Verkäufer mit herunterhängenden Mundwinkeln, inkonsistente Markenführung, aber wenigstens neue Cafés. Der Handelsberater Manfred Miller hat wenig Freude an dem mächtigen Haus am Münchner Bahnhof.

Ich bin anderthalb Stunden umhergewandert, und es bleibt nur eine Erkenntnis: Dieses Haus frisst die Energie der Kunden. Dabei sollte ein Warenhaus dem Besucher Energie geben, Lust auf Einkaufen machen. Schließlich ist der klassische Warenhauskunde empfänglich für Reize und Verführungen.

Doch hier reizt sehr wenig. Von "Full of Life" kann ich nichts feststellen. Auf den knapp 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche verlieren sich Kunden, Personal und Sortimente. Wer sich hier zurechtfindet, vollbringt eine große Willensleistung.

Für die verschiedenen Zielgruppen gibt es keine Unterräume, alles verschwimmt auf der Fläche. Cross-Selling ist hier ein Fremdwort. Es gibt nur wenig anregende Kombinationen von verschiedenen Waren.

Keine Kultur für die Verkaufsmannschaft

Überhaupt, die Ware: Mit teils überdrehtem Design bei neuen Damenschuhen oder Bekleidung will Karstadt moderner wirken. Jedoch sind die Labels in ihrer Markenführung inkonsistent. Sind die Mitarbeiter auf der Fläche überhaupt noch in der Lage, die neuen, aber zum Teil profillosen Marken glaubhaft zu verkaufen? Auch die Präsentation der verschiedenen Sortimente auf der Fläche ist für den Kunden schwer nachzuvollziehen.

Das Gefühl, dass dieses Haus Lebensenergie zieht, wird durch das Personal verstärkt. Wie können Mitarbeiter mit hängenden Mundwinkeln "Full of Life" verkörpern? Es ist zu vermuten, dass Karstadt seiner Verkaufsmannschaft keine Kultur bietet. Doch wenn ein Unternehmen verändert werden soll, dann muss das auch auf der Personalebene stattfinden.

Ein kleiner Pluspunkt für die Münchner Filiale sind die vielen neuen Cafés auf der Fläche - aber mehr Höhepunkte gibt es nicht. Es fehlt insgesamt an konzeptioneller Handelsleistung. Karstadt muss dem Haus mehr Leben einhauchen.

Zur Person: Manfred Miller ist selbstständiger Handelsberater in Würzburg. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler war zuvor unter anderem Geschäftsführer bei Edeka Minden-Hannover und Berater bei Nymphenburg Retail Consult.

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Aufgezeichnet von Steffen Gerth