Hier Laminat, dort ein schickes Restaurant. Die Modernisierung von Karstadt erfolgt in homöopathischen Dosen - die lokalen Händler freuen sich trotzdem, dass ihr Warenhaus vor Ort eine Zukunft hat.

Ganz oben ist es meist am schönsten. Wer es in die dritte Etage der Bad Homburger Karstadt-Filiale schafft, der könnte vergessen, dass er gerade die Cafeteria eines Kaufhauses betritt. Schickes Design, originelle Speisen und zuvorkommender Service - alles wirkt wie eine großstädtische Bar mit Restaurant.

"Das ist eine Bereicherung für die Gastronomie in Bad Homburg", lobt Stefan Wolf, leitender Stadtplaner der edlen Kurstadt (Kaufkraftindex: 152) am Fuße des Taunus. Der dritte Stock hat noch mehr zu bieten: Neuer Fußboden, neue Wegeführung, es dominieren edle Grautöne - hier hat sich gleichfalls die Renovierung ausgezahlt.

"Der Kosmetikbereich hat ebenfalls dazugewonnen", sagt Wirtschaftsförderer Wolf. Auch die Markeninseln bei den Textilien seien ansprechender geworden.

Grundsätzlich wurden alle Sortimente neu geordnet, um den Kunden eine bessere Orientierung zu ermöglichen. Und weil unmittelbar gegenüber im Ende 2010 eröffneten "Louisen-Center" auch ein Saturn-Markt beheimatet ist, hat Karstadt die eigene Multimediaabteilung verkleinert.

Jennings war zu Besuch

Kein Wunder, dass Andrew Jennings dem aufgewerteten Haus in der Kurstadt bereits einen Besuch abgestattet hat. Vielleicht kommt ja der Karstadt-Chef bald wieder, wenn auch in den restlichen Stockwerken die Modernisierungsarbeiten abgeschlossen sind.

Etwa 2,5 Millionen Euro steckt der Warenhauskonzern in den Standort Bad Homburg, dessen bisheriger Geschäftsführer Volker Knauer in die Filiale nach Darmstadt gewechselt ist und vom Warenhausroutinier Heinz Löbbert (bisher in Trier tätig) abgelöst wurde.

Thomas Meye sagt, dass alle Bad Homburger Händler froh seien, dass Karstadt in die Filiale mit der schmucken jadefarbenen Glasfassade investiert. "Das Haus hat eine Magnetfunktion für die Stadt", sagt der Geschäftsführer von Feinkost Lautenschläger, wie Karstadt an der Einkaufsmeile Louisenstraße gelegen.

Herausgeputzt, nicht neu erfunden

Foto: Hennes Roth
Foto: Hennes Roth
Eberhard Schmidt-Gronenberg, Geschäftsführer des 113 Jahre alten Modehauses Halbach, will hier nicht widersprechen, findet aber auch kritische Töne. Sollte nämlich die Textilabteilung von Karstadt auch mit Premiummarken wie Boss bereichert werden, dann fände das der exklusive Modehändler weniger spaßig.

Das Haus in der Bad Homburger Kurstadt mag herausgeputzt worden sein - neu erfunden wurde das Warenhaus nicht. In Bielefeld schon gar nicht. Die Filiale hier gehörte stets zu den 30 umsatzstärksten Filialen im Konzern, an einem Samstag im Weihnachtsgeschäft stand gar einmal der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff mit an der Kasse und packte öffentlichkeitswirksam Ware ein. Thomas Kunz war sieben Jahre lang Geschäftsführer des Bielefelder Hauses, seit 2009 führt er den Einzelhandelsverband Ostwestfalen-Lippe.

"Nur ein Anfang"

Kunz freut sich für den Bielefelder Handel, dass "sein" ehemaliges Karstadt-Haus etwas renoviert worden ist, 1,5 Millionen Euro sollen dafür aufgewendet worden sein. "Aber das kann nur ein Anfang gewesen sein", sagt der ehemalige Filialleiter.

In der ersten Etage gibt es eine neue Loopführung, Heimtextilien wanderten vom Erdgeschoss ins dritte Stockwerk, in der Süßwarenabteilung gibt es jetzt eine Pralinenbar, die Lampenabteilung wurde aufgelöst und die Kassen sind zu Blöcken an den Rolltreppen zusammengezogen worden.

Kunz sagt, dass der "neue" Karstadt zwar weiterhin eine wichtige Funktion für den Handel in der hoch frequentierten Bahnhofstraße habe - aber ein spürbarer Anstieg der Kundenströme sei nach den kosmetischen Veränderungen nicht zu verzeichnen.

Kosmetik ist nicht genug

Dazu passt eine Einschätzung des Immobilienmaklers Jones Lang LaSalle: "Von einem durch diese Einzelinvestition auch im Umfeld messbaren Einfluss auf Miete, und Immobilienwerte würde ich nicht sprechen", sagt Marion Grätz vom Hannoveraner Büro des Maklers.

Warum auch? Der etwa 45 Jahre alte Bau schreit nach Modernisierung der 8.500 Quadratmeter Grund- und 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Im gesamten Haus mit seinen fünf Stockwerken wird viel Raum durch ein Treppenhaus verschenkt, das parallel zu den Rolltreppen verläuft. Und außen wird ein Innenhof von der Größe eines halben Fußballfeldes geradezu verschleudert - für Parkplätze und Mülltonnen.

Foto: Steffen Gerth
Foto: Steffen Gerth
Was für eine kostbare Fläche in der Bielefelder City brach liegt, beweist die Einschätzung von Immobilienmaklerin Grätz: "Die Nachfrage nationaler und internationaler Filialunternehmen nach Flächen in dieser Lage ist sehr groß und kann seit Jahren nicht befriedigt werden."

Discomusik und Klebestreifen

Gut 180 Kilometer südlich von Bielefeld steht Deutschlands geheimnisvollstes Karstadt-Haus. Der Standort an der Düsseldorfer Schadowstraße soll eine Art "Laborfiliale" werden, heißt es. Ein Testhaus, in dem unter anderem neue Angebot ausprobiert neuen sollen. Nichts Genaues ist bekannt - wie so oft bei Karstadt, wo die Öffentlichkeitsabteilung es ungern hat, wenn man in direkten Gesprächen mit den Filialleitern über die Veränderungen in den Häusern reden möchte.

Am Standort in der Schadowstraße wird aber unübersehbar drinnen gewerkelt, "alte Decken raus, neue Decken rein", ruft der Handwerker mit starkem slawischem Akzent lachend. Laminatböden werden auch verlegt. Dass Karstadt mit dieser Filiale sehr wohl etwas vorhat, könnte man vom Wechsel in der Geschäftsführung ableiten.

Marion Hennig ist vom Limbecker Platz herübergewechselt. Sie wird als "Laborleiterin" gut zu tun haben. Im Erdgeschoss beschallt billige Discomusik die Kunden, und wer im Restaurant essen geht, kann eine enorme Bandbreite an Kundenfreundlichkeit des Personals erleben. Auf der Übersichtstafel, die darauf hinweist, in welchem Stockwerk welches Sortiment zu finden ist, sind zwölf Bereiche überklebt - weil es sie es zumindest derzeit nicht gibt.

Ein Tiefpunkt des Ladenbaus ist allerdings die verschachtelte Unterführung zur Sportabteilung. Mitten in einem Tunnel stehen Fahrräder zum Verkauf - wie dort ein Kunde zurechtkommen oder gar einen Verkäufer finden soll, ist unklar. Wenn er diesen Ort nicht gleich mit dem Abstellplatz der Mitarbeiterräder verwechselt. Ganz unten ist es eben selten schön.

Steffen Gerth


Von Münster bis München

Baut um, baut um, heißt es bei Karstadt. 60 der 86 Warenhäuser sollen in den nächsten vier Jahren aufgehübscht werden, allein zwölf in diesem Jahr. Der neue Besitzer Nicolas Berggruen „hat jetzt schon mehr in die Häuser investiert, als Karstadt über viele Jahre. Die wurden einfach nicht in Schuss gehalten, das hat jeder Laie gesehen", sagt Christoph Meyer, Leiter Retail Investment des Immobilienmaklers BNP Paribas Real Estate.

Unter anderem wurden und werden bereits Filialen modernisiert in:


Hamburg-Wandsbek (abgeschlossen, Investitionssumme unbekannt),

Berlin-Kurfürstendamm (abgeschlossen, Investitionssumme unbekannt)
Limburg (Investitionssumme unbekannt)
Münster (Investitionssumme: 5 Millionen Euro)
Frankfurt am Main (erste Umbauphase abgeschlossen, Investitionssumme bisher: 10 Euro)