Diebische Kunden, unehrliche Mitarbeiter, aber auch "organisatorische Mängel" führen dazu, dass dem Einzelhandel jährlich rund 3,7 Milliarden Euro durch die Lappen gehen.

Geklaut wird (schon) immer: Im deutschen Einzelhandel summiert sich der Schaden durch Ladendiebstahl inzwischen auf rund 3,7 Milliarden Euro im Jahr, wie die EHI-Studie "Inventurdifferenzen 2011" ausweist.

"Trotz rückläufiger Statistiken wird im Handel nach wie vor gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist", stellt Frank Horst, Autor der Studie und Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen des EHI Retail Institute, fest.

Diebische Kunden sind dabei für rund 1,9 Milliarden Euro und somit gut die Hälfte des Schadens verantwortlich, Statistisch gesehen stiehlt demnach jeder deutsche Haushalt jährlich Waren im Wert von mehr als 50 Euro im Einzelhandel. Auf den Lebensmittelhandel bezogen bedeutet dies, dass rund jeder 200. Einkaufswagen unbezahlt die Kasse passiert.

"Verlängerte Öffnungszeiten bei geringerer Personalbesetzung machen es immer schwieriger, eine 'Flächenaufsicht' zu gewährleisten und damit Inventurdifferenzen einzudämmen", erläutert Horst. "Die freie Warenpräsentation muss also durch geeignete Sicherheitsvorkehrungen eingeschränkt werden."

Mitarbeiter und Prozesse

Die unehrlichen Mitarbeiter kosten den Handel immerhin auch noch rund 800 Millionen Euro – das entspricht 22 Prozent der Gesamtsumme. Lieferanten und Servicekräfte klauen rund neun Prozent.

Immerhin 17 Prozent der befragten Händler geben aber auch an, dass "organisatorische Mängel" an der Inventurdifferenz Schuld tragen. Damit werden Erfassungs-, Buchungs- und Bewertungsfehler umschrieben.

Was die Artikel angeht gilt: "Was sich gut verkauft, wird auch oft geklaut", so Horst. Zu den begehrtesten Diebesgut-Artikeln gehören beispielsweise im Lebensmittelhandel nach wie vor kleine, kostspielige Waren wie Rasierklingen, Spirituosen, Kosmetik und Tabakwaren.

Im Textilhandel zeigen sich die Diebe modebewusst und bevorzugen ausgesuchte Markenartikel wie Jeans, Jacken und Accessoires sowie Dessous. Die Elektronikhändler beklagen unterdessen die "Renner" Konsolenspiele, CDs, DVDs, Speicherkarten und Druckerpatronen.

Prävention kostet Milliarden

Ob Gelegenheitsklau, Beschaffungskriminalität oder professionelle Diebstähle auf Bestellung und Bandenkriminalität – die befragten Einzelhändler rechnen eher damit, dass die Kriminalität weiter zunimmt.

Um die so genannten Inventurverluste weiter zu reduzieren, investiert der deutsche Einzelhandel im Schnitt etwas mehr als 0,3 Prozent seines Umsatzes – das sind rund 1,2 Milliarden Euro –, um die Ladendiebstähle etwa mit Hilfe von Detektiven, Kameras oder Warensicherungssysteme weiter zu begrenzen.

"Personalschulungen, Kameraüberwachungen und vor allem aufwändige Datenanalysen zur Erkennung von Schwachstellen und Ergreifen von wirksamen Sicherungsmaßnahmen gewinnen aktuell weiter an Bedeutung“, fasst der EHI-Experte zusammen.

Die Gesamtaufwendungen für Inventurdifferenzen und deren Vermeidung betragen jährlich fast 5 Milliarden Euro, die der Handel wie alle Kosten in seine Verkaufspreise einkalkulieren muss: Jeder ehrliche Kunde beteiligt sich also bei jedem Kauf mit über 1 Prozent des Kaufpreises an den Schäden durch Ladendiebstahl.

Sybille Wilhelm

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