Keine Tabus mehr: Das ist das Motto des Karstadt-Chefs Miguel Müllenbach die Kosten des Warenhausunternehmens zu senken. Denn Karstadt bleibt verlustreich. Aktualisiert

Der seit dem vorzeitigen Abtritt von Eva-Lotta Sjöstedt amtierende neue Karstadt-Chef Miguel Müllenbach hat den scharfen Sparkurs angesichts anhaltender Verluste bekräftigt. "Dabei können wir uns keine Tabus mehr in der Hauptverwaltung, der Logistik oder den Filialen leisten", sagte er dem "Handelsblatt".

Karstadt habe im Geschäftsjahr 2012/2013 einen operativen Verlust von 124 Millionen Euro verbucht. Auch die letzten offiziell verfügbaren Zahlen für 2011/2012 hatten einen Fehlbetrag für die angeschlagene Warenhauskette angezeigt (158 Millionen Euro). Auch die Tageszeitung "Die Welt" berichtete über die neuen Zahlen.

Müllenbach betonte, dass das Unternehmen am Bilanzstichtag 30. September 2013 rund 90 Millionen freie Liquidität habe. Es sei zuletzt intensiv an der Verbesserung der Liquidität gearbeitet worden, weswegen hier keine Probleme vorlägen. "Unsere finanziellen Mittel sind ausreichend, um handlungsfähig zu sein.", betonte Müllenbach. "Das Weihnachtsgeschäft 2014 ist gesichert."

"Unsere Betriebskosten sind zu hoch"

Problematischer ist für Müllenbach, der auch Finanzschef von Karstadt ist, die geringe Profitabilität des Unternehmens. Diese müsse man zügig verbessern. Er untermauerte damit frühere Interview-Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Fanderl. Dieser hatte "schmerzhafte Einschnitte" angekündigt; alles müsse bei Karstadt auf den Prüfstand gestellt werden. Das Unternehmen mache sich "berechtigte Sorgen um die Profitabilität" von mehr als 20 Warenhäusern, hatte Fanderl der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. Konkrete Schließungsbeschlüsse gebe es aber noch nicht.

Müllenbach sagte dem "Handelsblatt" nun: "Unsere Betriebskosten waren und sind nach wie vor zu hoch für unser Geschäftsmodell." Der Umbau müsse wegen der niedrigeren Ertragsbasis weiter intensiviert werden, die bisherigen Anstrengungen reichten noch nicht aus. Der Gesamtumsatz sank nach seinen Angaben von 2,9 Milliarden Euro im Vorjahr auf 2,7 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2012/2013.

Den Rückgang begründete er auch mit technischen Effekten: Das Geschäft mit Konzessionären, denen zusätzliche Verkaufsflächen zur Verfügung gestellt worden seien, sei ausgebaut worden. "Dieser Umsatz wird nun bei unseren Partnern ausgewiesen." Zudem würden die Umsätze der Gastronomie nicht mehr bei Karstadt ausgewiesen, "da wir diesen Bereich in eine eigenständige Gesellschaft überführt haben". Durch das reine Einzelhandelsgeschäft habe man 100 Millionen Euro verloren, sagte Müllenbach.