Endlich wird die Strategie erkennbar, mit der Insolvenzverwalter Görg Karstadt retten will. Um die Attraktivität des Unternehmens für Investoren zu steigern, sollen die Gläubiger auf viel Geld verzichten.

So pingelig genau kann man wohl nur von der deutschen Justiz informiert werden: Um 15.21 Uhr sei gestern beim Essener Amtsgericht der Karstadt-Insolvenzplan von Verwalter Klaus Hubert Görg eingereicht worden, teilte das Gericht mit. Und seit heute ist zumindest teilweise bekannt, welche Strategie verfolgt wird, um die angeschlagene Warenhauskette zu retten.

Die Gläubiger müssten demnach einen gewaltigen Beitrag leisen: Nur 3 Prozent der Gläubigerforderungen von rund 2,7 Milliarden Euro sollen beglichen werden. Freilich muss sich Görg für dieses Vorhaben noch die Genehmigung der Gläubigerversammlung einholen.

Die Zeitung "Handelsblatt" schreibt, Görg habe den Gläubigern zugesichert, Karstadt bereits bis Ende April verkaufen zu wollen - das wären gut vier Wochen vor dem Termin Ende Mai, der noch vergangene Woche gehandelt wurde.

Dieses verschärfte Tempo ist auch nötig, denn für das Inkrafttreten des Insolvenzplans sei es notwendig, den Vertrag über den Verkauf von Karstadt bis zum 30. April zu unterzeichnen.

"Namhafte Interessenten im Bieterverfahren"

Görg versicherte abermals, dass sich "unverändert namhafte Interessenten" für den Kauf von Karstadt im Bieterverfahren befänden. Das "Handelsblatt" will erfahren haben, dass kein strategischer Investor mehr interessiert sei. Abermals wird dafür der Name Klaus Appelhoff gehandelt, der für ein Konsortium ausländischer Investoren sprechen würde.

Appelhoff sagte zu derhandel.de, dass er zwar nicht zu den offiziellen Kaufinteressenten gehöre, doch stark daran interessiert sei, dass Karstadt gerettet wird. Der Essener Unternehmensberater saß bis zum Jahr 2004 im Vorstand der Warenhauskette.

Diese Woche hat Görg auch bestätigt, dass sich die Vermieter an der Sanierung der insolventen Warenhauskette Karstadt beteiligen. Sowohl der Hauptvermieter Highstreet als auch der Oppenheim-Esch-Fonds hätten ihre Bereitschaft dazu signalisiert.

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