Karstadt will wieder investieren, insbesondere zwei Warenhäuser sollen herausgeputzt werden - in Mainz und in Bielefeld. derhandel.de hat sich in beiden Filialen umgeschaut.

Nach den angekündigten Schließungen von Filialen will der insolvente Warenhausbetreiber Karstadt wieder investieren: Geld soll zunächst vor allem in die Häuser in Mainz und Bielefeld fließen, die gemeinsam mit dem Duisburger Projektentwickler Multi Development Germany GmbH umgebaut werden sollen.

Warum Mainz und Bielefeld? Wir fragten Thomas Schulz, Sprecher der Insolvenzverwaltung von Karstadt, ob diese beiden Filialen besonders attraktiv seien. „Eher umgekehrt", sagte er gegenüber derhandel.de: „Dort sieht man den größten Investitionsbedarf". Will heißen: die Standorte sind vielversprechend, die Filialen aber in die Jahre gekommen.

Das kann jeder bestätigen, der in Bielefeld oder in Mainz unterwegs war. Beide Städte haben einen funktionierenden Einzelhandel, und in beiden verkauft sich der örtliche Karstadt unter Wert.

Tristesse in Bielefeld

Wer Karstadt-Filialen in der ganzen Bundesrepublik besucht, den beschleicht irgendwann das Gefühl, dass sich die jeweilige Top-Einkaufslage in manchen Städten zu ungunsten von Karstadt verschoben hat. Das ist auch in Bielefeld der Fall: Eine Straße weiter, wo sich die moderne Kaufhof-Filiale befindet, tobt am Tag unseres Besuches das Leben. Karstadt bleibt dagegen eher am Rande und gibt ein trauriges Bild ab.

Überraschung: Karstadt-Fahrradladen in Bielefeld. Foto: M. Crescenti
Überraschung: Karstadt-Fahrradladen in Bielefeld. Foto: M. Crescenti
Das Bielefelder Haus ist riesig. Davor flattern zahlreiche Karstadt-Fahnen, als könnten sie die Kunden anlocken, die auf der Parallelstraße flanieren. Schon vor dem Betreten des Hauses sieht man, was der Sprecher des Insolvenzverwalters diplomatisch als „Investitionsbedarf" umschreibt: Die Farbe der Fassade blättert ab.

Auch das Innenleben des Kaufhauses besticht nicht durch Modernität: Die üblichen Wühltische stehen gleich am Eingang, die Warenpräsentation unterscheidet sich nicht groß von anderen Filialen. Eine Besonderheit hat aber Karstadt Bielefeld aber dann doch zu bieten: Um die Ecke gibt es überraschenderweise ein Karstadt-Fahrradgeschäft. Wie das zum Kernsortiment des Warenhauses passt, bleibt unklar.

Charme der Siebzigerjahre in Mainz

In Mainz hat Karstadt kein Problem mit der Lage: Das große Warenhaus steht zentral auf der belebten Ludwigstraße, in Sichtweite des tausendjährigen Doms. Die Schwierigkeiten ergeben sich hier vielmehr aus der Architektur: Vor der Filiale stehen Betonbauten mit viel Glas, die vor Jahrzehnten modern gewesen sein mögen. Heute stören sie bloß und verhindern die freie Sicht auf das Karstadt-Gebäude.

Karstadt in Mainz: In die Jahre gekommen. Foto: M. Crescenti
Karstadt in Mainz: In die Jahre gekommen. Foto: M. Crescenti
Der Mainzer Bürgermeister fordert seit Jahren eine Modernisierung der Filiale, die nach wie vor den Charme der Siebzigerjahre ausstrahlt. Im Untergeschoss gibt es Sportartikel und ein Supermarkt, in der obersten Etage findet man Kurzwaren und Stoffe - etwas, das in der Mainzer Innenstadt kaum noch vorhanden ist. Modern wirkt das Ganze beileibe nicht.

Das Areal soll nach den Plänen des Projektentwicklers Multi Development zu einem Einkaufszentrum umgebaut werden, mit Karstadt als Ankermieter. Das Vorhaben könnte die Attraktivität von Mainz als Einkaufsstadt deutlich erhöhen - und würde für Karstadt eine spürbare Aufwertung des Standorts bedeuten, die nicht zuletzt auch mit Gelder des Immobilienentwicklers finanziert werden würde.

Mehr Infos zum Thema Karstadt

Klicken Sie hier für eine Reportage über mehr als 50 Karstadt-Filialen bundesweit. Auch in Mainz und Bielefeld war die Redaktion von Der Handel vor Ort.

Eine Bildergalerie mit über 50 Karstadt-Filialen in der Bundesrepublik finden Sie hier.