Der neue Karstadt-Chef Andrew Jennings bleibt weiter im Hintergrund. Umso mehr gibt es von den Filialen im Land zu erfahren. Dort gibt es ungewöhnliche Kooperationen - und lokale Streitereien.

Zumindest ein Karstadt-Mitarbeiter hat offenbar keinen Grund zur Klage. "Ich bin glücklich", antwortete Dirk Feldkämper auf die Frage der Tageszeitung "Südkurier", was ihm zum vollkommenen irdischen Glück fehlen würde.

Der Mann scheint aufzugehen in seinem Job als Geschäftsführer der Singener Filiale des Warenhauskonzerns. Denn in dem Fragebogen der Zeitung wurde Feldkämpers auch danach befragt, wie sein Leben in zehn Jahren aussieht: "Ich werde für Karstadt arbeiten."

"Phantom" Jennings

Vom neuen Chef Andrew Jennings sind  freilich noch immer keine Aussagen über die Zukunft des Unternehmens bekannt geworden. Der Mann findet auch fast vier Monate nach Dienstbeginn in der Essener Zentrale in der Öffentlichkeit nicht statt. Als das "Karstadt-Phantom" wurde er bereits von der "Financial Times" bezeichnet.

Bei der ersten Aufsichtsratsitzung Ende März wolle er seine ersten 100 Tage als Chef des Traditionsunternehmens bilanzieren. Wer ihn bisher kennenlernen durfte, berichtet von einem zupackenden Mann, der das Tagesgeschäft mit hoher Schlagzahl abarbeitet.

Wie das Unternehmen die Zukunft angehen will, skizzierte immerhin Michael Melzer beim Handelswerbegipfel vergangene Woche in Wiesbaden. Der Chef des Karstadt-Onlineshops kündigte Computerterminals in den Filialen an, wo sich Kunden im Web über Karstadtprodukte informieren sollen.

"Online wird eine Ergänzung des stationären Handels", sagte Melzer, der die Zielkundschaft von Karstadt so beschrieb: "eher besser verdiendende Mittelschicht".

Karstadt koopiert mit Kaufhof

Auch an der Basis wird zugepackt. In Trier hat sich das örtliche Karstadt-Haus mit Galeria Kaufhof, SinnLeffers, Saturn und Media-Markt zu einer ungewöhnlichen Gemeinschaft vereinigt, um die Innenstadt besser zu vermarkten.

Die bereits bestehende "City-Initiative" anderer Einzelhändler ist darüber weniger amüsiert, weil sie befürchtet, dass "ein Keil zwischen die großen und kleinen Betriebe getrieben wird", wie es deren Ehrenvorsitzender Georg Kern der Zeitung "Trierischer Volksfreund" sagte.

Für noch mehr Aufregung sorgt der Mainzer Karstadt. Denn dort sind die Pläne über die künftige Gestaltung mittlerweile von hoher lokalpolitischer Brisanz. Bekanntlich buhlen zwei Projektentwickler um den Zuschlag für das in die Jahre gekommene Haus an der Ludwigsstraße - ECE und Multi Development.

Am Dienstag fand im Rathaus eine Präsentation zur Umgestaltung der Filiale statt, die bei den Parteien für Unmut sorgte. In einer nichtöffentlichen Sitzung des Wirtschaftsausschusses der Stadt referierte Andrea Scholz vom Amt für Wirtschaftsförderung Karlsruhe über die Erfahrungen mit dem Karlsruher Einkaufszentrum Ettlinger Tor, das 2005 eröffnet wurde.

Das ist ein ECE-Haus, und deswegen kam bei Mainzer Lokalpolitikern von SPD und Grünen Unmut auf. "Wir halten das aus Wettbewerbsgründen für problematisch, wenn öffentlich ein ECE-Projekt präsentiert wird und nicht zugleich ein Projekt des Mitbewerber", sagte die Grünen-Stadträtin Astrid Becker zum Lokalblatt "Allgemeine Zeitung".

ECE will es größer machen

Die Sozialdemokraten vermuten hinter dem Vorstoß des Mainzer Wirtschaftsdezernenten Christopher Sitte (FDP) ein wahlkampftaktisches Manöver. Am kommenden Sonntag stehen auch in Rheinland-Pfalz Kommunalwahlen an.

Doch Sitte verteidigte seine Aktion damit, dass er eine Amtskollegin, nicht einen ECE-Vertreter eingeladen habe. Zudem versicherte er, dass demnächst in Mainz auch Center-Beispiele aus anderen Städten vorgestellt würden.

Für Karstadt sei bei der Investoren-Entscheidung entscheidend, wer die Vorstellungen des Warenhauskonzerns nach Verkaufsfläche und Mietpreis erfüllen könne, hatte der Mainzer Filialgeschäftsführer Jörg Walloschek bereits betont.

Derzeit hat das Haus mit dem Charme der sechziger Jahre 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche - mindestens 3.000 Quadratmeter sollen nach dem Wunsch von Karstadt nach dem Umbau hinzukommen. Offenbar will die ECE ein größeres Center bauen als Multi Development.