Eine ARD-Dokumentation versuchte, Licht in die Hintergründe der Karstadt-Pleite zu bringen. Dabei nahmen erstmals zwei Ex-Konzernchefs eindeutig Stellung zum Thema.

Der Zeitpunkt der Ausstrahlung der ARD-Dokumentation "Karstadt - Der große Schlussverkauf" wurde angeblich wegen neuer Exklusivinformationen sogar verschoben. Doch wer große Enthüllungen zur späten Stunde am Mittwochabend erwartete, wurde enttäuscht.

Stattdessen rollten die Autoren Ingolf Gritscheneder und Georg Wellmann akribisch und solide die Hintergründe der Pleite auf und zeigten, wie ihrer Meinung nach Karstadt in den letzten Jahren vor der Insolvenz zum "Spielball von Investoren" verkommen ist.

Middelhoff in der Kritik

Die Hauptrolle in diesem Drama spielt natürlich Ex-Konzernchef Thomas Middelhoff.  Die Vorwürfe sind jedoch nicht neu: Middelhoff brachte zunächst mit einem düsteren Spiegel-Interview die Aktie des Unternehmens zum Absturz.

Anschließend kaufte eine Investorengruppe um Madeleine Schickedanz, der Privatbank Sal. Oppenheim und den Bauunternehmer Josef Esch die Aktien günstig ein. Nach dem Verkauf der Karstadt-Immobilien schoss der Kurs dann wieder raketenartig nach oben.

Davon habe auch Middelhoff durch eine Beteiligung an einem Esch-Immobilienfonds profitiert. Er sei zu diesem Investment durch seinen Vermögensberater geraten worden, sagt Middelhoff in dem Film, es sei "eine steuerlich sinnvolle Anlage" gewesen.

Laut ARD habe es zu diesem Vorgehen einen "Geheimplan" gegeben. Ein hilflos wirkender Wolfgang Urban, seinerzeit Karstadt-Chef vor Middelhoff, bestreitet, dass Geschäfte "an den Gremien vorbei" gegeben habe.

Brisante Informationshäppchen

Die Anschuldigungen sind allesamt nicht neu, auch über die Middelhoff-Villa im französischen Saint-Tropez, die weitere Verbindungen zur Sal. Oppenheim und Esch ahnen lässt, wurde bereits mehrmals berichtet. So punktet die Dokumentation vor allem mit Details.

Es wird zum Beispiel enthüllt, dass Middelhoff trotz seiner damaligen, medienwirksamen Beteuerungen doch keine Gehaltseinbußen durch den Sanierungspakt mit den Mitarbeitern und der Gewerkschaft Verdi erleiden musste.

Dass die Highstreet Holding, die Käuferin der Karstadt-Immobilien, eine undurchsichtige Briefkastenfirma mit Sitz im Amsterdam sein soll, ist ebenfalls verblüffend. Und dass Middelhoff 4,6 Millionen Euro für Flüge im Privatjet ausgegeben hat, während der Konzern almählich in die Pleite schlitterte, wird viele Mitarbeiter empören.

Letztlich bleibt aber, wie nicht anders zu erwarten, einiges im Dunkeln. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum, die sich den Falls Karstadt angenommen hat, beteuert, es werde "in allen Richtungen" ermittelt.

Vielleicht kommen also doch noch die großen Enthüllungen über die Karstadt-Pleite. Wahrscheinlich ist das aber nicht.

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