In einer Woche soll der Karstadt-Kaufvertrag besiegelt werden. Doch der Interessent Berggruen möchte mehr Zeit, die Verhandlungen mit Highstreet stocken. Die Valovis-Bank ist das neue Problem.

Jeden Tag gibt es neue Entwicklungen im Ringen um die Karstadt-Zukunft, doch ein positives Ergebnis ist noch lange nicht in Sicht. Bei den festgefahrenen Verhandlungen mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet will Investor Nicolas Berggruen nun einer Fristverlängerung zustimmen. Das erklärte ein Berggruen-Sprecher am Dienstag.

Nach der Zustimmung des Investors könnte die Zeit für eine Einigung bis zum 30. Juli verlängert werden. Bislang muss eine Einigung noch bis zum 15. Juli vorliegen, denn am 16. Juli will das Essener Amtsgericht über die Annahme des Insolvenzplanes entscheiden.

Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg muss der Fristverlängerung allerdings noch zustimmen. Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen, erklärte Görg-Sprecher Thomas Schulz.

Einladen, ohne einig zu sein

Als Voraussetzung für seine Zustimmung zu der Fristverlängerung hatte Berggruen zuvor von dem Vermieter-Konsortium Highstreet die Einladung zu einer Gläubigerversammlung gefordert.

Diese Einladung erfolgte nach Angaben eines Highstreet-Sprechers am Dienstag zu einem Gläubigertreffen am 28. Juli in London. Ohne die Zustimmung aller Gläubiger kann eine abschließende Einigung nicht erfolgen. Für die Einladung war eine Frist von 21 Tagen notwendig.

Die Einladung sei jedoch ergangen, ohne dass zuvor eine Einigung erzielt worden sei, so der Highstreet-Sprecher. Wesentliche Gläubiger wie die Valovis-Bank hätten noch nicht zugestimmt. Die Vizechefin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, hatte zuvor gesagt, insbesondere die Bank sperre sich als Darlehensgeberin dagegen, die Vereinbarungen abzusegnen.

Die Angst von Valovis

Die umgetaufte ehemalige Karstadt-Quelle-Bank hat Highstreet ein Darlehen in Höhe von 850 Millionen Euro für insgesamt 36 Karstadt-Häuser gewährt, das mit Karstadt-Immobilien abgesichert ist und im Jahr 2014 ausläuft.

Bei der Bank regiert jetzt die Angst, dieses Geld abschreiben zu müssen nachdem Berggruen bekannt gegeben hat, Karstadt in die drei Segmente - Premiumhäuser, Sport und Warenhaus - aufzuteilen. Bei Valovis wird befürchtet, dass dann für die Warenhaussparte abermals Insolvenzantrag gestellt wird - oder aber, dass die Häuser stark an Wert verlieren.

Monopolkommission lehnt politische Hilfe ab

Deswegen verhandelt nun Valovis-Rechtsberater Hanns-Eberhard Schleyer direkt mit Berggruen. Der Jurist sagte, dass die Bank einen Wertverlust der Häuser nicht akzeptieren könne.

Nach Ansicht von Valovis könne Berggruen auf die Forderung verzichten, separate Mietverträge für die drei Segement abzuschließen. Dabei sollten die gesenkten Mieten auch für den Fall eines Teilverkaufs oder einer Zerschlagung des Warenhauses vertraglich fixiert werden. Diese Forderung sei betriebswirtschaftlich nicht notwendig, wenn Berggruen Karstadt als langfristiges Investment sehe, betonte Schleyer.

Nachdem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) einer aktiven Vermittlerrolle der Politik eine Absage erteilt hatte, rief ihn die Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane zum Handeln auf.

SPD-Chef Sigmar Gabriel attackierte den Wirtschaftsminister. "Es ist eine Schande, dass Herr Brüderle tatenlos zusieht, wie die Karstadt-Rettung zu scheitern droht", sagte Gabriel. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, warnte dagegen in einem Gespräch mit "Handelsblatt Online" vor einem Eingreifen der Politik.

"Grundsätzlich einig"

Eine grundsätzliche Einigung über die Miethöhe war nach Angaben von Berggruen dagegen bereits vor knapp zwei Wochen bei einem Treffen in London erzielt worden. Highstreet gehören 86 der 120 Karstadt- Warenhäuser.

Berggruen hatte den Kaufvertrag für Karstadt Anfang Juni unterzeichnet, ohne sich zuvor mit den Vermietern über die von ihm geforderten Mietsenkungen verständigt zu haben.

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.

Eine Bildergalerie zur Geschichte von Karstadt finden Sie hier.