Der scheidende Karstadt-Chef Andrew Jennings verteidigt in einer Erklärung seinen umstrittenen Sanierungskurs, dementiert Liquiditätsprobleme und beziffert den Umsatzrückgang.

In einer Mitteilung der Karstadt Warenhaus GmbH von Samstag bekräftigt der scheidende Vorstandschef Andrew Jennings seinen Kurs: "Es wichtig, dass wir den Transformationsprozess beschleunigen. Wir werden den langfristigen Erfolg von Karstadt sicherstellen und zwar trotz einiger Entscheidungen die kurzfristig einen negativen Umsatzeffekt haben", so Jennings.

Medienberichte, laut denen die Umsätze des Warenhausunternehmens 10 Prozent unter Vorjahr liegen, wies Jennings zurück: "Wenn wir das auf einer vergleichbaren Basis mit einander vergleichen liegen wir nur 3,6 Prozent unter Vorjahr. Und zwar nach einem harten Weihnachtsgeschäft in Deutschland und der schlimmsten Frühjahrssaison im Modebereich für Einzelhändler in Europa seit vielen Jahren".

Karstadt verfügt über einen Barbestand von 210 Millionen Euro

Die Schließung von Multimedia und anderen verlustbringenden Abteilungen sei ebenfalls für Umsatzrückgänge verantwortlich. Darüber hinaus werde das Gastronomiegeschäft nicht mehr in den Karstadt-Umsatzzahlen berücksichtigt, gleiches gelte für Erlöse aus dem Concession-Bereich, der deutlich angewachsen sei.

"Der vergleichbare Umsatztrend von April, Mai und Juni bisher zeigt eine positive Entwicklung und liegt bereits über dem Vorjahr", erklärt Jennings, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Scharf wies der Interimschef Gerüchte um angebliche Liquiditätsprobleme des Unternehmens zurück: "Diese Spekulation ist unverantwortlich. Tatsächlich haben wir jetzt in diesem Moment einen Bargeldbestand von mehr als 210 Millionen Euro". Zudem habe das Unternehmen keine Finanzschulden. Einmaleffekte wie der Stellenabbau hätten sich in diesem Jahr auf die Liquidität ausgewirkt. Die Kosten für den "sozialverträglichen Stellenabbau" bezifferte er auf 44 Millionen Euro.

Jennings glaubt an "Karstadt 2015"

Obwohl sein Vertrag zum Jahresende ausläuft, glaubt der Brite fest an den Erfolg des Sanierungsprogramms "Karstadt 2015": "Wir sind mitten in einem komplexen Turnaround unter schwierigen Marktbedingungen. Wir wollen aus Karstadt in der Zukunft ein gesundes und erfolgreiches Unternehmen machen. Das braucht Zeit."

Vor nur 22 Monate habe man mit der Umsetzung der Strategie begonnen und mache in vielen Bereichen schon große Fortschritte. "Das sind Fortschritte, die schwer von außen zu erkennen sind, weil wir an den Fundamenten unseres Geschäfts gearbeitet haben. In einigen Abteilungen sehen wir bereits sehr positive Wachstumszeichen", so Jennings.

"Karstadt 2015" werde wie geplant fortgesetzt. Für die zweite Jahreshälfte kündigte er den Start von deutschlandweiten Marketing-Kampagnen und aufregenden, wichtigen Marken sowie eine neue eCommerce-Plattform an, um karstadt.de zu stärken.