Die Karstadt-Rettung ist seit gestern wahrscheinlicher geworden. Handelsexperten freuen sich darüber, geben dem Warenhaus eine Zukunft - glauben jedoch, dass es zu Schließungen kommen wird.

Frank Albrecht ist ein notorischer Skeptiker. Karstadt-Rettung seit gestern so gut wie sicher? Da ist der Präsident des hessischen Einzelhandelsverbandes ganz anderer Meinung.

Dass das insolvente Warenhaus eine Zukunft hat, will Albrecht erst glauben, "wenn Berggruen Geld investiert". Vorher mag der Frankfurter Parfümieriehändler noch nicht jubeln, "denn so ganz in trockenen Tüchern ist das ja alles noch nicht".

Albrecht verweist darauf, dass Investor Nicolas Berggruen sich nicht nur mit dem Vermieter Highstreet um Mietnachlässe für die noch 120 Karstadt-Häuser einigen müsse. Dem Konsortium gehören 86 Filialen, damit der größte Teil - aber eben nicht alles.

Vielleicht könnte jedoch die Zustimmung von Highstreet am Mittwoch in London, Mietnachlässe zu gewähren, ein Signal sein, auch die restlichen Vermieter gütlich zu stimmen.  

Die Karstadt-Rettung - ein "Hochseilakt"

Doch auch dann bleibt Albrecht grundsätzlich kritisch. Die Rettung von Karstadt sei ein Hochseilakt, sagt er zu derhandel.de. "Und ich weiß nicht, ob Berggruen ein Hochseilartist ist."

Der hessische Handelspräsident betont, dass es in Deutschland zu viele Warenhäuser geben würde. "Und deswegen werden einige verschwinden." Trotzdem sei das grundsätzliche Konzept eines Warenhauses nicht veraltet: "Gerade in Klein- und Mittelstädten haben diese Häuser Magnetfunktionen."

In Erfurt wird allerdings sehr wohl damit gerechnet, dass es weitergeht mit Karstadt. Derzeit akquiriert die Tourismus- und Marketinggesellschaft der thüringischen Landeshauptstadt Unternehmen, die sich im traditionellen Erfurter Einkaufsführer darstellen wollen. Im vorigen Jahr habe sich die örtliche Karstadt-Filiale noch zurückhaltend gezeigt, sagt Franziska Schulze derhandel.de. "Aber in diesem Jahr sind sie dabei. Und das ist ein gutes Zeichen", betont die Stadtmarketing-Beauftrage.

"Es werden Häuser wegfallen"

Die positiven Signale von Highstreet sind auch in Hamburg angekommen. Ulf Kalkmann, Sprecher des Einzelhandelsverbandes der Hansestadt, ist guten Mutes, dass das Warenhaus Bestand haben wird. "Karstadt hat einen hohen Stellenwert für den Branchenmix im Einzelhandel. Das Konzept Warenhaus hat sich nicht überholt - es muss nur renoviert werden."

Allerdings sieht es Kalkmann wie Albrecht: Dass es auch in Zukunft alle noch verbliebenen 120 Karstadthäuser geben wird, hält der Hamburger Verbandssprecher für unwahrscheinlich. "Ich glaube, dass jedes Jahr Häuser wegfallen werden." Wieviele, mag Kalkmann im Gespräch mit derhandel.de nicht einzuschätzen.

Hamburg beklagte im vorigen Jahr den Verlust einer Karstadt-Filiale: Der Standort im Elbe-Einkaufszentrum (EKZ) in Osdorf wurde geschlossen, 100 Menschen verloren ihren Job.

Heute nutzt ein Saturn-Markt einen Teil der Verkaufsfläche. Für das EKZ sei der Wegfall von Karstadt kein Verlust gewesen, betont Kalkmann: "Wir haben dort einen guten Branchenmix."

Daumendrücken für Berggruen

Auch München war 2009 von insgesamt sechs Karstadt-Schließungen betroffen. Allerdings wäre der Mietvertrag für das "Haus am Dom" Ende 2010 ohnehin ausgelaufen.

Derzeit gibt es eine Zwischenlösung für die Immobilie, für 2011 ist der Abriss geplant, um an selber Stelle im Jahr 2013 ein Geschäftshaus mit Handelsflächen zu eröffnen.

Stefan Hertel findet es "schön", dass die Karstadt-Krise aller Voraussicht nach ein gutes Ende nimmt. "Ein negativer Ausgang hätte die Stimmung der Verbraucher getrübt. Und das wäre nicht gut für den gesamten Einzelhandel gewesen", sagt der Sprecher des bayerischen Einzelhandelsverbandes zu derhandel.de.

Hertel betont ebenfalls, dass das Warenhaus-Konzept keineswegs überholt sei. "Karstadt ist ja vor allem wegen der hohen Mieten in Bedrängnis geraten. Und deswegen ist die Unternehmenskrise auf Managementfehler zurückzuführen."

Da neue Management wird nun von Nicolas Berggruen angeführt, "und dem drücke ich beide Daumen", sagt Hertel.