Hunderte Mitarbeiter der sechs Karstadt-Filialen, die geschlossen werden sollen, bangen nun um ihre Zukunft. Weitere Standorte stehen auf der Kippe. Hoffnung gibt es für das Stammhaus in Wismar.

Anfang 2010 sollen die Häuser in Hamburg, München, Dortmund, Berlin, Braunschweig und Stuttgart dichtgemacht werden. Die Gewerkschaft Verdi kündigte an, für möglichst viele Arbeitsplätze zu kämpfen.

"Es ist bitter für die Mitarbeiter", sagte der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münsterland, Thomas Schäfer. "Das ist eine bittere Pille direkt vor dem Weihnachtsgeschäft", sagte auch ein Sprecher des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels (LBE).

München: Das plötzliche Ende

Das Karstadt-Haus in der Münchner Fußgängerzone hätte zwar Ende 2010 ohnehin geschlossen werden sollen, da der Mietvertrag für Karstadt dann ausläuft. Dass das Ende nun aber unmittelbar bevorsteht, sei völlig überraschend gekommen. Von der Schließung sind 157 Mitarbeiter betroffen.

Dortmund: Hoffnung auf Verlagerung

Die 148 Dortmunder Beschäftigten hoffen, dass es in einer anderen Filiale für sie weitergeht - etwa in einem der beiden anderen Dortmunder Häuser. "Dass was passiert, wussten wir schon, aber dass es so schnell kommt, wussten wir nicht. Man weiß, dass man stirbt, und plötzlich ist der Tod da", sagte ein Verkäufer.

Hamburg: Verdi kümmert sich

Lösungen für die rund 110 Karstadt-Beschäftigten im Elbe-Einkaufszentrum in Hamburg sucht die Gewerkschaft Verdi. "Die Beschäftigten waren betroffen und unendlich traurig. Andererseits sind sie wütend, denn auf ihren Schultern wird nun das Missmanagement im Unternehmen ausgetragen", sagte Verdi-Fachbereichsleiterin Brigitte Nienhaus.

Schließung auch in Berlin

Auch die Berliner Multimedia-Filiale werde voraussichtlich zum Jahreswechsel geschlossen, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg, Thomas Schulz. Ob die 18 Beschäftigten entlassen werden oder in anderen Berliner Karstadt-Filialen untergebracht werden können, müsse mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt werden.

Verdi kündigte an, für möglichst viele Arbeitsplätze und Standorte in Berlin zu kämpfen. Schulz sagte, die Multimedia-Sparte gehöre nicht mehr zur Geschäftsstrategie von Karstadt.

Optimismus in Wismar

Elf Karstadt-Standorte in ganz Deutschland stehen noch auf der Kippe. Hoffnung gibt es dagegen für das Karstadt-Stammhaus in Wismar: Günstigere Mietkonditionen hätten dazu beigetragen, dass das bundesweit kleinste Warenhaus der Kette nicht auf der Liste der zu schließenden Filialen steht, sagte die stellvertretende Betriebsrätin Brigitte Wieck. Damit bestätigte sie einen Bericht der Rostocker "Ostsee-Zeitung". Die 48 Mitarbeiter seien optimistisch: "Wir hoffen, dass die Wiege des Konzerns selbstverständlich erhalten bleibt", erklärte Wieck.

1881 hatte Rudolph Karstadt (1856 bis 1944) in Wismar sein erstes Tuchgeschäft eröffnet.

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