Das Unternehmen Gilde Handwerk wird seine Beschwerde gegen das Karstadt-Insolvenzplanverfahren fallenlassen - der öffentliche Druck war einfach zu groß. Der Firmeninhaber sprach mit Berggruen.

Gestern abend hat Wilhelm Seggewiß nach San Francisco telefoniert. Sollte die die Verbindung gestanden haben, war am anderen Ende der Leitung kein Geringerer als Nicolas Berggruen - der in Deutschland gefeierte Retter von Karstadt.

Nach dem Gespräch wird eines feststehen: Die Firma Gilde Handwerk aus Bocholt, deren kaufmännischer Leiter Seggewiß ist, wird ihre Beschwerde gegen das Insolvenzplanverfahren von Karstadt zurückziehen. "Der Druck auf mich und das Unternehmen ist zu groß", sagte Seggewiß gestern zu derhandel.de

Seit Anfang der Woche ist die Beschwerde von Gilde (eine zweite wurde von den Investoren von Dawnay Day eingelegt) bekannt - und seitdem "komme ich zu nichts anderem mehr", sagt Seggewiß. Er werde mit E-Mails bombardiert, in denen er als "Verbrecher" oder "Schwein" beschimpft werde. Viele Adressaten seien Karstadtmitarbeiter.

Berggruens Anwälte waren gesprächsbereit

Kein Wunder: Viele Menschen befürchten, dass wegen dieser beiden Beschwerden die ordnungsgemäße Übergabe des Warenhauses kommenden Freitag an Berggruen platzen könnte. "Dabei hatten wir gar nicht vor, diesen Prozess aufzuhalten", versichert Seggewiß. Ihm gehe es auch nicht um die 6.000 Euro, die Gilde Handwerk für gelieferte Waren noch zu bekommen habe - der kaufmännische Leiter übt Kritik am ordnungsgemäßen Verlauf des Insolvenzplanverfahrens.

Und das wolle er auch am Mittwoch Berggruen persönlich mitteilen. Das Gespräch hätten dessen Anwälte nach einem Telefonat mit Seggewiß am Montag arrangiert. Der kaufmännische Leiter will den neuen Karstadt-Besitzer über die angeblichen Ungereimtheiten beim Insolvenzplanverfahren aufklären.

Hauptkritikpunkt ist, dass die ehemaligen Arcandor-Vorstände 54,6 Millionen Euro aus dem Unternehmen abgezweigt hätten um in einen neuen Fonds zu stecken, der wiederum die Vorstands- und Abteilungsleiterrenten sichern sollte. Hiergegen sei Görg nicht eingeschritten, was Gilde als Gläubigerbenachteiligung einstuft.

Görg vermutet eigennützige Ziele

Von Klaus Huberg Görg gibt es mittlerweile auch eine Reaktion auf die Beschwerde. Der Karstadt-Insolvenzverwalter hat dem Protest gegen den Insolvenzplan der Warenhauskette "keinerlei Aussicht auf Erfolg" bescheinigt. Leider könne aber niemand den beiden Gläubigern das juristische Vorgehen untersagen.

In dem am Dienstag verbreiteten Schreiben an die rund 25.000 Karstadt-Mitarbeiter warf der Insolvenzverwalter den beiden Beschwerdeführern "grob eigennützige Ziele" vor. Görg-Sprecher Thomas Schulz bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht des Magazins "WirtschaftsWoche".

Die Interessen der Beschwerdeführer stünden in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den sie für Tausende von Menschen anrichteten, so der Insolvenzverwalter. Die Unsitte, Geld zu erpressen, sei von Hauptversammlungen und Aktionären bekannt. Leider greife sie auch bei Gläubigern um sich.

Nur drei Prozent von jeder Forderung

Der Insolvenzverwalter dürfe jedoch ein Ansinnen nach einer einhundertprozentigen Erfüllung der Forderungen gar nicht erfüllen. Der Karstadt-Insolvenzplan sieht nur die Begleichung der Gläubigerforderungen mit einer Quote von zunächst drei Prozent vor.

Derzeit werde geprüft, ob das Rechtsmittel der Beschwerde missbräuchlich eingesetzt worden sei, so Görg. Auch über mögliche Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe werde derzeit nachgedacht, hieß es am Dienstag aus Kreisen.

Steffen Gerth, mit Material von dpa