Die Geschichte um die Karstadt-Rettung bekommt eine neue Wendung: Insolvenzverwalter Görg will nicht nur den früheren Arcandor-Chef auf Schadenersatz verklagen. Es geht um Immobilienverkäufe und Vermietungen.

Er steht für den endgültigen Niedergang von Karstadt - nun sieht er sich mit einer gewaltigen Klage konfrontiert. Thomas Middelhoff sowie weitere ehemalige Karstadt-Führungskräfte werden von Klaus Hubert Görg auf 175 Millionen Euro Schadenersatz verklagt.

Am Mittwoch wollte der Karstadt-Insovenzverwalter beim Essener Landgericht Klage gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden sowie weitere Vorstandsmitglieder einreichen, berichtet die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung". Der Gläubigerausschuss sei darüber am Dienstag informiert worden. Ein Gerichtssprecher bestätigte den Eingang der Klage. 

Von Potsdam bis München

Bei der Klage gehe es um den Verkauf der Karstadt-Häuser in Potsdam, München, Karlsruhe, Leipzig und Wiesbaden an den Oppenheim-Esch-Fonds sowie deren anschließende Vermietung an das Warenhausunternehmen. Diese Immobilien seien an Esch deutlich unter Marktwert verkauft und zu überhöhten Mietsätzen zurückgemietet worden, berichtet die Zeitung. Den Verkauf hatte noch der frühere Karstadt-Chef Wolfgang Urban eingeleitet.

Görg beklagt, dass die Mietverträge abgeschlossen worden seien, obwohl alle Beteiligten von deren "Nachteilhaftigkeit" gewusst hätten. Außerdem hätten es Middelhoff, der Vorstand sowie Aufsichtsratsmitglieder versäumt, diejenigen in Regress zu nehmen, die für die Ursprungsverträge verantwortlich sind. Dass entsprechende Ansprüche bestanden hätten, sei laut Görg bekannt gewesen.

Middelhoffs Reisen

Der Insolvenzverwalter betont, dass von den abgeschlossenen Mietverträgen Middelhoff und dessen Ehefrau profitiert hätten. Beide hatten sich, bevor Middelhoff zu KarstadtQuelle stieß, an einem Esch-Fonds beteiligt, zu dessen Portfolio auch Karstadt-Immobilien gehörten.

Görg wirft Middelhoff vor, "pflichtwidrige Zuwendungen an ihm nachstehende Dritte" bewilligt und "überhöhte Reisekosten" durch Nutzung eines Privatflugzeugs verursacht zu haben. Außerdem habe der ehemalige Chef des Arcandor-Konzerns unrechtmäßige Bonuszahlungen eingenommen.

Für Middelhoffs Geschäftspraktiken interessiert sich auch die Essener Staatsanwaltschaft seit geraumer Zeit.

Auch Leo Herl wird verklagt

Görgs Klage richtet sich nach Informationen der "Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung" auch gegen die früheren Vorstandsmitglieder des damaligen KarstadtQuelle-Konzerns Christoph Achenbach, Helmut Merkel, Harald Pinger, und Matthias Bellmann.

Nach dem Willen Görgs sollen auch ehemalige Aufsichtsratsmitglieder verklagt werden. Das betrifft Hero Brahms, Leo Herl, Ehemann der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz sowie der frühere Gesamtbetriebsratsvorsitzende Manfred Pokriefke.

Den Kontakt nach Russland haben offenbar ebenfalls ehemalige Karstadt-Führungskräften gesucht. Merkel fungierte als Berater des Russen Artur Pachomow, der sich vor einigen Wochen mit einem eher kruden Angebot ebenfalls am Bieterrennen um Karstadt beteiligt hatte.

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.

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