Lieber langsamer, dafür genauer. So ist das Motto der Unternehmensführung von Karstadt bei der Planung für die Zukunft. Den Beschäftigten soll eine solide Strategie vorgelegt werden, heißt es, und dafür brauche es Zeit.

Die neue Karstadt-Spitze nimmt sich mehr Zeit für die Ausarbeitung eines Sanierungskonzeptes als ursprünglich geplant. Die für Ende Juli vorgesehene Sitzung des Aufsichtsrats zur Beratung der künftigen Strategie sei auf den 21. August verschoben worden, teilten Karstadt-Finanzchef Miguel Müllenbach und Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz der Belegschaft in einem der "Deutschen Presseagentur" vorliegenden Mitarbeiterbrief mit.

Zuvor hatten bereits die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" und das "Handelsblatt" über den Brief berichtet.

Arbeit unter Hochdruck

Die beiden Manager, die seit dem überraschenden Rücktritt von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt die Geschäfte des angeschlagenen Handelsriesen leiten, betonten in dem Schreiben an die
Karstadt-Beschäftigen: "Weil wir uns unserer Verantwortung Ihnen gegenüber sehr bewusst sind, müssen wir uns die Zeit nehmen, die wir für eine solide Strategie und belastbare Aussagen brauchen."

Es werde mit Hochdruck an einem umfassenden Sanierungskonzept gearbeitet, das zeitnah mit dem Aufsichtsrat und den zuständigen Arbeitnehmergremien beraten werden solle. "Wir glauben, dass Karstadt mit den erforderlichen Schritten eine Zukunftschance hat", erklärten die Manager. Sie wollten alles dafür tun, diese so gut wie möglich zu nutzen.

Angst vor harter Sanierung

Anfang Juli hatte Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt das Unternehmen überraschend nach nur fünf Monaten wieder verlassen, weil sie keine Chance für ihr Sanierungskonzept sah. Im Unternehmen geht seitdem die Angst vor einer harten Sanierung um.

Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte kürzlich in einem Interview "schmerzhafte Einschnitte" angekündigt. Alles müsse auf den Prüfstand gestellt werden. Nach Angaben des Chefkontrolleurs macht sich das Unternehmen "berechtigte Sorgen um die Profitabilität" von mehr als 20 Warenhäusern. Konkrete Schließungsbeschlüsse gebe es aber noch nicht.