Für Karl-Erivan Haub gibt es im Einzelhandel "große Überkapazitäten". Der Tengelmann- Chef erwartet deswegen Pleiten. Kein Verständnis hat Haub für die Arcandor-Forderung nach Staatsgeld.

"Im Einzelhandel sehe ich 25 Prozent Überkapazität. Im Grund könnte jeder vierte Laden verschwinden, und die Verbraucher könnten sich immer noch bequem mit Schuhen, Textilien und Lebensmitteln versorgen", sagte Haub der "Wirtschaftswoche".

Für den Chef und Mitinhaber des Tengelmann-Konzerns ist es deswegen sicher, "dass wir im Einzelhandel noch einige Pleiten sehen werden".

Überlebtes Geschäftsmodell der Warenhäuser

Den Anfang der Marktbereininung bekämen derzeit die Warenhäuser zu spüren, "weil sich ihr Geschäftsmodell überlebt hat", stellte Haub fest. Gleichzeitig kritisierte er scharf den Plan des angeschlagenen Arcandor-Konzerns, vom Staat finanzielle Hilfen zu fordern.

"Wenn es sich wirklich um ein gesundes Unternehmen handelt, das unverschuldet und vorübergehen gefährdet ist, könnten man vielleicht noch über Bürgschaften nachdenken", sagte Haub. "Aber wenn es um ein Unternehmen geht, das in den vergangen Jahren nur Verluste geschrieben hat, kann es doch nicht die Aufgabe des Staates sein, diese Firma mit Steuergeld zu retten."

Diese Arcandor-Forderung sei eine Wettbewerbsverzerrung, wetterte der Tengelmann-Chef "und ein Schlag ins Gesicht aller Unternehmer, die ordentlich gewirtschaftet haben".

Übernahme von Hertie-Filialen

Für die Unternehmen der Tengelmann-Gruppe ist Haub optimistisch, trotz Wirtschaftskrise die Umsätze des Vorjahres zu wiederholen. "Das erste Quartal war gar nicht so schlecht, und auch der April lief gut. Für das Gesamtjahr erwarte ich, dass wir trotz der Krise keine Umsatzrückgänge verbuchen müssen."

Laut Haub laufen derzeit die Geschäfte der Discounter Kik und Tedi am besten. Die Baumarktkette Obi meldet indes rückläufige Umsätze.

Für die geplante Expansion von Kik und Tedi hält Haub Übernahmen von bisherigen Filialen der insolventen Warenhäuser Hertie und Woolworth für unteressant.