Seit elf Uhr sitzt in London ein kleiner Kreis zusammen, um wieder über Karstadt zu reden. Eine Gruppe des Vermieterkonsortiums Highstreet will über die geplanten Mietänderungen abstimmen. Angeblich sind die Aussichten gut.

Die Verhandlungen um die Rettung der insolventen Kaufhauskette Karstadt können sich noch eine Weile hinziehen. Bei der für heute in London angesetzten Versammlung der Highstreet-Gläubiger sei noch nicht mit einer abschließenden Entscheidung zu rechnen, sagte ein Sprecher des Vermieterkonsortiums.

Unterdessen scheint aber eine Einigung zwischen dem Karstadt-Investor Nicolas Berggruen und dem kritischen Highstreet-Gläubiger Valovis Bank in greifbare Nähe zu rücken. Nach Informationen aus Kreisen haben sich beide Seiten weiter angenähert. Eine der größten Hürden könnte damit bald aus dem Weg geräumt sein.

Valovis-Bank nicht dabei

Bei dem Treffen in London wird die Valovis Bank nach eigenen Angaben nicht zugegen sein. Einem Highstreet-Sprecher zufolge ist um elf Uhr nur eine kleine Gruppe von zehn Personen zusammenkommen, um über die von Highstreet und Berggruen ausgehandelten Mietänderungen abzustimmen.

Eine formale Versammlung werde dann noch zu einem späteren Zeitpunkt einberufen. Einen Termin dafür gibt es dem Sprecher zufolge noch nicht. Beobachter vermuten daher, dass sich die "Deadline" für Karstadt damit ein weiteres Mal nach hinten verschieben könnte.

Am 16. Juli hatte das Essener Amtsgericht die Entscheidung über den Insolvenzplan bis zum 10. August vertagt. Auch davor hat es schon bei wichtigen Terminen Verschiebungen gegeben. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg sagte dazu: "Wir gehen davon aus, dass wie vereinbart die Highstreet-Gläubiger morgen über die Mietvertragsänderungen abstimmen."

Auf Eckpunkte-Papier geeinigt

Die Verhandlungen um die Rettung von Karstadt ziehen sich schon seit Wochen hin und zehren an den Nerven der rund 25.000 Karstadt-Mitarbeitern. Als Milliardär Berggruen im Juni einen Kaufvertrag für Karstadt unterzeichnete, war dieser an die Bedingung von Mietsenkungen geknüpft.

Dazu zeigte sich die Valovis Bank als einer der Highstreet-Gläubiger aber ohne weitere Sicherheiten nicht bereit. Die Bank, die einmal selbst Teil des inzwischen zusammengebrochenen Arcandor-Konzerns war, befürchtet für sich einen Wertverlust, sollten die Mietminderungen festgeschrieben werden.

Das Institut hatte dem Highstreet-Konsortium einen Kredit über 850 Millionen Euro gewährt, der wiederum mit 53 Kaufhäusern besichert ist.

Kreisen zufolge haben sich Valovis und Berggruen inzwischen auf ein Eckpunkte-Papier geeinigt, das aber noch nicht unterschriftsreif sein soll. Dabei soll Valovis weitere Zugeständnisse eingeräumt bekommen haben.