.

Borletti hatte schon einmal aus dem Highstreet-Konsortium heraus zusammen mit dem Whitehall-Fonds unter Goldman Sachs-Führung ein Angebot abgegeben, war aber beim Insolvenzverwalter abgeblitzt. Das Angebot war das schlechteste unter drei Geboten, hieß es damals.

Wieder ein Thema: Deutsche Warenhaus AG

Ein Highstreet-Sprecher betonte, das Konsortium sei nicht Teil von Borlettis Angebot. "Solange Herr Görg das Angebot von Herrn Borletti nicht in Erwägung zieht, gibt es für uns keinen Anlass, das zu prüfen", sagte Sprecher Richard Speich.

Die Beteiligten gehen nach dpa-Informationen nicht davon aus, dass das neue Borletti-Angebot die Verhandlungen innerhalb des Konsortiums um die neuen Mietkonditionen beeinträchtigt. Borletti hat im Konsortium rund zwei Prozent Anteile.

Sollte Borletti doch noch den Zuschlag für Karstadt erhalten, ist mit einem Schlag wieder ein neues, altes Szenario denkbar: die Deutsche Warenhaus AG mit einer Verschmelzung von Karstadt und Kaufhof. Die Metro Group will bekanntlich ihre Warenhaustochter abstoßen - und schon im Jahr 2008 äußerte Borletti Interesse an Kaufhof.