Einen Tag nach dem Stopp der angestrebten Fusion Edeka/Kaiser's Tengelmann kommt immer mehr Bewegung in die Sache. Vor allem Minister Gabriel, der bisher große Verlierer in der Sache, sortiert sich zum Gegenangriff.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will gegen den gerichtlichen Stopp der Fusion Edeka mit Kaiser's Tengelmann vorgehen. Sein Ministerium werde Rechtsmittel prüfen und einlegen, um das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf zu revidieren, sagte Gabriel am Mittwoch in Berlin. Das Urteil vom Dienstag enthalte "eine ganze Reihe falscher Tatsachenbehauptungen".

Der Minister und SPD-Chef hatte Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka im März unter massiven Auflagen Zustimmung für den umstrittenen Zusammenschluss gegeben und damit ein Verbot des Bundeskartellamts ausgehebelt. Sollte es bei dem Veto des Gerichts bleiben, befürchte er die Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann und den Verlust von 8.000 Arbeitsplätzen, sagte Gabriel.

Angst in NRW

Vor allem die rund 4.000 Kaiser's-Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen fürchten jetzt um ihre Jobs in Folge der Gerichtsentscheidung. "Das war keine gute Entscheidung. Jetzt herrscht wieder völlige Ungewissheit. Das kann bis zur Zerschlagung und Einzelverwertung gehen", sagte der Kaiser's-Tengelmann-Betriebsratsvorsitzende in NRW, Rainer Schroers, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Nun komme alles darauf an, dass der Eigentümer Karl-Erivan Haub das Unternehmen weiterbestehen lasse und nicht zerschlage.

Tengelmann-Chef Haub hatte noch vor kurzem die "bitteren Verluste" von Kaiser's Tengelmann beklagt und mit einer Zerschlagung gedroht, falls die Fusion nicht bald umgesetzt werde. Die Handelskette hatte 2014 zweistellige Millionenverluste erwirtschaftet, die laut Branchenkreisen zum größeren Anteil in NRW anfallen, die Standorte in Berlin und Bayern gelten als erfolgreicher. Deshalb fürchten die Arbeitnehmervertreter vor allem um die noch rund 115 Filialen in Nordrhein-Westfalen.