Das Konsumklima hat eine Verschnaufpause eingelegt, die Kauflaune ist jedoch überraschend stabil. Im Gespräch sagt ein GfK-Experte, warum 2010 trotzdem ein schwieriges Jahr für den Handel sein wird.

Obwohl die Kauflaune aktuell noch recht gut ist, dürfte 2010 für den Konsum ein schwierigeres Jahr werden als 2009: "Die Verbraucher sind offenbar der Ansicht, dass sich die Dynamik der wirtschaftlichen Erholung abschwächt", sagt Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Das Konsumklima hat sich bereits zum vierten Mal in Folge verschlechtert, teilte die GfK unlängst mit. Entscheidend in diesem Jahr sei die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Ein Anstieg der Arbeitslosenzahl auf mehr als vier Millionen würde die Verbraucherstimmung entscheidend beeinflussen.

Vorsichts-Sparen bei den Verbrauchern

"In den Köpfen der Verbraucher wäre dies ein Signal für eine zunehmend dramatische Situation", betonte Bürkl in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur. "Wenn sich die Zahl vor dem Komma ändert, hat das eine psychologische Wirkung."

Für Januar erwarten Banken-Volkswirte einen kräftigen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf über 3,6 Millionen. Die Bundesagentur für Arbeit gibt die offiziellen Zahlen morgen (28. Januar) bekannt.

Bereits jetzt mache sich die zunehmende Angst vor Arbeitslosigkeit bei den Konsumenten bemerkbar, erläuterte Bürkl. So sei die Sparneigung weiter gestiegen: "Das ist sogenanntes Vorsichts-Sparen - die Leute legen schon einmal Geld zurück".

Rabatte sorgen für Kauflaune

Auch die aktuelle Zurückhaltung bei den Urlaubsbuchungen könne damit zusammenhängen. "Wenn die Planungssicherheit gering ist, wartet man ab und bucht vielleicht erst eine Last-Minute-Reise."

Die Kauflaune allerdings ist gar nicht schlecht: Gestützt von der niedrigen Inflationsrate, legte der Indikator für die sogenannte Anschaffungsneigung im Januar um 4,2 Zähler auf 25,4 Punkte zu.

Damit weise die Konsumstimmung nach wie vor ein überaus gutes Niveau auf, berichtete die GfK. Hier wirke die Fülle von Rabatten im Handel: "Nicht nur im Lebensmittelhandel, sondern auch bei Unterhaltungselektronik und bei Möbeln werden momentan die Verbraucher mit starken Preisabschlägen gelockt."

Deutsche Wirtschaft wächst um 2 Prozent

Schlechter sieht es aber bei den anderen Einzelindikatoren für das Konsumklima aus, der Konjunktur- und der Einkommenserwartung. Die Konjunkturerwartungen verzeichneten ein leichtes Minus von 0,2 Punkten auf 1,5 Zähler.

Experten zufolge werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr zwischen 1,5 und zwei Prozent wachsen, hieß es. Damit würde der starke Einbruch der Konjunktur im vergangenen Jahr mit einem Minus von fünf Prozent nur zu einem geringen Teil kompensiert werden.

Daher fehlten auch die Impulse für die Einkommensaussichten. Diese verloren 2,5 Punkte und weisen aktuell 12,5 Zähler auf. Die Konsumenten gingen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten wieder zunehmen werde.

Nullrunde bei den Rentnern

Die sich abzeichnende Nullrunde für die 20 Millionen Rentner in Deutschland trage ebenfalls dazu bei, dass die Einkommensaussichten verhalten eingeschätzt werden. Positiv wirken dagegen die Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderfreibetrags sowie die steuerliche Abzugsfähigkeit der Krankenversicherungsbeiträge.

Sämtliche Indikatoren liegen allerdings noch deutlich über den Vorjahreswerten vom Januar 2009. Für die Konsumklima-Studie befragt die GfK monatlich rund 2000 Verbraucher.