Die Probleme in Japan beschäftigen die Autobranche in Deutschland: Japanische Autohersteller und -händler müssen sich auch hierzulande auf eine verschärfte Krisensituation einzustellen.

Für Hersteller und Händler japanischer Automobile rückt die Natur- und Nuklearkatastrophe in Japan auch hierzulande immer näher. Zeigten sich die acht Importeure Daihatsu, Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru, Suzuki und Toyota unmittelbar nach dem folgenschweren Erdbeben am 11. März zunächst "nur" persönlich und menschlich betroffen, zeichnen sich nun auch die wirtschaftlichen Auswirkungen deutlicher ab.

Fast schon zwangsweise brach die Nachfrage auf dem Heimatmarkt im März um 37 Prozent ein. Am stärksten traf es Weltmarktführer Toyota, der in Japan fast 50 Prozent Marktanteil hält und knapp 46 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat 2010 einbüßte.

Die anhaltenden Produktionsausfälle in praktischen allen Werken geben kaum Anlass zur Hoffnung auf baldige Besserung.

„Wie es im zweiten Quartal weitergeht, ist unsicher"

Auch in Europa ist ein Einbruch zu befürchten. "Noch sind Autos auf dem Seeweg und wir hatten 1.400 Einheiten ohne festen Kundenauftrag in der Pipeline. Doch wie es im zweiten Quartal weitergeht, ist unsicher", räumt etwa Toyota-Deutschlandsprecher Henning Meyer im Gespräch mit Der Handel ein.

Zwar werden rund 80 Prozent der hier verkauften Fahrzeuge auch in Europa gefertigt und davon stammen wiederum "70 bis 80 Prozent" der Teile aus europäischen Zulieferbetrieben. Doch Modelle wie Prius, IQ, Verso S, RAV 4 und Land Cruiser laufen ausschließlich in Japan von den Bändern. Ein Lieferengpass scheint unausweichlich.

Probleme bei der Zulieferern

Zwar seien von den zwölf Werken im Lande lediglich zwei "leicht beschädigt", doch die Probleme bei der Zulieferern aus der betroffenen Region gestatten längst noch keine volle Produktion.

Ähnlich sieht es auch bei Mazda aus. Der hierzulande hinter Toyota und Nissan drittstärkste japanische Anbieter ist mit seinen Werken in Osaka und Hiroshima zwar fast 1.000 Kilometer vom Krisengebiet entfernt.

wann die Fertigung wieder normal läuft, kann aber auch Deutschland-Sprecher Jochen Münzinger nicht sagen: "Sicher ist derzeit nur, dass wir auch im Mai und Juni noch nicht voll produzieren können." Der Lagerbestand gewähre ein theoretisches Polster von vier Monaten.

Im Autohandel (noch) kein Thema

In den Verkaufsräumen scheinen die drohenden Liefernöte oder gar eine eventuelle radioaktive Kontaminierung der Produkte (noch) kein Thema zu sein.

"Es gibt von Seiten der Kunden viel mehr Nachfrage zum Kraftstoff E 10 als zur Lage in Japan", fasst Henning Meyer das Feedback der 650 Toyota-Händler zusammen.

Andreas Schmidt, Direktor Kundenservice bei Mazda, sammelte anlässlich der jüngsten, turnusmäßigen Zusammenkunft mit den Vertriebspartnern "lediglich vier Nachfragen" zu den möglichen Folgen der Atomkatastrophe auf die in Deutschland angebotenen Modelle. "Wir werden sicherstellen, dass kein kontaminiertes Fahrzeug in den Handel kommt", unterstreicht Schmidt.

Verband will kontrollieren und zertifizieren

Dazu will der japanische Herstellerverband JAMA bereits in den Werken die Strahlenbelastung aller Bauteile kontrollieren und die Produkte auch zertifizieren. Das gemeinsame Vorgehen sei gerade in der Abstimmung.

Die Fahrzeuge werden vor der Einfuhr in Europa zudem vom Zoll gecheckt. Und Toyota will auch in seinen europäischen Standorten alle Zulieferteile aus Japan nochmals kontrollieren.
 
"Eine weitere Vorsichtsmaßnahme", meint Henning Meyer - das Unternehmen hat durch die Rekord-Rückrufaktionen im vergangenen Jahr verbunden mit einem beträchtlichen Imageschaden schließlich schon reichlich Krisenerfahrung sammeln müssen. Jetzt wurden die Händler frühzeitig mit Informationen versorgt.

Bernd Nusser