Zocken bis zur letzten Sekunde: Ob Berggruen wirklich den Zuschlag für Karstadt bekommt, wird sich spät herausstellen. Verdi glaubt an den Investor. Doch glauben auch die Highstreet-Gläubiger an Berggruen?

Es könnte eine lange Nacht für Karstadt werden: Seit fast drei Monaten verhandelt Investor Nicolas Berggruen schon mit dem Vermieter Highstreet über die von ihm geforderten Mietsenkungen für das insolvente Unternehmen. Diese Woche soll nun die Entscheidung fallen.

Offiziell bis um 24 Uhr am Donnerstag muss Berggruen eine Einigung erzielt haben, damit der von ihm Anfang Juni unterzeichnete Kaufvertrag auch gültig werden kann. Die Verhandlungen könnten sich aber auch bis in die Morgenstunden hinziehen, vermuten Beobachter.

Spätestens Freitag früh um Punkt 10 Uhr muss ein Ergebnis vorliegen: Dann will das Essener Gericht über die Annahme des Insolvenzplans entscheiden.

Verdi gibt Borletti keine Chance

In das Ringen um Karstadt hat sich auch der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti eingeschaltet, der erst Ende vergangener Woche erneut ein Angebot für Karstadt vorgelegt hatte. Umstritten ist aber, ob Borletti mit seinem Angebot nach einem möglichen Scheitern von Berggruen überhaupt noch zum Zuge kommen könnte.

Bereits mit seiner ersten Offerte Anfang August hatte er jedoch kein Gehör mehr bei Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gefunden, da zu diesem Zeitpunkt der Kaufvertrag mit Berggruen bereits unterzeichnet war.

In einem Brief an Borletti bekräftigte Görg auch am Dienstag noch einmal seine Ablehnung. Die ihm unverlangt eingesandten Papiere seien ohne Substanz, stellte er unverblümt fest.

Auch Verdi gibt Borletti keine Chance und begrüßt den offenen Brief von Görg. "Es war wichtig, deutlich zu machen, was Sache ist, damit die Öffentlichkeit nicht auf Blender hereinfällt", sagte Gewerkschaftssprecherin Cornelia Haß zu derhandel.de

Gewerkschaft will Zerschlagung verhindern

Verdi ist wieder zuversichtlich, dass Berggruen den Zuschlag bekommt, nachdem der Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen sich für den deutsch-amerikanischen Investor ausgesprochen hatte. "Wir werden die Lösung Berggruen weiterhin konstruktiv unterstützen, denn sie erscheint uns derzeit als die sicherste für Karstadt", sagte Fitschen.

Auch für den schlimmsten Fall, der Liquidierung Karstadts, habe sich Verdi präpariert, versicherte Sprecherin Haß: "Wir werden das verhindern." Dafür suche die Gewerkschaft das Gespräch mit allen Beteiligten. "Und dabei sind manchmal auch Drohgebärden notwendig."

Ob es tatsächlich zur Zerschlagung des Warenhauskonzerns mit 25.000 Mitarbeitern kommt, liegt letztlich bei den beiden Gläubigergruppen des Karstadt-Vermieterkonsortiums Highstreet.

In zwei getrennten Abstimmungen müssen sie ihre Einverständnis zu den von Berggruen geforderten Mietsenkungen geben. Nach dem milliardenschweren Kauf der Warenhäuser ist Highstreet selbst hoch verschuldet.

Treffen in London

Nur wenn die Gläubiger zustimmen, können anschließend die Mietverträge zwischen Highstreet und Berggruen unterzeichnet werden. Erst dann ist auch die letzte Bedingung erfüllt und das Essener Gericht kann am Freitag den Insolvenzplan billigen.

Bereits am Vormittag treffen sich am Donnerstag in London die Gläubiger, die als sogenannte Senior-Kapitalgeber über Anleihen direkt an der Finanzierung der Karstadt-Immobilien beteiligt sind (Bondholder).

Bei dieser über die Immobilien relativ gut abgesicherten Gläubigergruppe gilt eine Zustimmung als weitgehend wahrscheinlich. Als weitaus schwieriger gilt die Lage dagegen bei den sogenannten Mezzanine-Gläubigern. Diese Kapitalgeber sind direkt an Highstreet selbst beteiligt.

Darlehen von Mezzanine-Gläubigern sind in der Regel nicht über Vermögenswerte wie Immobilien abgesichert. Auch sie müssen jedoch den Vereinbarungen zustimmen. Die Gespräche mit beiden Gläubigergruppen würden parallel geführt, berichtete ein Highstreet- Sprecher am Dienstag. Ein Ergebnis sei noch nicht absehbar.

Grundsätzlich denkbar wäre auch eine erneute Verschiebung der Entscheidung. Dabei könnte es allerdings nur um wenige Tage gehen. Ende September muss das Verfahren abgeschlossen sein.