Die Karstadt-Rettung geht in den Endspurt. Bevor das Essener Amtsgericht über den Insolvenzplan entscheidet, sind aber noch entscheidende Hürden zu überwinden. Ein Überblick.

Die Zukunft von Karstadt bleibt weiter offen (Foto: Karstadt)
Die Zukunft von Karstadt bleibt weiter offen (Foto: Karstadt)
Was muss entschieden werden?

Der Käufer von Karstadt, der amerikanisch-schweizerische Investor Berggruen, hat im Kaufvertrag Bedingungen gestellt. Sie umfassen Mietminderungen und die Aufteilung des Unternehmens in die drei Bereiche Premiumkaufhäuser, Sporthäuser und übrige Kaufhäuser. Für Letzteres hat bereits die Gewerkschaft Verdi grünes Licht gegeben.

Wer muss die Bedingungen akzeptieren?
Zunächst muss der Vermieter der Karstadt-Häuser, das Konsortium Highstreet, zustimmen. Highstreet besitzt 86 der 120 Karstadt-Häuser und ist einer der Hauptgläubiger. Das Konsortium hatte seinerzeit viel Geld für die Immobilien bezahlt und ist deshalb nur bedingt zu Zugeständnissen bereit.

Erst wenn das Konsortium und seine Gläubiger mit Berggruen einig sind, kann der Kaufvertrag in Kraft treten. Am Ende muss das Insolvenzgericht prüfen, ob alle Bedingungen erfüllt sind und den Insolvenzplan in Kraft setzen.

Wo liegen die Knackpunkte bei Highstreet?
Das Konsortium oder besser gesagt der Immobilienfonds hat einen großen Gläubigerkreis, der unter einen Hut gebracht werden muss. Und nicht alle ziehen an einem Strang, wie etwa die Valovis Bank.

Die frühere Karstadt Hypothekenbank, die einmal zum Arcandor-Konzern gehörte, hat schon bei der inzwischen abgewickelten Karstadt-Schwester Quelle eine Rolle gespielt. Bei Highstreet war sie Kreditgeber, als das Konsortium den Großteil der Karstadt-Immobilien kaufte. Als Sicherheit wurden ihr 53 Karstadt-Immobilien verpfändet.

Jetzt sorgt sie sich im Zuge neuer Mietbedingungen um Wertverluste. Sie stimmt deshalb Lösungen nur zu, wenn Highstreet vorzeitig die geliehenen 850 Millionen Euro zurückzahlt oder andere Sicherheiten gegeben werden.

Kann Highstreet das Geld zurückzahlen?
Highstreet müsste sich einen neuen Kreditgeber besorgen. Die am Konsortium beteiligten Banken Deutsche Bank und Goldman Sachs haben bislang keine Bereitschaft signalisiert. Auch Milliardär Nicolas Berggruen zeigt kein Interesse. Am 28. Juli wollen sich alle Highstreet-Beteiligten in London treffen, um über eine Gesamtlösung abzustimmen. Aber dieser Termin ist nicht in Stein gemeißelt, sollte bis dahin keine Lösung absehbar sein.

Und wenn es keine Einigung gibt?
Dann droht Karstadt die Zerschlagung. Gibt es keinen Gesamtkäufer, müsste der Insolvenzverwalter einzelne Häuser oder Kontingente verkaufen. Der zum Metro-Konzern gehörende Konkurrent Kaufhof hatte in der Vergangenheit wiederholt Interesse an rund der Hälfte der Häuser bekundet - den lukrativen.

Einige Branchenbeobachter halten ein Zusammengehen der beiden großen Warenhausketten ohnehin für sinnvoll. Die weniger rentablen Karstadt-Häuser wären allerdings schwerer zu verkaufen. Nicht alle 25.000 Beschäftigten kämen unter.

Gibt es noch andere Lösungen?
Die Fristen wurden schon mehrfach verlängert. Es ist nicht auszuschließen, dass der 10. August nicht das letzte Wort ist. Dann könnte weiterverhandelt oder sogar ein neuer Interessent gesucht werden.

Highstreet selbst hatte bereits einmal ein Übernahme-Angebot vorgelegt, war aber bei dem großen Bietergefecht im Mai ebenso wie der Investor Triton leer ausgegangen. Berggruen hatte damals mit seinem Versprechen, die Karstadt-Mitarbeiter zu schonen, die Arbeitnehmerseite für sich gewinnen können.

Kritiker wie Highstreet-Akteur Borletti bemängeln, Berggruen habe kein tragfähiges Konzept für die Kaufhäuser. Aus dem Highstreet-Konsortium heraus waren Borletti und der Whitehall-Fonds unter Goldman Sachs-Führung mit ihrem Angebot aber abgeblitzt, weil sie am wenigsten geboten hatten.

dpa

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.

Eine Bildergalerie zur Geschichte von Karstadt finden Sie hier.