Seit drei Wochen ist das Insolvenzverfahren für Karstadt abgeschlossen - doch Ruhe gibt es noch nicht. Beim Amtsgericht Essen sind sieben Beschwerden eingegangen, die sich gegen die Höhe des Honorars des Insolvenzverwalters richten.

Rund 34 Millionen Euro für Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und die Mitglieder des Gläubigerausschusses liegen auf Eis. Sieben Gläubiger haben gegen die Höhe des Betrages Beschwerde eingelegt, bestätigte das Amtsgericht Essen einen Bericht der "Financial Times Deutschland".

Die Übernahme der Warenhauskette Karstadt nach einem der größten Insolvenzverfahren in der deutschen Handelsgeschichte durch Investor Nikolas Berggruen bleibt davon unberührt. Der Kauf sei rechtsgültig, sagte ein Gerichtssprecher.

Wieder tritt Gilde Handwerk auf den Plan

Beschwerdeführer sind nach Informationen von derhandel.de unter anderem die Firma Gilde Handwerk sowie zwei Tochterunternehmen. Der Bocholter Geschenkartikelgroßhändler hatte schon vor Wochen für Schlagzeilen gesorgt, als es gegen das Insolvenzplanverfahren Einspruch eingelegt hatte. Dadurch war sogar kurzfristig die Übernahme von Karstadt durch Berggruen gefährdet. Nach einem Telefonat von Gilde-Geschäftsführer Hamid Yazdtschi mit dem Investor zog das Unternehmen den Einspruch zurück.

Das Amtsgericht hatte die Vergütung für Görg und seinen Mitarbeiterstab im Fall Karstadt auf 32,3 Millionen Euro festgelegt. Rund 2 Millionen Euro insgesamt sollen die zwölf Mitglieder des Gläubigerausschusses bekommen. Das Insolvenzverfahren hatte 16 Monate gedauert, bis am 1. Oktober Berggruen Karstadt übernommen hatte.

Görg begründete die hohe Summe mit dem komplexen Verfahren, das er am Ende erfolgreich abgeschlossen habe. Bei Ausschöpfung aller möglichen Beträge hätte er auch mehr als 50 Millionen Euro verlangen können, hatte Görg erklärt. Das Geld für ihn und die Ausschussmitglieder muss aus der Karstadt-Insolvenzmasse bezahlt werden.

Zuviel Geld für Görg?

Die sieben Gläubiger, die Beschwerde eingelegt haben, halten die Summe dennoch für zu hoch. Das Gericht will jetzt die Beteiligten anhören und voraussichtlich Anfang November entscheiden. Bleibt das Gericht bei der Festsetzung der Zahlungshöhe, geht die Beschwerde automatisch an das Landgericht Essen weiter, sagte der Sprecher. Sieht das Gericht neue Gründe, die eine Herabsetzung der Beträge rechtfertigen, kann es auch Kürzungen vornehmen.

Die Gesamtkosten des Insolvenzverfahrens hat Görg früheren Angaben nach auf rund 50 Millionen Euro beziffert. Darin sind neben den 34 Millionen noch Gerichts- und Anwaltskosten enthalten. Unter den Mitgliedern des Insolvenzausschusses sind unter anderem Vertreter von Banken, Versicherungen, Betriebsrat, Bundesagentur für Arbeit, Pensionssicherungsverein oder dem Land.

Görg ist jetzt Insolvenzverwalter für mehr als 40 Einzelgesellschaften des ehemaligen Arcandor-Konzerns. Als größere Verfahren gelten noch Quelle und die Dachgesellschaft Arcandor.