Opel ergänzt sein Kleinwagenangebot nach unten. Der 3,68 Meter kurze Karl startet bei 9.500 Euro.

Seit die ehemalige Henkel-Managerin Tina Müller vor zwei Jahren die Marketingabteilung von Opel übernahm, ist die Marke mit dem Blitz plötzlich wieder im Gespräch. Der umfangreich angelegten und vielfach prämierten „Umparken im Kopf“-Kampagne folgen in bestechender Regelmäßigkeit lautstarke Produktankündigungen. Aktuell legen sich die Rüsselsheimer für ihren Kleinsten groß ins Zeug.

Auf allen Kanälen tönt es zum neuen Opel Karl. Tina Müller sei es auch gewesen, die die Idee zum gutbürgerlichen Namen für den viertürigen Stadtwagen hatte, verrät Opel-Chef Karl-Thomas Neumann Interna aus der Vorstandsetage und versichert, dass nicht er, sondern der älteste Sohn des Firmengründers Adam Opel dabei Pate stand.

Karl kommt aus Korea

Dass die Markenmacher in ihren Werbestakkatos aber ausgerechnet beim Karl „die deutsche Ingenieurskunst“ zitieren, ist nicht ganz redlich. Schließlich ist das 3,68-Meter-Wägelchen nichts anderes als die Neufassung des Spark der Schwestermarke Chevrolet und läuft in Südkorea von den Bändern. Weil Chevrolet im vergangenen Jahr aus dem europäischen Markt abgezogen wurde, genießt Opel in hiesigen Breiten nun das alleinige Vertriebsrecht.

Auf jeden Fall empfiehlt sich der Karl neben dem schickeren (und teureren) Bruder Adam mit einem Einstiegspreis von 9.500 Euro als praktischer Preisbrecher für den innerstädtischen Verkehr. Vorn sitzt man kommod, vier Türen sind serienmäßig und nach dem Umklappen der Rücksitzbank ergeben sich im Bedarfsfall sogar 1.000 Liter Stauraum.

Ein Motor, vielfältige Ausstattungsdetails

Herrscht unter der Motorhaube mit dem 55 kW/75 PS-Dreizylinder (Normverbrauchswert 4,5 Liter; Höchstgeschwindigkeit 170 km/h) noch Monokultur, fördert die Ausstattungsliste für die Kleinstwagenklasse Erstaunliches zu Tage: Infotainmentsystem, digitaler Radioempfang, Spurhalteassistent, beheiztes Lenkrad… Im Top-Niveau „Exklusiv“ und mit einigen Extras schafft es der Karl dann aber auch auf 15.000 Euro.

Sobald die Karl-Hymnen in den Medien verklungen sind, legen Tina Müller und ihr Team übrigens die nächste Platte auf: Mit dem neuen Astra rollt zur IAA im September in Frankfurt am Main gleich der nächste Hoffnungsträger der Hessen an.

Bernd Nusser