Erst Karstadt, jetzt Praktiker. Thomas Fox ist der Mann für die schwierigen Fälle. Der Unternehmensberater ist als neuer Chef der angeschlagenen Baumarktkette vorgesehen.

Als Thomas Fox nach etwas mehr als einem Jahr wieder sein Büro in der Essener Karstadtzentrale räumte, da wird der ein oder andere Mitarbeiter leise aufgeatmet haben. Wenn er überhaupt noch dort arbeiten durfte.

Fox war als "Notarzt" in den angeschlagenen Warenhauskonzern gekommen, so hat er seine Rolle einmal gegenüber "Der Handel" beschrieben. Als Interimschef sollte er im Auftrag von Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg den Laden in kurzer Zeit auf Vordermann bringen - und das ist kein Job für Kumpeltypen.

"In der Situation, in der sich das Unternehmen befindet, müssen eben auch einmal Seilschaften zerschlagen werden. Über den Verlust von Pfründen sind dann natürlich manche Mitarbeiter verärgert", beschrieb Fox eine seiner Aufgaben.

Fox für Werner

Im Februar dieses Jahres, deutlich früher als zunächst gedacht, feierte Fox dann mit der Belegschaft seinen Abschied von Karstadt. Seit Job war nach 432 Tagen getan, das Warenhaus schrieb schwarze Zahlen. "Karstadt ist heute nicht mehr der Kranke", schmetterte der Sanierer.

Danach war es etwas still um den gebürtigen Westfalen. Aber nun ist er als neuer Chef eines gleichfalls angeschlagenen Unternehmens im Gespräch. Laut "Lebensmittel Zeitung" soll Fox bereits kommenden Montag zum neuen Vorstandschef der Baumarkt-Kette Praktiker berufen werden.

Deren bisheriger Chef Wolfgang Werner war im Juli zurückgetreten. "Das zweite Quartal ist für den Praktiker Konzern enttäuschend verlaufen", sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende vor seinem Abgang und zeichnete ein miserables Bild über die Lage des Unternehmens. "Das Auslandsgeschäft kommt nicht richtig in Gang, und die Neupositionierung von Praktiker Deutschland hat ihre Wirkung auf Umsatz und Ertrag bislang nicht so entfaltet wie erwartet".

Minus 25 Prozent

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres musste das Unternehmen einen Ergebnisverlust von insgesamt 143,5 Millionen Euro verkraften.  Im ersten Halbjahr 2011 hat Praktiker ein Minus von 25 Millionen Euro gemacht.

Für Fox, Partner der Berliner Beratungsgesellschaft Modalis, wäre der Chefsessel die dritte Sanierungsaufgabe im Einzelhandel. Denn vor seinem Job bei Karstadt hievte er die Drogeriekette "Ihr Platz" aus der Insolvenz.