Der geplante Umbau des Mainzer Karstadt sorgt für mächtigen Wirbel. Noch ist nicht klar, welcher Projektentwickler den Zuschlag bekommt - nun gibt es harte Kritik von einem der höchsten deutschen Geistlichen.

Wenn sich Kardinal Karl Lehmann zu Wort meldet, dann müssen außergewöhnliche Dinge passiert sein. Und wenn die Kritik des Mainzer Bischofs ein Einzelhandelsprojekt betrifft, dann ist das umso bemerkenswerter. Der Kardinal hält die Umbaupläne der Karstadt-Filiale zum Zentrum eines neuen Einkaufszentrums für misslungen. "Ich fand die isolierte Frage nur nach dem Domblick, gleichsam über die Dächer hinweg, von Anfang an naiv und verfehlt", zitiert die "Allgemeine Zeitung" einen Kommentar des Kardinals im Kirchenblatt "Glaube und Leben".

"Kein übermächtiger Klotz"

Mit erstaunlicher Verve wettert Lehmann gegen das geplante Center in seiner Stadt: "Es geht um die Konzeption des künftigen Bildes der Innenstadt. Viele Menschen sind im Blick auf die konkreten Planungen offen und tolerant, aber sie wollen im Zentrum der Stadt keinen übermächtigen Klotz, der alles überragt und sich gar noch zu einem gigantischen Konsumtempel aufspreizt." Für den ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gebe es Grenzen der Kommerzialisierung und Ökonomisierung des Stadtinnern. Als Ehrenbürger von Mainz wolle er zu diesem Thema nicht schweigen.

So bemerkenswert Lehmanns Aufruf ist - er hat auch praktische Konsequenzen, die den Bau des geplanten Centers in der Ludwigstraße grundsätzlich in Frage stellen. Denn das Bistum Mainz weigert sich, eigene Immobilien zu verkaufen, die in dem vorgesehen Einkaufszentrum berücksichtigt werden sollen. Auf Basis der derzeit vorhandenen Informationen würden Kardinal und Domkapitel "keinen Grund sehen" ihren Besitz zu verkaufen, sagte Generalvikar Dietmar Giebelmann der "Allgemeinen Zeitung" (AZ).

Es dreht sich dabei um zwei kircheneigene Immobilien: Das Gebäude der Pax-Bank in der Eppichmauerstraße sowie ein Gebäude in der Fuststraße.

Vor allem ECE-Pläne sorgen für Ärger

Zwei Konkurrenten streiten seit Monaten um den Zuschlag für die Entwicklung des Areals um den Mainzer Karstadt: Multi Development, die für kurze Zeit als Gewinner des Wettbewerbs galt, sowie die ECE, deren Pläne besonders das Bistum verärgern. Schließlich beansprucht der Hamburger Projektentwickler eine größere Fläche als Multi Development.

Auch in der Mainzer Bürgerschaft wächst der Unmut über das vorgesehene Center. Der Dombauverein ließ bereits 1.500 Unterschriften sammeln, um den Domblick vom Schillerplatz zu erhalten, der von einem Einkaufszentrum offenbar verstellt werden wird. "Wir Mainzer wollen den Dom sehen. Vor allem wollen wir unsere Innenstadt und die vorhandenen Strukturen nicht kaputtmachen lassen", wettert die Domvereins-Vorsitzende Sabine Flegel in der "AZ".

Der CDU-Stadtverordneten ist ebenfalls vor allem der Plan der ECE ein Dorn im Auge. Flegel befürchtet, dass deren Konzept mit 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche nur eine Nettoberechnung sei - tatsächlich werde das Areal 55.000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassen, wenn man Wege, Treppen und Plätze einkalkuliert. Zudem hält die Stadtverordnete die geplanten 400 Parkplätze für deutlich zu wenig.

Und was sagt die ECE zu den Vorwürfen? Das vorgestellte Konzept sei "nur ein Planungsentwurf" für die Diskussionsgrundlage mit Bürgern und Politikern, teilt die Development-Managerin Sandra Harms auf "AZ"-Anfrage mit. Selbstverständlich werde der Hamburger Projektentwickler ein Konzept verabschieden, das "wie ein Maßanzug" auf die Stadt passe.