Wer das neue Karstadt-Marketing behutsam nennt, formuliert es höflich: Stärkere Kundensegmentierung, mehr modische Textilien - und vielleicht bekommt "K Town" in Göttingen ein Café, nennt Marketing-Chefin Nordhoff einige Ziele.

Wenn die Marketingchefin eines der größten deutschen Handelsbetriebe sagt, dass neuerdings der Kunde im Mittelpunkt steht, dann mag man schmunzeln. Denn das ist für Händler die Mindestvoraussetzung für Erfolg. Aber wenn Deike Nordhoff diese neue Strategie so betont, dann lässt das auch Rückschlüsse auf die Versäumnisse von Karstadt in der Vergangenheit zu.

Wie nun Karstadt die Kunden gezielt ansprechen will, verrät die neue Marketingchefin im Gespräch mit dem Fachmagazin "Werben & Verkaufen": Die Marktforschungserkenntnisse des Kundenkartenprogramms sollen besser genutzt werden, es werde eine Kundensegmentierung geben und die Einkäufer sollen besser auf die Bedürfnisse der Verbraucher eingehen.

Revolution? Aber nein.

"Karstadt braucht keine Revolution", hatte der Karstadt-Interimschef Thomas Fox (jetzt Sanierer der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker) einst zu Der Handel gesagt - und es sieht ganz danach aus, als ob sich alle daran halten würden. Denn neben der Gesamt- ist auch auch die Marketingstrategie weit davon entfernt, bahnbrechend genannt zu werden: Das Modesortiment soll trendiger und verjüngt werden. Die Prospekte seien moderner geworden.

Und sonst? Das Göttinger Testkonzept für junge Mode, "K Town" genannt, laufe gut, und "natürlich ist die Idee, das Format in weiteren Karstadt-Filialen unterzubringen. Aber im Moment schauen wir uns erst einmal den Piloten an". Das klingt noch eher defensiv. Immerhin: "Wir überlegen zum Beispiel, ob wir bei 'K Town' eine kleine Bar einbauen oder ein kleines Café, und sicher werden dort auch Veranstaltungen stattfinden."

Saisonale Höhepunkte

Generell sollen bei Karstadt mehr Veranstaltungen angeboten werden, sagt Deike Nordhoff, "Events sind ein elementarer Bestandteil unserer Strategie". Deutlich mehr Aufmerksamkeit sollen auch Internet-Marketing und Social Media bekommen, zudem werde der POS-Auftritt weiterentwickelt, wofür eine neue Leiterin für Visual Merchandising und ein neuer Creative Director sorgen sollen.

Und es werde derzeit die Prospektverteilung per Post getestet. "Unser Hauptwerbemedium sind Prospekte", betont Nordhoff. Die Werbung soll zudem auf die jeweiligen Bedürfnisse der 86 verliebenen Warenhäuser angepasst werden.

Bei der Kommunikation will Karstadt auf saisonale Höhepunkte setzen. "Da reden wir schnell mal über ein Kompetenz-Booklet zu Weihnachten von über 60 Seiten." Zudem soll der Kunde jedes Jahr mit einer groß angelegten 360-Grad-Kampagne überrascht werden. Damit wird eine Marketingform bezeichnet, bei der der Kunde an sämtlichen Berühungspunkten mit dem Unternehmen erreicht wird.