Die Hoffnung auf das Fortbestehen von Karstadt wächst. Der Gläubigerausschuss hat die Verkaufsfrist verlängert. Verdi sieht ein ernsthaftes Kaufinteresse bei Triton - und will bald mit dem Investor weiterverhandeln.

Demnach muss ein neuer Vertrag erst am 28. Mai gezeichnet werden. Ursprünglich hatte der Insolvenzplan ein Fristende am Freitag (30. April) vorgesehen. Der Kaufinteressent Triton habe um die Fristverlängerung gebeten, teilte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses am heutigen Mittwoch mit.

Drei Tage nach dem Auslaufen der nun verlängerten Frist will das Essener Amtsgericht am 31. Mai den Insolvenzplan endgültig beschließen. Damit könnte das Insolvenzverfahren zum 30. Juni aufgehoben werden.

Hintergrund der Entscheidung des Gläubigerausschusses sei eine Bitte des bislang einzigen Kaufinteressenten Triton gewesen, hieß es. Ein Sprecher des deutsch-schwedischen Finanzinvestors begrüßte die Entscheidung. Dies zeige, dass das von dem Finanzinvestor vorgelegte Konzept "sehr ernsthaft" geprüft werde. "Es gibt Detailfragen, die noch zu klären sind", sagte er.

Verdi-Sprecherin Cornelia Haß kündigte weitere Verhandlungen mit Triton "spätestens Anfang nächster Woche" an. "Die gute Nachricht ist, dass Triton ernsthaft interessiert ist. Es gibt nun Raum für weitere Gespräche", sagte die Gewerkschafterin.

Datenraum weiterhin geöffnet

Erste Verhandlungen der Arbeitnehmerseite waren zunächst ohne Ergebnis geblieben. Insolvenzverwalter Görg wies auf positive Geschäftszahlen bei der Warenhauskette hin. "Diese Fristverlängerung um längstens einen Monat können wir uns im wahrsten Sinne leisten", erklärte der Insolvenzverwalter laut einer Mitteilung.

Karstadt habe im ersten Geschäftshalbjahr profitabel gewirtschaftet. Weitere Kaufinteressenten sind offenbar immer noch willkommen. Der Datenraum für Interessenten an der Warenhauskette bleibe weiterhin geöffnet, teilte Görg mit.

Einschnitte und Entlassungen

In seinem am vergangenen Freitag vorgelegten Angebot hatte der deutsch-schwedische Finanzinvestor Triton weitere Einschnitte unter anderem bei den Vermietern der 120 Karstadt-Häuser und bei den rund 26.000 Beschäftigten gefordert.

In einem Brief an die Karstadt-Mitarbeiter, der derhandel.de vorliegt, schreibt Triton, dass das Warenhaus "leider auch große Schwächen" habe. Dazu würden Verluste in bestimmten Sortimentsbereichen, unflexible Vergütungsstrukturen, hohe Mieten sowie Investitionsbedarf an vielen Standorten gehören.

Triton plant unter anderem die Abgabe verlustbringender Sortimente (wie Drogerie und Kinderbekleidung) an fremde Unternehmen. Davon wären knapp 5.000 Mitarbeiter betroffen.

Das erste Gespräch von Triton mit der Gewerkschaft Verdi gestern in Frankfurt war ohne Ergebnis geblieben. Der Karstadt-Betriebsrat bezeichnete den Sanierungsplan des Finanzinvestors als "höchst unmoralisch".