Noch vor einem Jahr erwartete man einen ungeheuren Arbeitsplätze-Boom durch E-Commerce. Doch die Jobmaschine ist noch nicht in Schwung gekommen. So das Ergebnis eines Expertenworkshops zum Thema "E-Commerce und Beschäftigung".

Noch vor einem Jahr wurde die eher verhaltene Prognose der TA-Akademie zu den Beschäftigungseffekten durch E-Commerce als Schwarzmalerei kritisiert. Man erwartete damals einen ungeheuren Arbeitsplätze-Boom von den virtuellen Märkten. Heute, so das Ergebnis eines Expertenworkshops zum Thema "E-Commerce und Beschäftigung", gilt das negativste Szenario, das im Auftrag der TA-Akademie erstellt wurde, als noch zu optimistisch. Damals hatte Brigitte Preissl im Szenario "Verzögerungsfall" prognostiziert, dass sich die Entwicklung von E-Commerce-Märkten nur wenig/kaum beschleunigt und "Verzögerungen" bei der umfassenden Einführung von E-Commerce auftreten. "Dieses Szenario tritt dann ein, wenn die Diffusion von E-Commerce in Unternehmen und privaten Haushalten nur schleppend vorangeht, wenn das Internet zwar zur Unternehmensdarstellung und Informationsgewinnung, nicht aber zur Durchführung von Transaktionen genutzt wird. Dann werden auch die durch Aufbau der notwendigen Infrastruktur ausgelösten Beschäftigungsimpulse nicht zum Tragen kommen," so Preissl in einer Analyse aus dem letzten Jahr.

Die heutige Situation gibt dieser Einschätzung recht. Neueste Untersuchungen zeigen nämlich, dass unter dem Strich durch den elektronischen Warenverkehr keine neuen Stellen geschaffen werden. Diejenigen Jobs, die neu entstanden sind, wurden an anderer Stelle eingespart. So wurden im Business-to-Business-Bereich zwar Stellen für Produktentwickler geschaffen, dafür entfallen jedoch Vertreterstellen. Der Effekt der Rationalisierung durch Ausschaltung von immer mehr Zwischenhändlern bei sich stetig erweiterndem E-Commerce führt also in der Regel zum Ab- oder Umbau von Arbeitsplätzen, keineswegs aber zu einer Zunahme. Weniger qualifizierte Mitarbeiter werden durch höher qualifizierte ersetzt. "Das Anforderungsprofil in der so genannten New Economy wird immer höher. Es wird die Herausforderung der nächsten Jahre sein, auch Stellen für weniger Qualifizierte, etwa im Service-Bereich, zu schaffen", so Gerhard Fuchs, Experte der TA-Akademie im Bereich E-Commerce.

Als eine Voraussetzung für die weitere Verbreitung von E-Commerce nennt Ralf Mytzek vom "Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung" die Standardisierung und damit die einfachere Handhabung von Zahlungssystemen im Internet. Das würde zu einer deutlich höheren Akzeptanz führen, weil die Sicherheit von den Kunden als grundlegende Bedingung für die Teilnahme am virtuellen Warenverkehr gesehen wird.

Um doch noch positive Beschäftigungseffekte zu erzielen, sollte der Staat, so die Expertenmeinung, eine aktivere Rolle übernehmen. Er müsste Pilotprojekte fördern und deutliche Anreize geben, auf E-Commerce umzustellen. So sollten, wie in Amerika in vielen Bereichen bereits üblich, "Ausschreibungen und Auftragsvergabe in Zukunft ausschließlich auf elektronischem Wege erfolgen", empfahl Prof. Arnold Picot von der Universität München.

"Unter den genannten Voraussetzungen stehen die Chancen gar nicht schlecht, die Jobmaschine E-Commerce doch noch zum Laufen zu bringen", so das Fazit von TA-Akademie-Wissenschaftler Dr. Gerhard Fuchs.


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