Graue Betonklötze, wirres Sortiment, bröckelnde Fassaden: Die Welt von Karstadt ist manchmal zum Fürchten. Hier die trostlosesten Filialen aus der Sicht der Redakteur von Der Handel.

Bielefeld: Abseits der Einkaufslagen

Charme der siebziger Jahre: Altes Haus, tiefe Decken, die Fassade bröckelt. Die Filiale steht ein wenig abseits von der Haupteinkaufsmeile, so, als hätte sich die beste Einkaufslage in den vergangenen Jahren weg von der Karstadt-Filiale verschoben. Eine moderne Kaufhof-Filiale ist in unmittelbarer Nähe, nebenan Saturn und eine Einkaufspassage. Karstadt gibt dagegen ein trauriges Bild ab.

Iserlohn: Das Grauen im grauen Betonklotz

Das Parkhaus ist furchtbar, dann läuft man an der öffentlichen Toilettenanlage der Stadt Iserlohn mit entsprechendem Duft ans Tageslicht, um vor einem grauen Klotz zu stehen. Drei Etagen, 10.400 Quadratmeter groß - da ist die einzelne Etage recht lang, bleibt aber langweilig. Promotion der gleichen Artikel an verschiedenen Stellen (Nivea-Reisesets stehen einmal in der Kosmetikabteilung, einmal unmotiviert irgendwo anders). Als bezahlt werden soll, kommt eine junge Dame an die Kasse, holt sich Verstärkung von einem jungen Mann, der sie losschickt, um eine Kassiererin zu holen. Unterdessen sagt der Mann: "Ich weiß auch nicht, wo die Kollegin schon wieder ist". Schließlich ergeht die Bitte, an eine andere Kasse zu gehen.

Nürnberg: Der Platzhirsch röhrt nicht mehr

Was ist nur aus dem Platzhirsch direkt gegenüber vom Hauptbahnhof geworden? Er röhrt nicht mehr wie einst vor zwanzig Jahren um die Gunst der Kunden. Dabei ist die Lage ideal, um Käufer anzuwerben. Das von Außen ansehnliche Haus ist gut erhalten, es liegt mitten in der Fußgängerzone und bietet sogar einen U-Bahn-Zugang. Ein gegenüberliegendes Parkhaus macht es auch dem Publikum von außerhalb der Stadt leicht, den Weg mit dem Auto zu Karstadt zu finden. Wenn sie denn wollen. Denn das Sortiment ist bieder und fragwürdig (schwere Schnellkochtöpfe, Waschmaschinen, Handbrausen und Wasserhähne) und wird unübersichtlich angeboten. Ein echtes Highlight: Die Feinkostabteilung "Perfetto". Warum sind nicht alle Abteilungen so schön inszeniert?

Memmingen: Weit vom Schuss

Dort, wo das Memminger Wirtschaftsleben tobt, ist weit und breit kein Karstadt zu sehen. In der City lebt der Facheinzelhandel offensichtlich ziemlich gut, wenn man sich das rege Treiben auf den Geschäftstraßen in der historischen Innenstadt betrachtet. Das Karstadt-Haus am Königsgraben dagegen wirkt eher verloren und ist umständlich zu Fuß zu erreichen, da es von einer Straße von der City getrennt wird. Der große unansehnliche Beton-Klotz mit Parkhaus bietet viel Altmodisches und wenig Hochwertiges an. Das Publikum ist eher etwas betagt, kaum junge Kundschaft zu sehen. Es gibt einfach kein echtes Highlight in diesem Warenhaus. Was gefällt ist das Schnell-Restaurant "Le Buffet". Das ist unter dem Strich aber zu wenig.

Gummersbach: Klassisches Sammelsurium

Am Rande der Einkaufsstraße in einem alten, kleinen, engen Innenstadt-Center, das eine Revitalisierung dringend nötig hat, liegt Karstadt Gummersbach. Klassisches Sammelsurium, unmotiviert präsentiert. Die Aktionsware vor der Tür im Erdgeschoss verstärkt diesen Eindruck, passt aber zu den Billiganbietern in der Nachbarschaft. "Herzlich willkommen bei Karstadt Gummersbach", steht im Internet. "Wenn es um die schönen Dinge des Lebens geht, blühen wir richtig auf. In unserem Themenhaus können Sie alle Vorteile eines modernen Warenhauses nutzen. Ob in unseren  Fachabteilungen, den schicken Boutiquen oder unserem Restaurant - wir sorgen für einen fachkundigen Service!" Das hat wohl jemand in der Zentrale in Essen geschrieben, der noch nie in Gummersbach war.

Rosenheim: Stress beim Einkaufen

Ja mei, der Karstadt in der Rosenheimer Fußgängerzone ist in die Jahre gekommen - was das Gebäude mit seiner alten Fassade auch zeigt. Kommt man rein, sieht man alte verschrammte Verkaufsschütten mit allerlei Textilien drin. Sonderangebote dieser Art gibt es auch bei Woolworth. Hat das Karstadt nötig? Ansonsten ist die Wegführung durch die große Warenwelt genauso unspektakulär wie in den meisten Karstadt-Häusern. Die Luft ist stickig, die Sortimente üppig. Bei so viel Unübersichtlichkeit kommt leicht Stress auf. Aber: Wenigstens sind die Mitarbeiter freundlich und engagiert. Was auch nötig ist: Von Esprit, S. Oliver, Base/E-Plus, Douglas bis hin zu G-Star sind viele Filialisten direkt vor Ort.

Hoyerswerda: Trostlosigkeit

Das Karstadt-Schnäppchencenter erinnert an ein Centrum-Kaufhaus der DDR. In dieser verarmten Stadt regiert billig. Die Freundlichkeit des Personals ist immerhin ein Kontrapunkt zur Trostlosigkeit. 

Landshut: Warenpräsentation fünf minus

"Lebe, bist Du satt geküsst, und des Trinkens müde bist", ist im "Le Buffet", dem Karstadt-Restaurant im dritten Obergeschoss, zu lesen. Und damit wären wir auch schon beim Höhepunkt dieses Hauses. Die Gastronomie-Angestellten sind äußerst freundlich und hilfsbereit. Das Speise- und Getränkeangebot wird attraktiv feil geboten. Doch über die Sortimente im Haus und deren Präsentation braucht man nicht mehr viele Worte verlieren. Man fragt sich nur, warum sich kein Warenhaus-Verantwortlicher mal die Zeit nimmt, um nachzuschauen, wie es die umliegenden Mitbewerber (C&A, H&M, Esprit, S. Oliver) schaffen, modische und günstige Ware attraktiv anzubieten.

Bayreuth: Morbides Spielwaren-Keller

Eigentlich könnte das Haus in der Wagnerstadt von der Lage her der Chef im "Ring" sein. Bedingt durch die vielen alten Fachwerkhäuser steht nur begrenzt gewerblicher Raum zur Verfügung. Das Wettbewerbsumfeld ist nicht sonderlich groß und attraktiv. Entsprechend morbide stellt sich das Beton-Gebäude dar. Und erst das Untergeschoss - der Keller des Grauens. Unten im Dunkeln ist die Spielwarenabteilung. Kinder schickt man aber schon lange nicht mehr in den Keller zum Spielen. Schon gar nicht bei solch einem unattraktiven und schlecht präsentierten Warenangebot. Die freundlichen Mitarbeiter aber tun ihr bestes in einem fünfstöckigem Haus mit Lynol-Fußboden, das seine besten Zeiten schon lange hinter sich hat.

Limburg: Leere Schaufenster

Das Haus, nahe der schönen Fachwerkhaus-Altstadt mit vielen kleinen Fachgeschäften und Filialisten gelegen,  scheint etwas neuer zu sein: Zumindest ist es nicht im "klassischen" betongrau gehalten, trotzdem ein bisschen farblos. Das Schaufenster, auf dem Sale steht, ist leer. Auf drei Etagen  ein Sammelsurium aller möglicher Waren. Als die Gutscheine eingelöst werden (15 Euro) sagt die Verkäuferin: "Jaja, jetzt kramen die Leute alles zusammen."

Mönchengladbach: Das Navigationsgerät versagt

Das Navisystem findet das Karstadthaus im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt nicht, man wird in einen völlig anderen Stadtteil geschickt. Auf eigene Faust in die Innenstadt gefahren: Die ist nett, aber da ist nur Kaufhof. Selbst in Rheydt findet man Karstadt nicht auf Anhieb, muss sich durchfragen. An einer Kirche mit einem großen, menschenleeren Platz wird man endlich fündig: wieder mal ein grauer Karstadt-Klotz in der Nachbarschaft Billigläden und ein Sonnenstudio.

Mülheim/Ruhr: Eine Kundin hat das Wort:

"Das Rhein Ruhr Zentrum ist total hässlich, allerdings hat Karstadt da ganz toll umgebaut und jetzt ist alles in so Shop-in-shops. Wenn du jetzt ein Handtuch kaufen möchtest, kannst du nicht mehr direkt vergleichen, sondern rennst dich doof, weil du bei Vossen und bei Möve und bei was weiß ich schauen musst. Prima sind auch die wegrationalisierten Verkäuferinnen. Wenn du dir eine Hose kaufst und willst einen Gürtel dazu, ist das so direkt nicht möglich, weil man sich überlegt hat, dass Kleinleder und Accesoires eine eigene Abteilung sind. Stress pur!" So sieht es eine Konsumentin. Schlimmer kann ein Urteil nicht ausfallen.

Foto: Marcelo Crescenti
Foto: Marcelo Crescenti

Kaiserslautern: Die singende Klofrau

Die Filiale in Kaiserslautern befindet sich etwas abseits der Innenstadt auf einer Art Insel, flankiert von dicht befahrenen Straßen. Die Anbindung an der Haupteinkaufsmeile ist eher schwierig. Das Gebäude ist dreckig und altbacken, die braune Fassade heruntergekommen, im Inneren sind die Etagen mit Ware vollgestopft. Kein Wunder, dass diese Filiale geschlossen werden soll. Einziger Lichtblick: Eine singende Klofrau, offenbar aus Afrika, die schöne Heimatmelodien in den Waschräumen erklingen ließ.

Lesen Sie hier den Bericht über die Top-Karstadt-Filialen.

Marcelo Crescenti, Steffen Gerth, Pierre Pfeiffer, Sybille Wilhelm