Burkhard Leimbrock, bei Google Deutschland für das Geschäft mit kleinen und mittelständischen Unternehmen verantwortlich, über das kostenpflichtige Google Shopping, SEO und Onlinemarketing.

Was haben Sie zuletzt über Google Shopping gekauft?
Eine Mini-Lautsprecherbox und bunte Klarsichtfolien.

Welche Vorteile haben teure Anzeigen bei Google Shopping, bei dem Händler einzelne Produkte bewerben können, gegenüber den klassischen Anzeigen auf der rechten Seite der Webseite?
Händler können dort besser Produktinformationen ausspielen, etwa Fotos und Preisinformationen bewerben, die für den Nutzer besonders relevant sind. Außerdem werden sie auch auf Mobiltelefonen und Tablets ausgespielt.

Lohnen sich dann überhaupt noch "normale" Google-Anzeigen?
Absolut, das sind zwei unterschiedliche Kisten. Die klassischen Anzeigen haben viele Vorteile, die solche mit Produktfotos nicht haben. Zum Beispiel lassen sie sich besser steuern und erscheinen auch bei generischen Suchbegriffen, bei denen Werbung für ein konkretes Produkt gar nicht passen würde. Mit solchen Anzeigen werden diejenigen Surfer zum Klick bewegt, die erst einmal in einer Oberkategorie suchen. Außerdem können die Anzeigen parallel zu Anzeigen mit Produktinformationen geschaltet werden, sodass das Händlerangebot eine noch größere Sichtbarkeit hat.

Seit Ende 2013 gibt es das Pilotprojekt "Google Zertifizierte Händler", ein Gütesiegel in Deutschland. Wie viele Händler sind bislang zertifiziert - und was haben sie davon?

Im deutschen Pilotprojekt sind bislang sechs Onlinehändler. Die Händler beweisen damit, dass Kunden ihnen wirklich vertrauen können und sie besonders serviceorientiert sind. So können sie neue Kunden gewinnen und die Kaufabschlussrate steigern. Die Zertifizierung ist übrigens für Händler kostenlos, die in das Pilotprojekt einsteigen.

Kann ein Händler bei der Google-Suche eigentlich eine gute Platzierung bekommen, ohne eine Agentur zu beauftragen, die auf Suchmaschinenoptimierung spezialisiert ist?
Jeder Händler, der eine Website hat, kann selbst sicherstellen, dass er gut gefunden wird. Er sollte sich die Frage stellen, welche Inhalte den Nutzern wichtig sind, denn die beste Suchmaschinenoptimierung ist es, relevante, gute Inhalte zu haben. Mit unseren kostenlosen sogenannten Webmaster Tools kann der Händler unter anderem prüfen, welche Internetseiten auf die eigene Domain verlinken, zu welchen Suchbegriffen die eigene Domain in der Google-Suche gefunden wird und ob und wenn ja welche Probleme Google beim Durchforsten des Internets, dem sogenannten Crawling, festgestellt hat.

Und wie kann ein stationärer Händler besser gefunden werden?
Zuallererst sollte er eine Website haben, um mit seinen Kunden zu kommunizieren. Da viele Leute online nach stationären Läden suchen und auch immer selbstverständlicher von unterwegs mit dem Smartphone, muss die Seite auf jeden Fall für mobile Geräte optimiert sein. Denn nichts ist nerviger, als wenn man auf dem Handy schnell etwas nachschauen will und die Seite sich gar nicht oder nur langsam aufbaut. Zudem kann sich ein Händler bei Google Places eintragen, um bei Google Maps gelistet zu werden, und bei dem Social Network Google+ anmelden, beides kostet den Händler nichts. Man kann aber natürlich gerne auch bei uns Werbung schalten, auch wenn es zugegebenermaßen für rein stationäre Händler schwierig ist, den Nutzen und Ertrag von Suchmaschinenanzeigen gegenzurechnen.

Dass ein Auftritt bei Google+ zur besseren Sichtbarkeit bei den Suchmaschinentreffern führt, leuchtet noch ein. Bringt das soziale Netzwerk aber auch etwas als Marketinginstrument, oder sollte der Händler da nicht lieber gleich bei Facebook aktiv werden?
Er kann das eine ja tun, ohne das andere zu lassen. Wenn der Händlerauftritt kreativ und immer aktuell ist und für die potenziellen Kunden relevante Informationen bereithält, kann er Google+ gut und gewinnbringend in seinen Marketingmix einbinden.

Ist Werbung auf dem Videoportal YouTube nur etwas für große Handelsunternehmen?
So mancher Händler mag denken, dass Videos nicht so relevant für ihn sind. Doch das stimmt nicht, Videos sind nicht nur etwas für große Unternehmen. Wichtig ist auch hier, dass der Händler kreative Inhalte einbindet. So wurde beispielsweise ein witziges, nicht besonders aufwendig produziertes Werbevideo des kleinen amerikanischen Rasierklingen-Abo-Versenders DollarShaveClub.com in kurzer Zeit mehr als 13 Millionen Mal angeklickt.

Interview: Sybille Wilhelm


Dieses Interview ist in der März-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.