Mainz will kein Stuttgart 21: Bei der Neugestaltung der City werden alle Betroffenen ins Boot geholt - nicht nur die Investoren. Das betrifft auch den Umbauplan für die örtliche Karstadt-Filiale.

Wenn es um Investitionen von rund 300 Millionen Euro geht, dann gerät eine Stadt schnell auf allen Ebenen in Unruhe. In Mainz will die Stadtverwaltung vermeiden, dass es Proteste wie bei Stuttgart 21 gibt: Die Stimmen der Mainzer Bürger sollen gehört werden, um auszuloten, welche Wünsche es bei der Neugestaltung des Einzelhandels in der Innenstadt gibt.

Rund um die Ludwigsstraße, die wichtigste Einkaufsstraße in Mainz, soll eine grundlegende städtebauliche Veränderung erfolgen - mit einer Neuentwicklung und Erweiterung des Karstadt-Gebäudes und allem, was sich in der unmittelbaren Nachbarschaft befindet (Pavillons).

Die Shoppingcenterbetreiber ECE und Multi Development buhlen seit Monaten darum, wer den Zuschlag für die längst nicht mehr zeitgemäße Immobilie bekommt. Besitzer des Gebäudes ist Highstreet, Hauptmieter Karstadt.

Auch der Einzelhandel wird gehört

Nach Informationen der in Mainz erscheinenden "Allgemeine Zeitung" wollen die städtischen Dezernenten Marianne Grosse (Bau) und Christopher Sitte (Wirtschaft) nun die Bürger befragen, in welcher Umgebung sie künftig auf der "Lu" einkaufen wollen.

Ein logischer Schritt, schließlich gehören die Flächen zwischen den Pavillons der Stadt. Und deswegen will Mainz die Entwicklung der Innenstadt nicht ausschließlich Investoren überlassen.

Die "Allgemeine Zeitung" schreibt, dass die Stadt eine Art Forum einrichten will, das über die Neugestaltung des Areals mitreden soll. Dazu gehören unter anderem Vertreter des Einzelhandels, Industrie- und Handelskammer sowie des Citymanagements. Dabei riskiert die Stadt sogar, dass es eine Korrektur des bisherigen Bebauungsplans gibt.

Wie groß ist groß genug?

Die Einbeziehung der Öffentlichkeit über das gesetzlich notwendige Maß soll auch den innerstädtischen Einzelhandel beruhigen. Laut "Allgemeine Zeitung" will Wirtschaftsdezernent Sitte ein Gutachten aufstellen, ob die geplanten 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche für die Neugestaltung des Ludwigsstraßen-Areals (15.000 für Karstadt, 15.000 für restliche Läden und Gastronomie) negative Auswirkungen auf bestehende Einzelhandelsbetriebe haben kann.

Andererseits soll in dem Gutachten auch festgestellt werden, welche optimale Größe das künftige Einkaufszentrum haben muss, damit Mainz ein Oberzentrum bleibt. 

Die Mainzer Filiale steht auf der Liste der wichtigen Karstadt-Häusern mit Erneuerungsbedarf ganz oben. Kein Wunder: Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt ist bei Investoren hochbeliebt als Einzelhandelsstandort.

"Es gibt jede Menge Händler, die nach Mainz wollen", bestätigte unlängst ein Immobilienmakler. In der Innenstadt betrage der Preis für einen Quadratmeter Einzelhandelsfläche bereits 120 Euro.

Streit in Kaiserslautern

Der Mainzer Weg, die Entwicklung eines Einkaufszentrums einer breiten Diskussion zu unterziehen, ist eine Alternative zu dem Streit rund 60 Kilometer weiter südwestlich. In Kaiserslautern will die ECE die ehemalige Karstadt-Filiale zu einem innerstädtischen Shoppingcenter mit rund 22.000 Quadratmeter Gesamtfläche umbauen.

Die Stadt befürwortet das Vorhaben - doch eine Bürgerinitiative kämpft für ein Center mit maximal 16.000 Quadratmetern. Die Initiative sieht viel Unterstützung bei den lokalen Händlern und den Einwohnern Kaiserslauterns und sammelt nun Unterschriften für einen Bürgerentscheid, in dem über die passende Größe für ein Center mitten in der Stadt befunden werden soll.