Die Zitterpartie für die rund 17.000 Karstadt-Beschäftigten geht weiter. Noch immer herrscht keine Klarheit über den künftigen Kurs des angeschlagenen Warenhausriesens. Arbeitnehmervertreter fordern verlässliche Auskünfte.

Nach den andauernden Spekulationen um die Zukunft der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt fordern Betriebsrat und Gewerkschaft nun Klarheit für die rund 17.000 Mitarbeiter. "Die Beschäftigten brauchen jetzt endlich Ruhe und sie brauchen klare Aussagen und verlässliche Pläne", sagte Arno Peukes, Verdi-Verhandlungsführer und Mitglied im Karstadt-Aufsichtsrat, am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin.

Peukes kündigte an, in der nächsten Aufsichtsratssitzung des Unternehmens Auskünfte über die Hintergründe des überraschenden Abgangs von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt verlangen zu wollen. Die ehemalige Ikea-Managerin hatte in der vergangenen Woche nach nur fünf Monaten das Unternehmen wieder verlassen.

Kein Gesprächstermin mit Verdi

Nur wenige Tage später hatte Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl in einem Interview dem Unternehmen einen harten Sanierungskurs in Aussicht gestellt. Bislang sei von der Karstadt-Unternehmensleitung kein Gesprächstermin mit der Gewerkschaft vereinbart worden, betonte eine Verdi-Sprecherin am Mittwoch.

Der Vorsitzende des Karstadt-Gesamtbetriebsrats, Hellmut Patzelt, kündigte in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" an, zusammen mit der Gewerkschaft Verdi alles daran setzen zu wollen, die Beschäftigten zu schützen. "Was die Mitarbeiter über Jahre aushalten mussten, ist nicht zu glauben", sagte Patzelt.

Derzeit sei über die Zukunft der einzelnen Filialen jedoch noch keine Entscheidung gefallen, betonte Patzelt. "Es gibt keine Schließungsliste", sagte er. Aufsichtsratschef Fanderl hatte zuvor über "berechtigte Sorgen um die Profitabilität" von etwa jedem vierten der insgesamt 83 Warenhäuser gesprochen.

Regierung bislang nicht eingeschaltet

Die Bundesregierung wurde bislang nicht in die Sanierungsbemühungen eingeschaltet. Es gebe keinerlei Kontaktaufnahme, weder von Arbeitnehmer- noch von Arbeitgeberseite, sagte ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums am Mittwoch in Berlin. Das Ministerium verfolge die Entwicklung aber sehr konzentriert. Für mögliche Hilfestellungen etwa auf Bitten des Betriebsrats oder für den Fall einer Insolvenz sei es zu früh. Die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) war 2010 an Gesprächen für einen Einstieg des Investors Nicolas Berggruen bei Karstadt beteiligt gewesen.