Das iPad ist schon Wochen vor dem offiziellen Verkaufsstart ein Marketingwunder. Doch die Hoffnung der Verlage, mit dem Tablet-Computer neue Erlösquellen zu erschließen, dürften sich zerschlagen.

Nicht nur Apple-Jünger fiebern dem 28. Mai 2010, dem offiziellen Verkaufsstart des Apple iPad in Deutschland entgegen: Jeder vierte Deutsche ist am Kauf des Tablet-Computers von Steve Jobs interessiert.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsunternehmens Forsa, die im Auftrag des Münsteraner Mobilfunk-Händlers The Phone House durchgeführt wurde.

Hoher Bekanntheitsgrad vor dem Verkaufsstart

Insgesamt wurden bei der aktuellen Studie 1.002 Verbraucher ab 14 Jahre befragt. Gut zwei Drittel der Bürger (68 Prozent) haben schon einmal etwas vom iPad gehört, einem weiteren Drittel (32 Prozent) ist dieser sogenannte Tablet-PC von Apple bisher unbekannt.

Der Bekanntheitsgrad des iPads ist dabei in Westdeutschland höher als in Ostdeutschland (West: 71 Prozent; Ost: 52 Prozent). Darüber hinaus kennen Männer (75 Prozent) das iPad eher als Frauen (61 Prozent) und Jüngere eher als Ältere: Während etwa 80 Prozent der 14-bis 59-Jährigen schon einmal vom iPad gehört haben, ist es den Älteren noch mehrheitlich unbekannt (59 Prozent).

Jeder Fünfte Kaufinteressent will das Gerät ausprobieren

Mit zunehmendem Bildungsgrad und Einkommen steigt der Anteil der iPad Kenner. So ist das iPad 91 Prozent der Deutschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro ein Begriff. Jeder vierte Deutsche, der das iPad kennt, bekundet Interesse am Erwerb des neuen Apple Tablet-PCs (23 Prozent). 19 Prozent möchten das iPad zunächst vor dem Kauf ausprobieren und sich dann entscheiden, ob sie es erwerben.

Insgesamt vier Prozent beabsichtigen bereits jetzt - Wochen vor dem Verkaufsstart - definitiv das iPad zu kaufen. Allerdings kommt für die deutliche Mehrheit der Deutschen, denen das iPad bekannt ist (76 Prozent), ein Kauf derzeit nicht in Frage.

Größtes Kaufinteresse besteht vor allem bei den 14- bis 29-jährigen iPad-Kennern: Von ihnen sagen acht Prozent, dass sie sich ein iPad kaufen werden, weitere 29 Prozent möchten es gern ausprobieren und können daher als potenzielle Käufer betrachtet werden.

Eine Revolution für den PC-Markt

Gut jeder zweite iPad Kenner ist der Meinung, dass das iPad in Deutschland ein sogenannter Verkaufsschlager wird (53 Prozent). Dagegen halten 39 Prozent aller Deutschen es für überflüssig, da es ihrer Ansicht nach keinen Mehrwert gegenüber einem Smartphone oder Notebook bietet.

Jeweils 41 Prozent sind überzeugt davon, dass das iPad „langfristig Smartphones und Notebooks ersetzen" und darüber hinaus „den PC-Markt revolutionieren wird".

Die Hoffnung vieler Verlagshäuser, mit dem iPad neue Erlösquellen für redaktionelle Inhalte erschließen zu können, dürfte sich allerdings zerschlagen. "Einige Verlage beabsichtigen, journalistische Inhalte online nur noch gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen. Allerdings gilt insbesondere in der Internet-Medienwelt: Bezahlt wird nur, was auch tatsächlich als deutlicher Mehrwert daherkommt", schreibt Stefan Heng, Analyst bei DB Research, dem Thinktank der Deutschen Bank in einer aktuellen
Foto: Apple
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Keine Bereitschaft für Inhalte Geld zu bezahlen

Die Praxis zeige, dass die Erfolgschancen für Bezahlinhalte auf inhaltlicher und technischer Seite spürbar eingeengt seien. "Die Verlage sollten demnach besser auf eine Kombination aus frei verfügbaren hochwertigen journalistischen Beiträgen, Bezahlinhalten, kontextsensitiver Werbung und angeschlossenen E-Commerce-Plattformen setzen", empfiehlt Heng.

Eine Erhebung der GfK Marktforschung aus dem Jahr 2009 kam zu dem Ergebnis, dass mehr als 90 Prozent der Befragten überhaupt nicht bereit sind, für Nachrichten im Internet zu bezahlen - und sei es auch einen noch so winzigen Betrag. Knapp die Hälfte der Befragten forderte sogar, dass professionelle journalistische Meldungen nicht nur kostenlos, sondern auch werbefrei im Internet offeriert werden sollten.

Auch Brancheninsider wie Christoph Dernbach, Chefredakteur der dpa-infocom, rechnen nach dem großen Hype um das neue Gerät mit einem "Tal der Ernüchterung".