Das Insolvenzgericht räumt Karstadt eine neue Frist ein und vertagte die Entscheidung über den Insolvenzplan. Drei Wochen bleiben Berggruen und Highstreet nun für eine Einigung.

Der Karstadt-Warenhauskonzern hat eine neue Überlebensfrist erhalten. Die 25 000 Beschäftigten in 120 Häusern können weiterhin auf den Erhalt des Unternehmens hoffen.

Das Essener Insolvenzgericht vertagte am Freitag die Entscheidung über die Annahme des Insolvenzplans auf den 10. August. Hintergrund ist das Ringen von Karstadtkäufer Nicolas Berggruen um Mietminderungen beim Vermieter Highstreet. Ohne Einigung ist der Kaufvertrag unwirksam und das Insolvenzgericht kann den Plan nicht annehmen.

"Das Zeitfenster wird immer enger"

Amtsgerichtssprecher Rainer Koch bestätigte, dass noch nicht alle Bedingungen erfüllt seien. Wesentlich sei die Wirksamkeit des Kaufvertrages. Das Gericht gehe davon aus, dass die ausstehenden Bedingungen noch erfüllt werden. Es sei sogar theoretisch eine nochmalige Fristverlängerung möglich. "Aber das Zeitfenster wird immer enger", sagte Koch.

Kommt die Einigung nicht zustande, droht die Zerschlagung des Konzerns mit 25 000 Beschäftigten und 120 Warenhäusern. Auf der Seite des Immobilienfonds Highstreet gibt es Probleme, die Berggruen-Forderungen durchzusetzen. Vor allem die frühere KarstadtQuelle-Bank Valovis, die dem Fonds ein 850 Millionen-Darlehn für den Immobilienkauf gewährt hatte, wehrt sich gegen eine Festschreibung niedrigerer Mieten. Sie müsste dann eine Wertberichtigung in ihrer Bilanz vornehmen. Und sie möchte die 850 Millionen so schnell wie möglich zurück.

Nächste Verhandlungsrunde am 28. Juli in London

Am 28. Juli sollen nun die Highstreet-Gläubiger in London zusammenkommen, um endgültige Beschlüsse zu fassen. Kommt dies zustande, kann Berggruen Karstadt wohl endgültig übernehmen. Zuvor muss eine Lösung für die Valovisbank gefunden werden. Es gehe dann um ein Gesamtpaket, dem alle Gläubiger zustimmen müssten, sagte Highstreet-Sprecher Richard Speich.

Berggruen und Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg wollen die letzten Vereinbarungen zwei Tage vor der Entscheidung des Insolvenzgerichts abgeschlossen haben. "Der Gläubigerausschuss, der Investor Berggruen und die Insolvenzverwaltung sind sich einig, dass wir es Mitarbeitern, Lieferanten und selbstverständlich auch den Kunden schuldig sind, alle Chancen für den Vollzug des Kaufvertrags zu nutzen", erklärte Görg.

Die Belegschaft von Karstadt leiste unter den erschwerten Bedingungen öffentlich geführter Debatten und Kampagnen Außerordentliches. "Auch im Monat Juni liefen die Geschäfte besser als ursprünglich geplant ­ obwohl wir immer noch im Insolvenzverfahren sind", betonte Görg.

dpa

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